Schwyzer Nazi-Sympathisanten

Faschisten und Nazis gab es im Zweiten Weltkrieg auch im Kanton Schwyz. Ein Kapitel der Kantonsgeschichte berichtet darüber.

Drucken
Teilen
Die in Schwyz gefundene Nazi-Uniform. (Bild: PD)

Die in Schwyz gefundene Nazi-Uniform. (Bild: PD)

Es sind zwei aufsehenerregende Bilder. Eines zeigt in Schwarz-Weiss eine Schwyzer Sektion der italienischen Faschisten, die in Brunnen durch das Dorf zieht. Das andere ist farbig und bildet die braune Uniform eines NSDAP-Ortsgruppenleiters samt Hakenkreuz-Armbinde ab, die in einem Schwyzer Privathaus gefunden wurde. Beide Abbildungen illustrieren das Kapitel «Die Zeit der Weltkriege» in der soeben erschienenen «Geschichte des Kantons Schwyz». Geschrieben hat es der Schwyzer Historiker und Leiter des Staatsarchivs, Erwin Horat.

Faschisten im Kollegi

Zu den italienischen Faschisten, die damals auch Anhänger im Kanton Schwyz fanden, schreibt Horat: «1935 war unter den zahlreichen italienischen Schülern des Kollegiums Maria-Hilf in Schwyz eine Sektion der Faschisten gegründet worden. Die Sektion trat auch öffentlich auf, unter anderem bei einem Einzug in Brunnen.» In Nachrufen über verstorbene italienische Ehemalige des Kollegis finden sich in alten Ausgaben der Kollegi-Hauszeitung auch Abbildungen von italienischen Offizieren in faschistischer Uniform.

Zur aufgefundenen Nazi-Uniform schreibt Horat: «In einem Schwyzer Privathaus wurde während des Zweiten Weltkriegs für den denkbaren Fall eines deutschen Einmarsches vorgesorgt. Im Haus wurde die Uniform eines Ortsgruppenleiters der Nazionalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) aufbewahrt.» Wie der Besitzer, dessen nationalsozialistische Gesinnung bekannt war, in deren Eigentum gelangte, sei nicht bekannt, schreibt Horat dazu.

Deutsche Kolonien

Der Historiker hält in der Kantonsgeschichte weiter fest: «In erster Linie zählten Deutsche zu den Nazi-Sympathisanten.» In der Öffentlichkeit präsent waren damals die deutschen Kolonien. Sie waren im Kanton Schwyz in die drei Ortsgemeinschaften von Küssnacht, Brunnen und Einsiedeln gegliedert. Von 1941 bis 1944 waren insgesamt 448 Personen Mitglied dieser deutschen Kolonien - 162 in Einsiedeln, 261 in Brunnen und 25 in Küssnacht. Im Verhältnis zur Anzahl der im Kanton Schwyz wohnhaften Deutschen, 1941 waren dies 1080 Personen, «waren somit 41,5 Prozent Mitglied einer nationalsozialistischen Vereinigung», hält Horat fest.

Rund drei Viertel dieser 448 Mitglieder der deutschen Kolonien waren Frauen. «Die hohe Zahl der Frauen sowie der Angehörigen der Gemeinschaft Brunnen ist auf den Beitritt von 181 Ingenbohler Schwestern deutscher Nationalität im Herbst 1943 zurückzuführen», führt Horat weiter aus. Und: «Es fällt schwer, zwischen Anhängern und Mitläufern zu unterscheiden.» Viele Deutsche seien damals in die Gemeinschaft eingetreten, weil die deutschen Konsulate starken Druck ausübten und ohne Mitgliedschaft eine Passverlängerung gefährdet sein konnte.

Spionageverdacht

Der Historiker Horat wertet die Mitgliederzahl der deutschen Kolonien im Kanton als gering. Das weise darauf hin, «dass dem Druck standgehalten werden konnte. Die Deutschen wurden mit Argwohn betrachtet, weil man befürchtete, sie könnten zum Nachteil der Schweiz Spionage betreiben.» In mindestens zwei Fällen konnte denn auch eine nachrichtendienstliche Tätigkeit nicht ausgeschlossen werden.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs rafften sich die Behörden auf Bundes- und Kantonsebene auf, Personen, die als überzeugte Nationalsozialisten respektive Faschisten galten, wegzuweisen. Im Kanton Schwyz wurden acht Ausweisungsbefehle erlassen, vier wurden vollstreckt. Die Zeitungen, insbesondere der in Siebnen gedruckte «Schwyzer Demokrat», damals Organ der kantonalen Linken, forderten vehement die Ausschaffung überzeugter Nazis. Eine Kundgebung im Schützenhaus in Lachen am 9. Juni 1945 unterstützte dieses Postulat. Der Kantonsrat behandelte die Ausweisung von Ausländern an seiner Sitzung vom 26. Juli 1945. SP-Kantonsrat Karl Röllin aus Wollerau erklärte damals unter anderem: «Es ist gesundes Volksempfinden, wenn da Remedur verlangt wird.» An der engagierten Diskussion beteiligten sich elf Kantonsräte aus allen Parteien und verlangten von Regierungsrat Josef Bürgi Auskunft über die Massnahmen der Schwyzer Regierung. Der Debatte kam allerdings nur die Bedeutung einer «Chropfleerete» zu, Beschlüsse wurden keine gefasst.

Bert Schnüriger / Neue SZ

Völkischer Ton in der Zeitung

s. In den Dreissigerjahren machte sich die völkische Sprache aus dem benachbarten Nazi-Deutschland auch in Schwyzer Zeitungen breit. Der Historiker Erwin Horat fand dazu Beispiele. Er führt Beispiele aus dem «Einsiedler Anzeiger» an, der unter anderem über eine Jungmannschaftstagung berichtete und darin Formulierungen wie «strammen Schrittes», mit «fliegenden Bannern» und von «strammem Taktschritt» schrieb. In der gleichen Zeitung fand sich auch die Formulierung: «Das Gepräge und die Wucht der Masse, der flutenden Bewegung, der sehnigen Kraft, die willens ist, den Riesenkampf mit der Zeit zu wagen.» Oder es ist da die Rede vom «Massenaufmarsch, Mann für Mann wollen wir beweisen, dass wir Bauern zum letzten und äussersten Kampf entschlossen sind.» In den Jahren vor dem Krieg hatten kantonale Zeitungen eine wichtige Rolle bei der politischen Auseinandersetzung gespielt. 1933 wetterten die «Schwyzer Zeitung» und der «Einsiedler Anzeiger» über «nackt tanzende Kommunisten in Oberiberg» und forderten die Bevölkerung zu energischem Durchgreifen auf. 1937 verbot der Kantonsrat die kommunistische und andere staatsgefährdende Parteien.