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SERIE: Muskelkater für den «Härdöpfler»

Die Hitzewelle bringt auch der Landwirtschaft in der Region Probleme. Unser Reporter will helfen und hat sich bei der Kartoffelernte dem Takt des Förderbandes unterworfen.
Eine schweisstreibende Angelegenheit: Reporter Ernesto Piazza (Mitte) hilft Landwirt Konrad Stocker (links) auf dem Hof von Markus Odermatt (rechts) in Ballwil bei der Kartoffelernte. (Bild Pius Amrein)

Eine schweisstreibende Angelegenheit: Reporter Ernesto Piazza (Mitte) hilft Landwirt Konrad Stocker (links) auf dem Hof von Markus Odermatt (rechts) in Ballwil bei der Kartoffelernte. (Bild Pius Amrein)

Praktisch und komfortabel – damit liegst du nicht falsch», beantwortete Landwirt Konrad Stocker (26) vom Neuklosterhof in Eschenbach meine telefonische Anfrage nach der optimalen Kleidung für den Sommerjob. Ausgerüstet mit einem nur noch zu häuslichen Gartenarbeiten getragenen T-Shirt, verwaschenen Jeans und Halt gebenden Wanderschuhen mache ich mich als «Härdöpfler» an diesem Freitag möglichst «casual» auf den Weg nach Eschenbach. Angekommen beim Neuklosterhof, befiel mich allerdings doch ein beklemmendes Gefühl.

Der Motor des 5 Tonnen schweren und 3 Meter breiten Kartoffel-Vollernters lief bereits. Nicht nur wegen der gefühlten – und wohl auch gemessenen – mehr als 30 Grad tropften die Schweissperlen langsam, aber sicher auf meiner Stirne hinunter. «Trinken», sagte ich mir immer wieder. «Du darfst nicht vergessen, genügend zu trinken.»

Förderband als Taktgeber

Als das Gefährt einige Minuten später über die Kantonsstrasse Richtung Ballwil rollte und schon bald den Hof von Landwirt Markus Odermatt erreichte, konnte die Arbeit beginnen. Während Konrad Stockers Bruder Valentin den Vollernter auf den ersten Kartoffeldamm – landläufig auch unter dem Namen Fore bekannt – zusteuerte, warteten wir zu fünft gespannt auf die Ernte. Schnell brachte das Band die ersten Kartoffeln zum Vorschein. Begleitet von Steinen und Erdmassen. Es sei in den vergangenen Tagen zu trocken gewesen, sagte Markus Odermatt. Deshalb steinhart und manchmal nur schwerlich – wenigstens für mich – von den Härdöpfeln zu unterscheiden. Auf dem Vollernter stehend, galt es das «Beigemüse» schnell und konzentriert zu entsorgen. Immer wieder. Der geernteten Frühkartoffel Charlotte fehle da und dort noch die Grösse und die Schalenfestigkeit, beurteilte Odermatt den Probelauf. Die unmittelbar daneben wachsende rote Désirée allerdings mache ihm einen weitaus besseren Eindruck.

Doch die Maschine griff weiter in die Fore. Kaum nennenswerte Pausen. Das Förderband war der Taktgeber. So fremdgesteuert hatte ich mich letztmals wohl während meiner Schulzeit gefühlt. Als ich in einer Brauerei Bierflaschen sortierte. Und damit während der Ferien ein wenig Sackgeld zuverdiente.

Den Vollernter kauften Stockers im vergangenen Herbst als Occasionsmaschine. Für ein neuwertiges Produkt zahle man schnell einmal einige hunderttausend Franken, sagt der 26-Jährige. Abhängig ist der Betrag auch davon, wie viele Dämme das Gefährt gleichzeitig bearbeitet. Mit dem Kauf entschied man sich zudem, auf einem Teil der insgesamt 39 Hektaren auf die Kartoffelproduktion zu setzen. Rund 40 bis 50 Tonnen Ertrag wirft eine Hektare jährlich ab.

Drei Jahre Wartezeit

Weil man nach einer Ernte mindestens drei Jahre bis zur nächsten Aussaat warten muss, arbeitet Konrad Stocker hier mit einem andern Eschenbacher Landwirt zusammen. Bei der Generationengemeinschaft Stocker – noch mit Milchwirtschaft, Ackerbau und Früchten (Äpfel, Birnen, Zwetschen und Kirschen) – sind die Kartoffeln sein Part. Diesen Zweig will er intensiv weiterverfolgen. Im Kanton Luzern sieht Konrad Stocker einen interessanten Markt für regional produzierte Kartoffeln. Deshalb sei es letztlich das Ziel, die gesamte Ernte selber zu vermarkten und zu verkaufen.

