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Sein Schnitt ist weltmeisterlich

Silvan Meier
Kesse Frisuren schüttelt er aus dem Handgelenk: Coiffeur-Weltmeister Roger Rogenmoser. (Bild Werner Schelbert)

Kesse Frisuren schüttelt er aus dem Handgelenk: Coiffeur-Weltmeister Roger Rogenmoser. (Bild Werner Schelbert)

Dem Fachmann entgeht nichts. «An Ihrer Frisur war kein Coiffeur dran», stellt Roger Rogenmoser unverblümt fest. Recht hat er. Ich schneide meine Haare selber. «Ich kann nicht anders», sagt der Coiffeur-Weltmeister entschuldigend. «Jeder Coiffeur hat diesen Röntgenblick und scannt eine Person von oben bis unten.» Wenn er durch die Strassen spaziere, wandere sein Blick nicht von Gesicht zu Gesicht, sondern von Frisur zu Frisur. «Aber ich beurteile die Leute nicht anhand ihrer Haare.» Trotzdem hat er immer ein paar Gutscheine seines Coiffeurgeschäfts Head Case dabei, um sie Wildfremden mit schlechter Frisur in die Hand zu drücken. Selber geht der 34-Jährige nur perfekt gestylt aus dem Haus. «Das gehört zu meinem Business.» Lange brauche er aber nicht, um seine Locken zu bändigen. «In zehn Minuten sitzt mein Haar», sagt er.

Trainieren wie ein Sportler

Das Interesse fürs Frisieren ist Roger Rogenmoser quasi in die Wiege gelegt worden. Schon sein Vater hat als Coiffeur gearbeitet und in Hochdorf, Zug und Lachen Salons geführt. Rogenmosers Weg war vorgezeichnet. Schon als 9-Jähriger half er mit. Nur zwei Jahre später nahm er erstmals an der Schweizer Meisterschaft der Coiffeure teil. Der Ehrgeiz packte ihn. Er absolvierte eine Coiffeurlehre und gewann nach dem Schweizer-Meister-Titel 18-jährig die Europa- und 20-jährig die Weltmeisterschaft. «Dafür trainiert man wie ein Sportler», sagt er. «Die Frisuren kann man im Schlaf schneiden.» Das nimmt nur auf sich, wer für seinen Beruf lebt. Rogenmoser arbeitete in dieser Zeit fürs väterliche Geschäft in Zug. Doch mit 22 Jahren wollte er weg. «Mir wurde es hier zu eng», sagt der gebürtige Hochdorfer. Ihn zog es nach London, wo er zwei Jahre in einem Salon arbeitete und den Titel «Talent of the Year» gewann. Dann hängte er ein Jahr in Paris an.

Expansion nach Luzern

Auch wenn er nach seiner Rückkehr noch nicht daran dachte, sich selbstständig zu machen, nahm er eine Idee aus dem Ausland mit. In England und in Frankreich arbeitete er in grossen Salons mit zehn und mehr Coiffeuren – ein Geschäftsmodell, das in der Schweiz damals noch kaum verbreitet war. Und als er vor vier Jahren in Baar seinen ersten eigenen Salon eröffnete, erhielt er keinen grossen Kredit. Rund 16 Sessel stehen dort für die Kundschaft bereit. Von drei Seiten kann jeder direkt in den Salon blicken und den Coiffeuren bei der Arbeit zuschauen. Zu Beginn sei die Akzeptanz gering gewesen, sagt Rogenmoser. «Aber mittlerweile haben wir eine grosse Fangemeinde.» Nur ein Jahr nach der Geschäftseröffnung in Baar expandierte Rogenmoser in seinen Wohnort Zürich. Der Salon an der Badenerstrasse ist sogar noch grösser als jener in Baar. Und nun folgt im November das dritte Geschäft. Rogenmoser eröffnet am Löwenplatz in Luzern, dort, wo jetzt noch Starbucks Kaffee ausschenkt, sein drittes Standbein. Für ihn ist klar: Die Zukunft liegt in solch grösseren Geschäften. Kleinere Salons werden es in Zukunft schwer haben. Denn die Konkurrenz ist gross. Rund 8000 Coiffeurgeschäfte gibt es in der Schweiz.

Die Schere an den Nagel gehängt

Hilft ihm der Weltmeistertitel, sich zu behaupten? «Er bringt mir Akzeptanz in der Branche», sagt er. Zu Werbezwecken setzt er seine Meriten aber nicht ein. Auf der Homepage muss man suchen, um überhaupt davon zu erfahren. Einen Haarschnitt vom Weltmeister gibt es sowieso nicht. Selber schneidet Rogenmoser in seinen Salons nämlich keine Haare. Obwohl er Coiffeur aus Leidenschaft sei, widme er sich heute gerne dem Management, der Teamführung und der Ausbildung. So investiert er nur zwei Tage pro Woche in seine Firma Head Case. Sonst arbeitet er für Goldwell und KMS, zwei Firmen mit Sitz in Baar, die sich auf Haarpflege und Kosmetik spezialisiert haben. Hier bildet er Mitarbeiter aus und ist Stylist bei Events wie Modeschauen.

Frauen trauen sich

So spürt er auch immer, wohin sich die Trends entwickeln. Und derzeit ist Rogenmoser sehr zufrieden mit dieser Entwicklung. «Seit 15 Jahren arbeiten wir Coiffeure daran, dass Männer eher längere und Frauen eher kürzere Haare tragen», sagt er. «Und endlich hats geklappt.» Gerade junge Frauen trennten sich heute von ihrem schulterlangen Haar. Dazu habe Dominique Rinderknecht entscheidend beigetragen. Die neue Miss Schweiz trägt einen modischen Kurzhaarschnitt – den Roger Rogenmoser schon mehrmals frisieren durfte, bereits vor Rinderknechts Zeit als Miss Schweiz. Im Gegenzug schneiden immer weniger junge Männer ihre Haare auf Millimeterlänge ab. Beides kommt den Coiffeuren entgegen. Denn wirklich kreativ werden kann ein Coiffeur bei solchen mittleren Haarlängen. «So können wir einer Frisur Volumen und Form geben», sagt Rogenmoser. Mit dieser Entwicklung einher gehe eine andere: «Junge Männer haben heute mindestens ebenso lang vor dem Spiegel wie die Frauen.»

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