Wirbel um Pfarrhaus in Alpthal

Massive Kostenüberschreitungen und eigenmächtiges Handeln des Pfarrers: Das Bistum Chur musste die Notbremse ziehen.

Franz Steinegger
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Aussen fix, innen desolat: das Pfarrhaus Alpthal. Meinrad Steiner

Aussen fix, innen desolat: das Pfarrhaus Alpthal. Meinrad Steiner

Bild: Meinrad Steiner

Der deutschstämmige Pfarrer Georg Rabeneck tut sich schwer mit den Innerschwyzern: Schon in der Pfarrei St.Martin Schwyz musste er nach einem kurzen Gastspiel gehen. Jetzt hat er Ärger mit einem Teil der Alpthaler, wo er seit zwei Jahren die Pfarrei St.Apollonia leitet. Es geht um die dringende Sanierung des Pfarrhauses, in dem er wohnt. Das Gebäude befand sich seit Jahren in einem schlechten Zustand. Weil man sich nicht einigen konnte, ob es einem Neubau weichen sollte oder eine Sanierung reichen würde, zog sich eine Lösungsfindung hin.

Das änderte sich, als Rabeneck die Leitung der Pfarrei übernahm. Der zupackende Deutsche übernahm gleich auch die Bauleitung für das auf 700000 Franken geschätzte Umbauprojekt. Ende 2018 wurden die ersten Arbeiten ausgelöst. Das Bistum Chur segnete eine Finanzierungszusage in der Höhe von 322000 Franken aus dem Stiftungsfonds ab. Inzwischen hat das Pfarrhaus ein neues Dach und eine neue, isolierte Aussenfassade mit Schiefertafeln.

Georg Rabeneck stellte sich auf den Standpunkt, dass die Renovation mit Ausbau des Dachstockes alleinige Angelegenheit der Pfarrpfrundstiftung sei. So begann er, eigenhändig und mit Unterstützung von drei von ihm angeworbenen polnischen Arbeitern die Innenausstattung herauszureissen – inklusive der Radiatoren der bestehenden Ölheizung.

Viel Anlass zu Diskussionen

(ste) An der Kirchgemeindeversammlung Alpthal vom kommenden Sonntag dürfte es zu lebhaften Diskussionen kommen. Einerseits muss die Kirchgemeinde das Darlehen von 50 000 Franken an die Pfarrpfrundstiftung bewilligen. Andererseits stellt sich die RPK gegen den Antrag, dass die Kirchgemeinde monatlich 1140 Franken Mietzinsen an die Pfarrpfrundstiftung zahlt, wie es Pfarrer Georg Rabeneck wünscht. Ebenfalls im Bericht zur Rechnung 2018 und zum Budget 2020 aufgeführt ist die Neugestaltung des Dorfplatzes anlässlich der 1000-Jahr-Feier von Alpthal vom September 2018. Ursprünglich wollte die Gemeinde den Jubiläumsbrunnen auf dem Kirchenplätzli erstellen und bezahlen. Doch Pfarrer Georg Rabeneck stellte sich auf den Standpunkt, dass dies Sache der Kirche sei, weil sich der Grund und Boden im Eigentum der kirchlichen Stiftung befindet. Auch hier kam es zu einer massiven Kostenüberschreitung.

Rechnungen konnten nicht mehr bezahlt werden

Doch die Ausgaben liefen aus dem Ruder. Mitte 2019 waren bereits 440000 Franken verbaut. Rechnungen konnten nicht mehr bezahlt werden. Es besteht ein ungedeckter Finanzbedarf von rund 120000 Franken. Deshalb zog das Bistum als Oberaufsichtsbehörde über die kirchlichen Stiftungen die Notbremse. Im Juli setzte Chur den Baufachmann Josef Landolt als externen Administrator ein, «um von Pfarrer Rabeneck die bauliche und finanzielle Leitung der Renovation des Pfarrhauses zu übernehmen», wie es in einem Schreiben heisst.

Auf den 28. November lud der Beauftragte der Diözese Chur für die kirchlichen Stiftungen, Martin Grichting, die Mitglieder des Stiftungsrates, des Kirchenrates sowie der Rechnungsprüfungskommission (RPK) zu einer gemeinsamen Aussprache ein. Dabei wurde die Einsetzung einer Arbeitsgruppe beschlossen, welche «zeitnah mit den involvierten Personen ein sinnvolles Nutzungskonzept für das Pfarrhaus erarbeiten soll», wie es in einem Rundschreiben an die Alpthaler Bevölkerung heisst. In der Arbeitsgruppe hat je ein Vertreter der Stiftung, des Kirchenrates und der RPK Einsitz.

Die Restfinanzierung der bisher ausgeführten Arbeiten soll mittels kurzfristiger Darlehen erfolgen: 80000 Franken von kirchlichen Stiftungen, 50000 Franken von der Kirchgemeinde. Dieses Darlehen muss an der Kirchgemeindeversammlung vom kommenden Sonntag noch bewilligt werden (siehe Kasten oben). Zumindest soll der Pfarrer nun einen Ersatz für jene Heizung erhalten, welche er selber herausreissen liess, dies, sobald die Radiatoren eintreffen, die er in Deutschland bestellt hat.