Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

SEHBEHINDERT: Sie sieht fast nichts mehr

Seit ihrem 20. Lebensjahr sieht Martina Arnold zusehends weniger. Heute beträgt ihre Sehfähigkeit noch 5 Prozent. Trotzdem lässt sie sich nicht davon abhalten, so selbstständig wie möglich durchs Leben zu gehen. Auch wenn für sie vieles anstrengend ist, das uns gar nicht bewusst ist. Die LZ-Weihnachtsaktion kann helfen.
Ihre Umwelt nimmt Martina Arnold (53) nur noch verschwommen wie durch eine Tunnelröhre war. Trotzdem will sie auch in Zukunft selbstständig durchs Leben gehen. (Bild Pius Amrein)

Ihre Umwelt nimmt Martina Arnold (53) nur noch verschwommen wie durch eine Tunnelröhre war. Trotzdem will sie auch in Zukunft selbstständig durchs Leben gehen. (Bild Pius Amrein)

Martina Arnold (53) will kein Mitleid erwecken – das zuallerletzt. Dabei hätte die Urnerin, die an einer Erbkrankheit leidet, schon Grund dazu, mal kräftig auf den Tisch zu schlagen. Ihre Biografie ist nicht gerade das, was man sich für sein eigenes Kind wünschen würde.

Aufgewachsen ist sie in Flüelen, als drittältestes von fünf Kindern. Der Vater arbeitete beim Industriezulieferer Dätwyler, die Mutter als Hausfrau. Irgendwann gegen Ende der Primarschulzeit bekam sie epileptische Anfälle. Die Ärzte empfahlen den Eltern, die Tochter vom Schulunterricht vorübergehend dispensieren zu lassen. Die Tochter setze sich selber zu sehr unter Druck, was zu epileptischen Anfällen führe, hiess es.

Die Eltern befolgten den Rat. Es folgten Sonderschule, ein Haushaltslehrjahr in Gurtnellen sowie eine Anstellung als Hausangestellte in Locarno. Nach einer Anlehre bei einem Grossverteiler arbeitete sie für diesen knapp 20 Jahre lang an der Kasse. Obschon sie sich dies vermutlich lange Zeit nicht eingestehen wollte, sah sie zunehmend schlechter. «Mit der Zeit entwickelt man Strategien, schliesslich will man sich zuletzt damit konfrontieren, dass etwas nicht stimmt.»

Kunden lasen ihr Preisangaben vor

Damals gab es noch keine Scanner, die einem einen Grossteil der Arbeit abnehmen konnten. Und so hatte Martina Arnold mit fortlaufender Verschlechterung ihres Augenlichtes immer mehr Probleme, die Preise der Artikel korrekt zu lesen und einzutippen. Dieser Umstand blieb ihrer Kundschaft nicht verborgen. «Es gab Kunden, die mir vorlasen, was wie viel kostet.»

Jahrelang ging das gut. Bis es zu einem folgenschweren Unfall in ihrer Freizeit kam. Martina Arnold fuhr trotz eingeschränkter Sicht immer noch Velo. Eines Tages übersah sie ein Auto. Glücklicherweise brach sie sich nur das Handgelenk und zwei Finger. Zurück im Geschäft, legte man der damals 38-Jährigen nahe, zu kündigen. So gehe das nicht, hiess es. «Das war sehr hart», sagt sie. Es stellten sich ihr Fragen wie: «Warum lassen sie mich nicht eine andere Arbeit ausführen? Warum lassen sie mich fallen? Mich, die treue Mitarbeiterin?»

50 Kilo abgenommen

Plötzlich war sie aus dem Arbeitsprozess ausgeschlossen. Diese Tatsache nagte an ihrer Psyche. Sie begann in ihrem Kummer zu essen, bis sie sich nicht mehr richtig bewegen konnte. Und beschloss, sich ein Magenband einsetzen zu lassen. 50 Kilogramm nahm sie in der Folge ab. Im Luzerner Kantonsspital untersuchte man ihre Sehbehinderung. Das Resultat: Sie leidet an einer vererbten Netzhautdegeneration, in der Fachsprache heisst die Krankheit Retinopathia pigmentosa (RP). Weltweit sind rund drei Millionen Menschen von einer der diversen Formen betroffen. Das entspricht einem Fall pro 3000 bis 7000 Einwohnern. Bei rund der Hälfte aller RP-Patienten entwickelt sich im Erwachsenenalter eine Linsentrübung, der graue Star, so auch bei Martina Arnold.

Sie sitzt im Blindenheim Horw. Trotz minimalster Sehfähigkeit von bloss 5 Prozent kann sie heute im Blindenheim einer geregelten Arbeit nachgehen. Dort wohnen will sie nicht. Vielmehr legt sie Wert darauf, so selbstständig wie möglich durchs Leben zu kommen, weswegen sie auf eine Unterstützung durch die LZ-Weihnachtsaktion hofft. Zu ihrem Verständnis von Selbstständigkeit gehört etwa, dass sie zehn Minuten entfernt vom Blindenheim allein wohnt. Einzig die Spitex hilft ihr alle zwei Wochen beim Haushalten.

