SEEWEN: Die Negusgesellschaft ist in einem Tief

Die Seewener ­Fasnachtsgesellschaft erlebt derzeit eine Krise. Sie wurde an der Reichsversammlung vom Samstag augenfällig.

Bert Schnüriger
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Einzug der Negusgesellschaft in die Seewener Seerüti-Halle, vorbei an leeren Tischreihen.

Einzug der Negusgesellschaft in die Seewener Seerüti-Halle, vorbei an leeren Tischreihen.

In der Seerüti-Halle in Seewen standen am Samstagabend 160 Besucherstühle bereit. Zur 77. traditionellen Reichsversammlung der Negusgesellschaft waren aber nur rund 100 Personen gekommen. Ganze Tischreihen blieben leer. Noch vor wenigen Jahren hatte die Reichsversammlung in Seewen einen grossen Publikumsandrang erlebt. Wer Einlass finden wollte, stellte sich damals schon eine Stunde vor Beginn der Versammlung am Saaleingang in eine Warteschlange.

Rott spaltet sich ab

Im Verlauf der Versammlung wurde auch ein Grund für den Publikumsrückgang klar. Jüngere Fasnächtler in der Seewener Maschgradenrott wollen nichts mehr mit dem althergebrachten Negus-Getue zu tun haben. Die Seewener Rott macht darum inzwischen nicht mehr in der Negusgesellschaft mit. Am vergangenen 10. November hatten Rottmitglieder einen eigenen Verein gegründet. Er nennt sich seither Nüssler-Rott Seewen.

Da traf es sich günstig, dass in der Negusgesellschaft am Samstagabend auch die Amtszeit des Rottmeisters Andi Häne abgelaufen war. Er sprach an der Reichsversammlung als Abtretender und gleichzeitig als neuer Rottherr der neuen Nüssler-Rott. Sein neuer Verein wolle den traditionellen Fasnachtsbrauch der Strassenfasnacht mit einer Maschgradenrott weiterhin pflegen. In den letzten Jahren ist es den Seewener Maschgraden denn auch gelungen, mit einem neuen Anlass, einer samstäglichen Abendrott, die Seewener Fasnacht sehr zu beleben. Ab der Fasnacht 2014 gehe der Verein Nüssler-Rott Seewen die Fasnacht selbstständig an, mit der Negusgesellschaft wolle man aber künftig zusammenarbeiten, sagte Häne. Negus Stefan Gramlich wünschte dem neuen Verein alles Gute und sagte: «Ich sehe die fasnächtliche Zukunft nicht trübe, erhebt also mit mir das Glas.»

Humorvolle Unterhaltung

Obwohl die Negusgesellschaft also derzeit nichts zu lachen hätte, zog sie am Samstagabend die Reichsversammlung in ihrer traditionellen Art durch und sorgte für zeitweise humorvolle Unterhaltung. So hatte der Negus-Kassier die Lacher auf seiner Seite, als er berichtete, ein Goldauer Treuhänder habe die Negus-Kasse übernehmen wollen. Der für die Seewener Negus-Staatskarossen Verantwortliche beklagte sich über den enormen Treibstoffverbrauch dieser Riesen-Cabriolets. Bei einer Fahrt nach Schwyz seien schon bei der Nietenbach-Brücke die Tanks leer. Worauf der als Gast anwesende fasnächtliche Herrscher des benachbarten Schwyz, Hesonusode Patrik Bamert, mit einem Benzinkanister antrat und erklärte: «Wir helfen, wenn einen der TCS im Stich lässt.»

Gute fasnächtliche Unterhaltung war auch das zeitweilige Wirrwarr um die Wahl eines neuen Rechnungsprüfers, das zeitweise in ein Casting wie im Fernsehen zu münden drohte. Da er nächstes Jahr im Amt arbeitslos werde, kandidierte zunächst der Schwyzer ­Hesonusode. Vorgeschlagen wurde auch alt Negus Peter Kokol und «einer der Kummerbuben», Kantonspolizist Martin Inderbitzin. Der Hesonusode zog seine Kandidatur zurück, die Versammlung erklärte schliesslich die beiden verbliebenen Kandidaten als gewählt.