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Wegen Zuger Initiative: Schwyzer Landschaftsikonen geraten unter Druck

Die Umweltkommission des Ständerates plant einschneidende Änderungen beim Landschafts- und Ortsbildschutz. Auch im Kanton Schwyz sind die Schutzverbände alarmiert.
Carlo Schuler
Noch steht diese atemberaubende Aussicht unter nationalem Schutz: Blick von der Rigi auf den Lauerzersee. (Bild: Keystone/Gaetan Bally (1. Mai 2013))

Noch steht diese atemberaubende Aussicht unter nationalem Schutz: Blick von der Rigi auf den Lauerzersee. (Bild: Keystone/Gaetan Bally (1. Mai 2013))

«Der Kanton Schwyz zeichnet sich durch mehrere besonders wertvolle Landschaften aus», sagt Thomas Kuske vom Bun­desamt für Umwelt. Als niederschlagsreicher Kanton sind ­naturgemäss die moorgeprägten ­Landschaften wie jene bei Rothenthurm typisch. Starke Akzente setzen aber auch die wilde Silberen mit dem Bödmerenwald und das Bergsturzgebiet von Goldau. Die genannten Gebiete sind denn auch im Bundesinventar der Landschaften von nationaler Bedeutung (BLN-Inventar) aufgeführt. Sie geniessen einen besonderen Schutz­status. Dies gilt auch für die 18 im Isos-Inventar verzeichneten schönsten Ortsbilder der Schweiz.

Nun aber will eine parlamentarische Initiative des Zuger Ständerates Joachim Eder an diesem speziellen Schutz rütteln. Neu sollen bereits kantonale Interessen genügen, um Eingriffe zu rechtfertigen. Bisher brauchte es dafür zwingend ein nationales Interesse. Zudem soll der Einfluss der Eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission (ENHK) und der Eidgenössischen Denkmalkommission (EDK) verringert werden. Vor wenigen Wochen hat die Umweltkommission des Ständerates diesen Vorschlägen zugestimmt. Der Vorstoss Eder wurde 2012 auch von den beiden Schwyzer SVP-Ständeräten Peter Föhn und Alex Kuprecht unterzeichnet. Am Dienstag wird bekanntgegeben, wie sich die Schwyzer Regierung in dieser Sache positioniert.

In Schwyz gibt es keine unabhängige Kommission

Ständerat Eder ist überzeugt: «Die Kantone sind sehr wohl in der Lage, im Spannungsfeld von Nutzungs- und Schutzinteressen verantwortliche Entscheide zu treffen.» Raimond Rodewald von der Stiftung Schweizer Landschaftsschutz widerspricht. Bei handfesten kantonalen Nutzungsinteressen brauche es eine unabhängige, objektivere Sichtweise. Zudem seien die betreffenden Fachstellen personell oft unterdotiert. Eine Bundeskommission sei wichtig, denn hier gehe es um «unsere nationalen Landschaftsikonen».

Raimond Rodewald geht davon aus, dass es bei einer Umsetzung des Vorstosse Eder auch im Kanton Schwyz zu erheblichen Konflikten käme. So könnte sich der jetzt schon bestehende Druck auf die Seeufergebiete in den BLN-Objekten Frauenwinkel, Vierwaldstättersee und Lauerzersee noch zusätzlich verstärken. Rodewald befürchtet zudem, dass eine Öffnung des Schutzes auf nationaler Ebene auch eine Schwächung der kommunalen Schutzgebiete nach sich ziehen wird.

Patrick Schoeck vom Schweizer Heimatschutz sagt: «Joachim Eder verweist beständig darauf, dass kantonale Fachinstanzen in der Lage seien, nationale Anliegen auf Kantonsebene zu vertreten. Nur: Im Kanton Schwyz gibt es gar keine solchen unabhängigen Kommissionen auf Kantonsebene.» Entsprechend müssten staatliche Lohnempfänger für die Regierung kontroverse Fälle vorbereiten und vorlegen. Man könne sich leicht vorstellen, was für ein politischer Druck und welche Existenzängste auf diesen Verantwortlichen lasten würden. Für Schoeck stellt der Vorstoss Eder «eine gravierende Drohkulisse» gegenüber den Anliegen des Natur- und Heimatschutzes dar.

Behörden opfern die Landschaft dem Tourismus

Bei den Schwyzer Schutzverbänden ist man alarmiert. Robert Bachmann, Präsident des Schwyzer WWF, findet, dass die Annahme dieses Vorstosses gerade im Falle des Kantons Schwyz gravierende Konsequenzen hätte. Hier seien die Behörden eben rasch bereit, die Landschaften oder Ortsbilder des Kantons der Wirtschaft oder dem Tourismus zu opfern. Der Druck sei heute schon gross. Bachmann erinnert an Fälle wie die Erweiterung des Seedamm Plazas, den geplanten Muota-Schluchtenweg oder an den Abbruch von denkmalgeschützten Häusern in Steinen und Schwyz.

Isabelle Schwander vom Schwyzer Heimatschutz sagt, dass ihre Vereinigung die Abschaffung oder Zurückstufung der gut funktionierenden Fachgremien ENHK und EDK sehr bedauern würde. Sie verweist auf die Fälle «Steinfabrikareal Pfäffikon» und «Deponie Buosigen», wo die Gutachten der ENHK eine wichtige Rolle spielen.

Auch der Schwyzer Denkmalpfleger Thomas Brunner betont die Bedeutung der beiden Fachgremien. Diese würden zur fachlichen Klärung und Rechtssicherheit beitragen. «Ortsbilder und Baudenkmäler sind einmalig und nach einer Zerstörung ­unwiderruflich verloren». Umso wichtiger sei deshalb, dass eine Interessenabwägung sorgfältig und mit der grösstmöglichen fachlichen Unterstützung ablaufe, damit ein getroffener Entscheid auch für zukünftige Generationen nachvollziehbar bleibe.

Schutzobjekte im Kanton Schwyz

Im Kanton Schwyz gibt es 18 Ortsbilder von natio­naler Bedeutung. Nebst grossen Ortschaften wie Schwyz oder ­Lachen sind darin auch mehrere interessante «Spezialfälle» wie Grynau, Ufenau, Etzelpass oder Biberegg aufgeführt. Zu den ­nationalen Schutzobjekten (BLN-Gebiete) gehören:

  • Die Glaziallandschaft Lorze – Sihl mit Höhronenkette und Schwantenau
  • Moorlandschaft zwischen ­Rothenthurm und Biberbrugg
  • Zugersee, Obersee, Lauerzersee sowie der Vierwaldstättersee mit Kernwald, Bürgenstock und der Rigi
  • Frauenwinkel – Ufenau – Lützelau
  • Silberen
  • Bergsturzgebiet von Goldau

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