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SERIE: Weit und breit kein Computer

Nicht nur das Aussehen der Zeitungen hat sich innert weniger Jahrzehnte ­verändert. Auch das Handwerk der Zeitungsmacher ist anders geworden.
Der Zeitungstext entstand bei der «Schwyzer Zeitung» noch bis in die 1980er-Jahre Bleizeile für Bleizeile (kleines Bild) an Linotype-Setzmaschinen. (Archivbild Neue Schwyzer Zeitung)

Der Zeitungstext entstand bei der «Schwyzer Zeitung» noch bis in die 1980er-Jahre Bleizeile für Bleizeile (kleines Bild) an Linotype-Setzmaschinen. (Archivbild Neue Schwyzer Zeitung)

Das schwarz-weisse Bild vom Herbst 1979 zeigt es deutlich. Wichtig ist dabei nicht etwa der Autor dieses Artikels als damals noch relativ junger Mann. Das Bild zeigt aber vor allem, dass da noch kein Computer auf dem Redaktionsschreibtisch der «Schwyzer Zeitung» (SZ) stand. Telefoniert wurde noch mit einem Telefonapparat mit Wählscheibe, Artikel und Bildlegenden wurden ausschliesslich in die Schreibmaschine getippt.

Was in die Zeitung musste, wurde zunächst in der Redaktion in Papierform für die Setzer zurechtgemacht: Über die Einsendungen wurden von Hand die richtigen Titel gesetzt und gleich auch angeschrieben, mit welcher Schriftgrösse dieser Titel gesetzt werden solle. Der Redaktor setzte in den Texten Korrekturen ein und zeigte mit speziellen Zeichen den Setzern an, wo Zwischentitel eingesetzt oder neue Abschnitte zu beginnen hatten. Das Manuskript ging nachher einen Stock tiefer in die Setzerei. Wer früher bei der SZ-Redaktion arbeitete, erinnert sich an ungezählte Rennereien und auch Stolpereien treppauf und treppab.

Setzer und Metteure

In der Setzerei der alten «Schwyzer Zeitung» hatten die Redaktoren früher nichts verloren. Da wurde noch klar zwischen Redaktion und den Handwerkern getrennt, Redaktoren hatten in der Setzerei Manuskripte abzuliefern, mehr nicht. In einer Beilage zum hundertjährigen Bestehen schrieb 1976 Verwaltungsratspräsident Karl Appert über jene Zeit: «Der Redaktor wurde nach wie vor nicht in der Setzerei geduldet, wo er der Zeitung ihr Gesicht geben sollte. Satz und Umbruch trotteten im alten Tramp eigenmächtiger Setzer ­weiter.»

Da trennte noch der Setzer

Die Schriftsetzer sassen an ihren Linotype-Maschinen, die aussahen wie Webmaschinen. Hier tippten die Setzer die Manuskripte auf einer Tastatur in die Maschine, die aus einem oben angebrachten Magazin die Matrizen der einzelnen Buchstaben herunterrasseln liess. So entstand das Negativ oder die Gussform für jede einzelne Zeitungszeile. Dem Setzer half noch kein Computerprogramm bei der richtigen Silbentrennung. Vielmehr entschied der Setzer, wo er trennen und die Zeile beenden wollte. Wobei es zum beruflichen Ehrgeiz des Setzers zählte, möglichst dichten Satz zu produzieren. Lange weisse Zwischenräume zwischen den Wörtern, wie dies heute oft in Zeitungen zu sehen ist, waren verpönt. War die Zeile vollständig, wurde sie mit einer Mischung aus geschmolzenem Blei und Zinn ausgegossen. Die Maschine produzierte so Zeile um Zeile den ganzen Artikel.

Der fertige Zeitungssatz landete anschliessend auf einem grossen Metalltisch. Hier arbeitete der Metteur, der nach den ungefähren Angaben der Redaktion die Seiten zusammenstellte. Vorerst nicht unbedingt zur Freude der Metteure legte hier in den Siebzigerjahren der damalige Redaktor Gerhard Oswald zunehmend Hand an. Mit Stolz berichtete er 1979 dem Redaktionsneuling Schnüriger, wie man als SZ-Redaktor jetzt vom Seitenumbrechen wie die Metteure auch schwarze Hände kriege. Oswald schaffte es so, gezielt Einfluss auf das Aussehen der Zeitungsseiten zu nehmen.

In der Giftküche

Einen ganz anderen Weg nahmen die Fotos, die in der Zeitung zu erscheinen hatten. Sie waren alle schwarz-weiss, Farbbilder konnten die Druckmaschinen damals noch nicht bewältigen. Kehrte ein Redaktor von einem Anlass zurück, bei dem er fotografiert hatte, ging es jetzt zunächst ins Fotolabor. Das tönt hier eleganter, als es wirklich war. Die alte «Schwyzer Zeitung» betrieb im ersten Stock eine wahre Giftküche. In dieser Dunkelkammer müssen in früheren Jahren mangels Licht unglaubliche Missgeschicke passiert sein, jedenfalls waren Boden und Wände von Fotochemie verschmiert, es stank fürchterlich da drin. Und wenn man mit den entwickelten Fotos rauskam, zog man eine Fotochemie-Duftfahne hinter sich her.

Die Zeitung erschien zweimal wöchentlich, dienstags und freitags. An diesen Tagen hiess es für die Redaktoren, früh aufzustehen. Schon morgens ab fünf Uhr war die Clichémaschine zu bedienen. Hier musste von jeder zuvor entwickelten Fotografie eine Druckvorlage aus Kunststoff hergestellt und später von einem Metteur auf eine Metallplatte geklebt werden.

Die Druckerpanne

Im Verlauf des Vormittags lief zweimal wöchentlich im Untergeschoss des SZ-Gebäudes die Druckmaschine an. Die Zeitung wurde von der Post noch gleichentags in die Briefkästen der Abonnenten gebracht. Eines schönen Tages im Jahr 1980 allerdings blieb das Rumpeln aus dem Untergeschoss aus: Wegen einer Panne war die Druckmaschine blockiert. Eilig packten mehrere Mitarbeitende den druckfertigen Bleisatz in die Kofferräume ihrer Autos, um sie nach Luzern zum Drucken zu fahren.

Die fertig montierten Satzseiten waren auf Kuchenblechen ähnlichen Metallplatten montiert, aber offenbar zum Teil zu wenig gut fixiert. Beim Ausladen vor der «Vaterland»-Druckerei in Luzern lag in einem Kofferraum der Satz einer Seite mit lauter Kleininseraten lose verstreut da. Weil in der Eile nicht einmal ein Papierabzug dieser Seite mitgenommen worden war, konnte in diesem Haufen nicht mehr eruiert werden, welche Telefonnummer zum Inserat gehörte, mit dem der «Rössli»-Wirt eine neue Serviertochter suchte oder mit dem ein Muotathaler Bauer ein Kuhkalb verkaufen wollte. Die Zeitung wurde den Abonnenten verspätet zugestellt, an Stelle der Kleininserate stand ein Füllinserat des «Vaterlandes» im Blatt.

Bert Schnüriger, 1979 am Redaktionspult der «Schwyzer Zeitung». (Bild: Neue SZ)

Bert Schnüriger, 1979 am Redaktionspult der «Schwyzer Zeitung». (Bild: Neue SZ)

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