Probleme bei Bushaltestellen

Ohne Hilfe möchte sie auch weiterhin im Strassenverkehr zurechtkommen. Als Hilfsmittel dient ihr dabei der Blindenstock. Anders als nachts gelingt ihr das Vorwärtskommen tagsüber den Umständen entsprechend gut, wobei sie sich wünschen würde, dass die VBL die Busnummern via Lautsprecher ausrufen würden, wie dies in St. Gallen der Fall sei. Ist sie orientierungslos, lässt sie sich helfen. «Ich spreche Passanten an, bitte um Support und erhalte diesen auch.»

Negativer sind ihre Erfahrungen, wenn es um die Suche nach einer Wohnung geht. «Wir Sehbehinderten werden öfters mit viel Skepsis behandelt.» Solches hat sie bei ihren Vorvermietern erlebt, die ihr nahegelegt haben, zu kündigen, was sie dann auch tat. Dank der Hilfe ihrer Sozialarbeiterin hat sie in der Folge ihre heutige Wohnung vermittelt erhalten.

«Mehr Unterstützung für Junge»

Generell findet sie, dass Sehbehinderte über eine eher kleine Lobby verfügen. «Die Jungen erfahren zwar mehr Unterstützung als meine Generation», sagt sie. So gibt es in der Zentralschweiz beispielsweise eine Blindenschule in Baar. Etwas, das ihrer Generation vorenthalten war. Gleichwohl würde sie sich noch mehr Aufklärung für die breite Bevölkerung wünschen, damit das Verständnis für Sehbehinderte grösser würde. «Wir haben zwar einen Stock. Deswegen können wir trotzdem aktiv am Tagesgeschehen teilnehmen.»

Martina Arnold lässt sich aller negativen Erfahrungen zum Trotz nicht davon abhalten, guten Mutes durchs Leben zu gehen. Ihre zuversichtliche Art lässt einem froh ums Herz werden. Man denkt: So schnell wird sich diese Frau nicht unterkriegen lassen.

Alle helfen mit

Neben den vielen Einzelpersonen, Familien und Firmen, welche die LZ-Weihnachtsaktion unterstützen, gibt es auch eine Reihe von Aktivitäten und Aktionen zu Gunsten von Menschen in Not.

«Der Chor» aus Luzern etwa sammelte mit zwei stimmungsvollen und gut besuchten Konzerten 3000 Franken, die er uns überwiesen hat. Sehr berührt hat uns auch eine Spende des Seniorenmittagstischs Pfarrei St. Johannes Luzern, wo fast 900 Franken gesammelt worden sind. Und 800 Franken sind beim Wäsmelin-Weihnachtsmarkt zusammengekommen, der somit weihnächtlicher nicht sein konnte. Eine wunderbare Gabe kam auch von der Firma Zemp Sanitär AG aus Luzern, die anstelle von Kundengeschenken 1000 Franken spendete. Wir sind sicher, die Kunden waren damit einverstanden.

Auf Schulreise verzichtet

Auch Junge helfen mit: Eine Luzerner Schulklasse hat entschieden, dieses Jahr auf die Schulreise zu verzichten, und spendete dafür über 250 Franken aus der Klassenkasse. Zwei neunjährige Schulkinder aus Gunzwil stellten einen Guetzliverkauf auf die Beine und schickten uns 100 Franken. Und 175 Franken kamen von vier Fünftklässlerinnen aus Eich von ihrer eigenen Aktion. Die Erstkommunionkinder von Hildisrieden sammelten 229 Franken. Und indirekt wirken sogar die ganz Kleinen mit: Die Kindertagesstätte Kunterbunt des Kantonsspitals Luzern schickten uns 115 Franken.
Eine schöne Idee hatte ein Ehepaar aus Baar. Für jeden Tag des Jahres zahlten sie einen Franken und schickten uns folglich 365 Franken.

Wie wichtig und willkommen die Unterstützung ist, zeigt die Zahl der eingegangenen Gesuche um Hilfe. Bereits jetzt wurde mit 2500 Anfragen der letztjährige Gesamtstand von 2310 deutlich übertroffen.
Damit wir weiterhin schnell, am besten noch vor Weihnachten, vielen Menschen helfen können, sind wir froh um weitere Spenden. Das Postkonto lautet: 60-33377-5. Auch Onlinespenden via sind möglich.

«Geweint vor Freude»

Wie dankbar die Empfänger sind, zeigt beispielsweise das Schreiben einer Sozialhelferin: «Unsere Klientin, eine alleinerziehende Mutter, hat eben angerufen. Der Beitrag der Weihnachtsaktion ist für sie eine riesige Entlastung. Sie hat am Telefon vor Freude geweint.»

Die Sozialvorsteherin einer Entlebucher Gemeinde schrieb uns: «Einmal mehr durfte ich erfahren, wie schnell Sie helfen. Im Namen der Empfänger danke ich von ganzem Herzen. Eltern wurden um Sorgen erleichtert, und es werden an Weihnachten zusätzliche Kinderaugen leuchten.»

Und eine ältere Frau schickte uns ein Kärtli: «Ich möchte mich für die neue Brille herzlich bedanken. Das ist ein grosser Lichtblick. Ich wünsche den gutherzigen Spenderinnen und Spendern ein gesegnetes Weihnachten.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.