Zweite Auswilderung
Schwerverletzte Bartgeierdame Donna Elvira segelt wieder durch die Zentralschweizer Berglandschaft

Die Bartgeierdame Donna Elvira hat sich besser von ihren Verletzungen Anfang Jahr erholt als befürchtet. Seit Montag ist sie wieder zu Hause in den Alpen.

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Blut im Schnabel und der Luftröhre, vier Knochen gebrochen, gezerrte Muskeln und Sehnen: Die Bartgeierdame Donna Elvira war im Januar in Kerns mit einem Transportbahnseil kollidiert und schwerverletzt zu Boden gegangen. Als sie im Tierpark Goldau aufgepäppelt wurde, stellte der Tierarzt ihr ein schlechtes Zeugnis. Sie würde wohl nie wieder fliegen können.

Zum Glück hat sich diese Befürchtung nun aber nicht bewahrheitet. Denn es gibt endlich gute Neuigkeiten: Donna Elvira ist wieder frei!

Ob Donna Elvira jemals wieder so lange segeln können wird, wie zuvor, wird sich noch zeigen müssen.

Ob Donna Elvira jemals wieder so lange segeln können wird, wie zuvor, wird sich noch zeigen müssen.

Bild: Stiftung Pro Bartgeier

Flugtrainings waren erfolgreich

«Am vergangenen Montag haben wir das junge Bartgeierweibchen erneut auf der Melchsee Frutt ausgewildert», schreibt die Stiftung Pro Bartgeier in einer Mitteilung. Die Wetterbedingungen seien ideal gewesen. Die nächsten Tage werden entscheidend sein, ob Donna Elvira die Rückkehr in die freie Wildbahn gelinge.

«Zu unserer Überraschung hatte es Donna Elvira nicht besonders eilig fortzukommen», schreibt die Stiftung. Als Erstes habe sie sich ausgiebig Zeit genommen, ihr Gefieder zu richten, das vom Transport etwas zerzaust war, um dann die Umgebung genauer zu beäugen und an Winterfellresten von Steinböcken herumzuknabbern. Und dann, endlich, der grosse Moment:

«Mit einem eleganten Schwung hob Donna Elvira ab, gewann schnell an Höhe und verschwand nur kurz später hinter dem nächsten Felsvorsprung.»

Wie gut sich Donna Elvira in ihrer wiedererlangten Freiheit zurechtfinden wird, ist noch ungewiss. Die Experten der Stiftung haben mit ihr das Fliegen in einer Reithalle geübt. Es zeigte sich zwar, dass die Bartgeierin gut abfliegen kann, schnell an Höhe gewinnt und wendig manövriert. Ob sie nach all den Verletzungen und Knochenbrüchen aber wieder so ausdauernd segeln können wie zuvor, lasse sich nur in freier Wildbahn feststellen.

Nächstes Jahr kommt Bartgeier Obwaldera oder Obwaldero

Der Kanton Nidwalden und die sieben Obwaldner Gemeinden unterstützen die Bartgeier-Auswilderung 2023 auf der Melchsee-Frutt finanziell. In einem Wettbewerb haben insgesamt 62 Obwaldner Klassen einen Namensvorschlag für den erwarteten Bartgeier eingereicht. Die Gemeindepräsidentenkonferenz erkor den Sieger-Namen: Obwaldera oder Obwaldero soll der Bartgeier der Obwaldner Gemeinden heissen. (pl)

Donna Elvira wird auf den Transport vorbereitet.
9 Bilder
In dieser Kiste wird die Bartgeierdame ...
... auf die Melchsee Frutt getragen.
Zeit, Abschied zu nehmen. Franziska Lörcher hebt Donna Elvira aus der Tragkiste.
Donna Elvira fliegt nicht gleich los. Sie nimmt sich Zeit ...
... und posiert noch für Fotos.
Dann wagt sie den Abflug!
Und so segelt sie davon, bis sie hinter einem Felsen verschwindet ...
... und nur noch diese kleine Feder zurückbleibt, die vom Himmel hinunterschwebt.

Donna Elvira wird auf den Transport vorbereitet.

Bild: Stiftung Pro Bartgeier

Die Fachleute bleiben dran

«Donna Elviras bisherige Flüge waren nur kurz», schreibt die Stiftung, die dank eines Satellitensenders immer weiss, wo die Bartgeierdame gerade steckt. «Wir gehen davon aus, dass sie weiter Flugmuskulatur aufbauen und sich erst langsam wieder ans Leben in den Alpen gewöhnen muss.»

Während der ersten Tage konnte die Stiftung aber bereits beobachten, dass Donna Elvira selbstständig Futter und Wasser gefunden hat. «Auf jeden Fall werden wir das junge Weibchen weiterhin eng überwachen», schreibt die Stiftung. «So lange, bis wir Gewissheit haben, dass sie sich wieder gut zurechtfindet.» (lil)

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