SEEWEN: Nüsseln statt höfisches Getue

Seit Beginn der Fasnacht haben die Nüssler einen eigenen Verein. «Das einzig Richtige», sagen Wichtige.

Charly Keiser
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Eine Zigeunerin geniesst – zusammen mit einem Blätz – die Abendrott beim Bahnhof Seewen. (Archivbild Laura Vercellone)

Eine Zigeunerin geniesst – zusammen mit einem Blätz – die Abendrott beim Bahnhof Seewen. (Archivbild Laura Vercellone)

Dank ihrer selbst gebastelten Fasnacht wollten 1936 die Seewener aus dem Schatten des «mächtigen» Schwyz treten, wie auf der Website der Negusgesellschaft zu lesen ist, und die aus obigem Grund ins Leben gerufen wurde. Die Gesellschaft stellt seit Jahrzehnten eine witzig-wichtige Fasnacht auf die Beine.

Und die Geschichte von damals scheint sich jetzt zu wiederholen: Nur ist es heute die Negusgesellschaft selbst, die als mächtig empfunden wird und der gezeigt werden soll, dass andere es genau so gut – oder gar besser können.

Von der IG zum Verein

Jüngere Fasnächtler – vornehmlich aus dem Kreis der Seewener Maschgradenrott – wollten eigenständig werden. Zudem sollte das wichtige Negus-Getue in den Hintergrund treten. Vielmehr wollen die Jungen das Nüsseln und Maskentreiben wieder voll und ganz in den Vordergrund treten lassen. Nüssler-Rott Seewen heisst denn auch der neue Schwyzer Verein, der im vergangenen November zum Fasnachtsbeginn gegründet wurde. Hervorgegangen ist er aus der rund sechseinhalb Jahre alten Interessengemeinschaft Seewener Nüssler, die ihr vorhandenes Geld als Startkapital in den neuen Verein eingebracht hat.

«Wir machen an der diesjährigen Seewener Fasnacht ganz normal mit», sagt Andy Häne, der im Verein als Maschgradenvater fungiert. Bis am letzten Samstag hatte er eigentlich die gleiche Funktion inne – nur hiess sie «Rottmeister der Negusgesellschaft».

«Es stimmt», bestätigt Häne die Gerüchte, dass an der letzten Fasnacht die Orangen ausgegangen seien. Ein Umstand, der die Jungen mächtig auf die Palme gebracht hat. Trotzdem will Häne auch künftig zusammen mit der Negusgesellschaft Orangen einkaufen.

«Wir sind jung und dynamisch»

Diese Fasnacht sei noch von der Negusgesellschaft organisiert, verrät Häne und fügt an: «2014 werden wir aber alles selber machen und so die Gesellschaft entlasten.» Der Grund für die Abspaltung sei primär, dass die Jungen mehr Verantwortung für die Fasnacht hätten übernehmen wollen. «Wir sind jung und dynamisch. Und ja – das höfische Getue haben wir nicht. Wir sind eine ganz normale Fasnachtsgesellschaft.» Der neue Verein wolle das Nüsseln hochhalten, das es wohl schon vor Negus gegeben habe. «Wir wollen, auch für unsere Nachkommen, zu unserem Kulturgut Sorge tragen. Neues sei vorläufig nicht geplant, sagt Häne. Zuerst müssten nun die Ämter unter dem Vorstand aufgeteilt und die nächste Fasnacht organisiert werden. «Der normale Zuschauer wird wohl nicht merken, dass ein anderer Verein den Anlass organisiert.»

Und was sagt Häne, dem die Abend­rott besonders am Herzen liegt, und die in Seewen nicht mehr wegzudenken sei, zum Verhältnis mit der Negusgesellschaft? «Das ist sehr gut, und es ist begrüsst worden, dass wir die Rott künftig selber organisieren.» Selbst aus der alt Herrschervereinigung der Gesellschaft sei positives Echo zu hören, sagt er und zitiert. «Das ist das einzig Richtige, was ihr gemacht habt.»

Der neue Verein wolle sich sicher nicht abschotten, es werde zusammengearbeitet, betont Häne: «Schliesslich sind wir ein Dorf mit nun zwei verschiedenen Fasnachtsvereinen.»