Momentan beliefert er mit Charlotte und Ditta (feste Sorten für Gschwellti und Salzkartoffeln), den eher mehligen Agria und Laura (für Kartoffelstock und Pommes frites) sowie der vorwiegend festen Victoria neben dem eigenen Hofladen diverse Einkaufsläden und Altersheime. Die Fahrt zurück zum Neuklosterhof ist nicht minder interessant. Beispielsweise erfahre ich, dass die von Schweizer Produktionsbetrieben bezogenen Saatkartoffeln jeweils im März/April rund 15 bis 17 Zentimeter in den Boden gesetzt werden. Die Ernte erfolgt entweder im Sommer als sogenannte Frühkartoffel oder als Lagerprodukt im September/Oktober.
Doch preislich sei es praktisch nicht möglich, mit den Importen – beispielsweise aus Holland – mitzuhalten. Die Preise in der EU liegen momentan bei etwa 40 Euro pro 100 Kilogramm frisch geerntete Kartoffeln. In der Schweiz liegt diese Zahl für dieselbe Menge aktuell bei rund 75 Franken.

Bereits vor zwei Wochen hat Konrad Stocker seine Frühkartoffeln geerntet. Die Charlotte liegt bei zirka 5 Grad im Kühllager. Während man diese Sorte rund ein halbes Jahr lagern kann, erstreckt sich diese Zeitspanne bei Agria und Viktoria bis hin zu einem Jahr.

Mittlerweile liegen rund 500 Kilogramm Charlotte bereit, wollen gewaschen und abgepackt sein. Einmal auf dem Förderband, bewegen sich die Kartoffeln in eine mit Wasser gefüllte Trommel. Dort werden sie vorwärtsbewegt, gereinigt und beim nächsten automatischen Arbeitsgang getrocknet. Wie er denn die diesjährige Ernte beurteile, frage ich Konrad Stocker. Im Moment noch gut, sagt er. Aber er verhehlt nicht, dass es momentan zu heiss und vor allem zu trocken für die Kartoffeln sei. Bewässern könnte helfen. Davon sieht er allerdings ab. Der Aufwand wäre zu gross. 900 bis 1000 Millimeter Regen jährlich wären optimal. Die bisherige Niederschlagsmenge kennt er zwar nicht. Sie dürfte in diesem Jahr bisher aber in etwa bei 600 Millimetern liegen, vermutet er. Vor allem im April und Mai fielen grosse Mengen an Regen. In den vergangenen drei Wochen blieb dieser allerdings praktisch aus. Für ein gutes Gedeihen der Kartoffel braucht es weiter eine durchschnittliche Temperatur von 25 Grad und eine ausgeglichene Feuchtigkeit.

Muskelkraft ist gefragt

«Du kannst die Leiter hochsteigen und dich auf dieses Podest stellen», sagt Stocker. Schon bin ich mit den nächsten daherkullernden Kartoffeln konfrontiert. «Siehst du diese?», fragt mich mein temporärer Chef. «Sie ist zu stark beschädigt, kann nicht verkauft werden.» Das heisst: in eine separate Kiste legen, solche aussortieren. Sie sind als Futter für die Kühe bestimmt. Erneut gab das Förderband den Takt vor. Dann: Hinuntersteigen – die Kiste unter die Abfüllvorrichtung halten. 20 Kilogramm sind programmiert. Wenig später die nächste Kiste. Dann wieder hoch auf die Leiter und das Podest. Erneut aussortieren. Ich brauchte Muskeln, von denen ich gar nicht mehr wusste, dass ich sie besitze. Der nächste Tag mit einem spürbaren Muskelkater liess bei mir jedenfalls keine Zweifel darüber offen.

Hinweis
In dieser Serie berichtet unsere Zeitung in lockerer Folge über «Sommerjobs». Bereits erschienen: Beatrice Vogel als Matrosin und Evelyne Fischer als Camping-Betreiberin.

Ernesto Piazza

Einbussen bei Gemüseernte

Wetter red. Eine Hitzewelle jagt die nächste. Am 22. Juni hat es in der Schweiz auf der Alpennordseite zum letzten Mal flächig geregnet. Die Ernten fallen deshalb schwach aus. Besonders deutlich ist das beim Eisbergsalat. Letzte Woche haben Schweizer Bauern 460 Tonnen Eisbergsalat geerntet. Das deckt nur etwas mehr als die Hälfte der Nachfrage. Die Hitze bringt aber auch Ernteprobleme bei anderen Produkten wie etwa Blumenkohl, Kartoffeln und Zuckerrüben.

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