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Schwyz: Wer was zahlt, wenn sich ein getrenntes Ehepaar die Kinderbetreuung teilt

Das gemeinsame Sorgerecht ist seit 2014 die Regel, wenn sich ein Paar scheiden lässt. Unklar ist bislang, wie der Unterhalt berechnet werden soll, wenn sich die Eltern auch die Betreuung der Kinder teilen. Das Kantonsgericht hat nun erstmals entschieden.
Lena Berger
Das gemeinsame Sorgerecht ist heute die Regel, doch um die Obhut der Kinder - also wer sie betreut - wird teils dennoch heftig gestritten. (Bild: Hanspeter Schiess)

Das gemeinsame Sorgerecht ist heute die Regel, doch um die Obhut der Kinder - also wer sie betreut - wird teils dennoch heftig gestritten. (Bild: Hanspeter Schiess)

Die Kinderbetreuung hatten sich die beiden schon immer geteilt – und das wollten sie auch beibehalten, als die Liebe zwischen ihnen erloschen war. Was anfangs beschlossene Sache war, führte im Laufe der Trennungszeit allerdings vermehrt zu Spannungen. Schliesslich beantragte der Vater beim Kantonsgericht Schwyz, dass nun doch ihm alleine die ­Obhut zugeteilt werden sollte. Gleichzeitig forderte er jetzt Unterhalt von seiner Ex.

Das Kantonsgericht hatte sich deshalb mit zwei wichtigen ­Fragen auseinanderzusetzen, zu denen es noch keine gefestigte Rechtsprechung gibt. Zum Einen geht es um die Frage, nach welchen Kriterien entschieden werden soll, ein Kind unter die sogenannte «alternierende Obhut» zu stellen – es also von beiden Elternteilen betreuen zu lassen. Zum Zweiten galt es zu entscheiden, wie in solchen Fällen der Unterhalt geregelt werden soll.

Gericht hält daran fest, dass beide für die Tochter sorgen

Wichtigstes Kriterium für die Entscheidung, von wem das Kind betreut werden soll, ist dessen Wohl. Eine gemeinsame Betreuung kommt gemäss Urteil nur in Frage, wenn die Eltern fähig und bereit sind, in den Kinderbelangen miteinander zu kommunizieren und zusammenzuarbeiten. Weiter spielt die geografische Situation eine Rolle, spricht die Distanz zwischen den Wohnungen. Eine gemeinsame Betreuung kommt zudem eher in Betracht, wenn die Eltern das Kind schon vor der Trennung abwechselnd betreut haben. Weiter ist dem Wunsch des Kindes und seinen Beziehungen zu allfälligen Halbgeschwistern Beachtung zu schenken.

Im konkreten Fall waren diese Bedingungen allesamt erfüllt. Das Gericht entschied deshalb, den Antrag des Vaters abzulehnen und beiden Eltern die Obhut zu erteilen. Die 11-jährige Tochter lebt also – wie bislang – an gewissen Tagen beim Vater und an den übrigen bei der nur rund 300 Meter entfernt wohnenden Mutter.

Als etwas komplizierter stellte sich die Frage heraus, wer in dieser Situation wem Unterhalt zahlen muss – und wie viel. Schliesslich beteiligen sich ja beide an der Betreuung des Kindes und bieten ihm zudem Unterkunft und Nahrung. Zu dieser Frage besteht bislang noch keine gefestigte Praxis.

Die Kosten für den Unterhalt des Kindes werden aufgeteilt

Das Kantonsgericht schrieb im Rahmen dieses Entscheids erstmals die Grundsätze fest, die im Folgenden etwas vereinfacht wiedergegeben werden:

  • Um Platz für ein Kind zu ­haben, brauchen die Eltern eine entsprechende Wohnung. Ein Teil der Miete gilt daher als Wohnkostenanteil des Kindes und wird in die Berechnung von dessen Existenzminimum ein­bezogen. Je nachdem, wie viele Tage das Kind beim jeweiligen Elternteil lebt, fällt der Betrag grösser oder kleiner aus.
  • Um das Existenzminimum des Kindes zu berechnen, wird angeschaut, bei welchem Elternteil welche Kosten – beispielsweise fürs Wohnen und die Krankenversicherung – anfallen. Die ­Kinderzulagen werden bei demjenigen abgezogen, der sie bezieht. Danach wird zusammen- gerechnet, welche Kosten insgesamt für das Kind entstehen. Die Eltern haben gemeinsam dafür aufzukommen.
  • Um zu berechnen, welcher ­Elternteil welchen Anteil der Kinderkosten übernehmen muss, wird als Nächstes der Grundbedarf der Elternteile angeschaut. Liegt das Einkommen beider darüber, müssen sie im Verhältnis ihrer Überschüsse für die Kinderkosten aufkommen.
  • Verdient ein Elternteil nicht genug, um den eigenen Bedarf zu decken, muss der andere den Grundbedarf des Kindes zahlen und mit seinem Überschuss auch für den Unterhalt des anderen Elternteils aufkommen.Bleibt über die ganze Familie ein Überschuss, so wird dieser auf die Eltern und das Kind verteilt, wobei den Eltern je zwei Fünftel und dem Kind ein Fünftel zusteht.

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