«Langsam runterfahren und durchatmen»: Der Aerobic-Cup ist mit 400 Teilnehmerinnen zurück – ein Augenschein

Zug
«Langsam runterfahren und durchatmen»: Der Aerobic-Cup ist mit 400 Teilnehmerinnen zurück – ein Augenschein

Bilder: Maria Schmid (Zug, 18. September 2021)

Die Turnszene ist nach langer Pause wieder in Bewegung. Freude und Engagement sind beim 16. Zuger Aerobic-Cup gross, der Applaus auch.

Theres Bühlmann
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Endlich wieder ins Wettkampfdress schlüpfen, endlich wieder zeigen, was man in den unzähligen Trainingsstunden gelernt hat, endlich wieder vom Publikum mit Applaus angespornt werden. Auch die Sparte Aerobic wurde von der Pandemie in die Knie gezwungen, was 2020 zur Absage des Zuger Cups führte. Gross war daher die Freude bei den rund 380 Teilnehmenden am vergangenen Samstag in der Zuger Sporthalle, sich wieder im Wettkampf zu messen. Aus der ganzen Schweiz reisten sie an, darunter auch nationale Meisterteams und Turnfestsieger.

Zur Austragung gelangten die Kategorien Team Aerobic Jugend und Aktive, 3er- bis 5er-Teams und Paare. Vor dem Auftritt hiess es einturnen, den Körper auf Betriebstemperatur bringen. Viele Equipen nutzten das schöne Wetter, absolvierten draussen auf dem Platz noch einmal ihre Übungen und von den Leitern gab es letzte Anweisungen. Die bunte und fröhliche Schar weckte so das Interesse einiger Spaziergänger, die sich spontan in der Halle unter die Zuschauer mischten.

Danach war es für die Akteure so weit: Aufstellung nehmen, sich bereit machen. «Langsam runter fahren und tief durchatmen», sagte eine Trainerin. Dann 5, 6, 7, 8 – Einmarsch auf die Wettkampffläche, Positionen einnehmen, und los ging es. Die Teams zeigten teilweise Übungen auf hohem Niveau, zu sehen waren ausgefeilte Choreografien, originelle Elemente, Dynamik, Akrobatik und viel Kreativität, gepaart mit Ausdruckskraft.

Die Aktiven des TV Niederwil SG

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Standortbestimmung für die Teams

Zuschauer und mitgereiste Fans gingen begeistert mit, sorgten mit rhythmischem Klatschen – unterstützt durch Kuhglocken – für eine gute Stimmung. Die Turnerinnen und Turner, Frauen waren in der Mehrheit, genossen es sichtlich, dieses lang vermisste Wettkampffeeling.

Natürlich läuft nicht immer alles rund. Auch in Zug gab es den einen oder anderen Fehler: Standunsicherheiten, Wackler bei den Hebefiguren. Oder bei der Standwaage klappte es mit dem Gleichgewicht nicht so, wie es hätte sein sollen. Für die Teams bedeutete dieser Wettkampf eine Standortbestimmung, nun wissen sie, «wo der Hebel noch angesetzt werden muss».

Mit dabei war auch das Team des DTV Küssnacht Aktive unter der Leitung von Patricia Pellaton und Olivia Konrad. Die Schwyzerinnen, die in der Woche vier Stunden trainieren, gehören zu den Topteams, holten sich unter anderem 2017 und 2018 den Schweizer-Meister-Titel und vor zwei Jahren an der Schweizer Meisterschaft in Zuchwil die Silbermedaille. Seitdem musste auch Küssnacht eine Wettkampf-Zwangspause einlegen und trat in Zug mit einer neu konzipierten Übung auf. Der Verein versuchte, in der Pandemie trainingsmässig immer dran zu bleiben, dies geschah mittels Videos oder auch in Vierergruppen im Freien. «Am meisten Schwierigkeiten haben die Hebefiguren wegen des fehlenden Körperkontakts bereitet», sagte Patricia Pellaton. «Es ist schön, dass wir wieder Gelegenheit haben, einen Wettkampf zu bestreiten. Darüber sind wir sehr froh.» Mit 9,63 platzierten sich die Küssnachterinnen auf Rang 2, einen Zehntel hinter Laupersdorf.

Die Aktiven des TV Brunnen im Rampenlicht

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3-G-Schutzkonzept und Light-Version

Als Organisator zeichnete der Stadtturnverein Zug unter OK-Präsident Roland Aschwanden verantwortlich. Der Anlass ging mit dem 3-G-Schutzkonzept und in einer «schlanken Version» über die Bühne. Auf das gemeinsame Vorstellen der Vereine wurde verzichtet, ebenso auf die Finalrunde und auf die Rangverkündigung. Sie hätten sich lange überlegt, ob der Wettkampf durchgeführt werden soll, sagte Roland Aschwanden. «Es war ein Auf und Ab, wir führten viele Diskussionen. Aber wir wollten ein positives Zeichen setzen.» Das OK holte bei den Teams deren Meinungen ein, stand in Kontakt mit dem Schweizerischen Turnverband (STV) und mit den Ausrichtern des Stausee-Cups und des Buechberg-Cups, die am 25. September und 16. Oktober geplant sind. Diese Gespräche seien sehr hilfreich gewesen. Als im Juni bekannt wurde, dass die Schweizer Meisterschaft im Oktober in Schötz wie im letzten Jahr wieder abgesagt werden musste, «da war klar, wir führen den Zuger Aerobic-Cup durch», so Roland Aschwanden.

Die Teilnehmerzahl war heuer etwa 10 Prozent tiefer als bei der Austragung vor zwei Jahren. «Ich bin aber positiv überrascht, dass sich so viele angemeldet haben. Wir konnten den Vereinen eine Perspektive geben, wieder aufzutreten und ihre Trainings auf ein Ziel auszurichten», freute sich der OK-Präsident.

Nach getaner Arbeit formierten sich viele Vereine im Freien zur Gruppenfoto, beobachtet von einer älteren Zuschauerin, die sagte: «Meine Enkelin hat mich zum Mitkommen animiert. Ich habe die Vorführungen sehr genossen. Schön, dass wieder ein wenig Normalität eingetreten ist.»

Hinweis: www.zugerarobiccup.ch

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Die Jugendlichen des TV Kleindöttingen

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