Interview

Sie haben das erste Saunaboot der Schweiz gebaut

Ein Möbelschreiner, eine Grafikerin und ein Filmschaffender bauten ein Saunaboot. Ob es schwimmt, zeigte sich erst beim Einwassern auf dem Vierwaldstättersee.

Roger Rüegger
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Res Wallimann und Stella Holz haben das einzige Saunaboot der Schweiz gebaut.

Res Wallimann und Stella Holz haben das einzige Saunaboot der Schweiz gebaut.

Bild: Boris Bürgisser (Kastanienbaum, 6. Dezember)

Wer eine Sauna baut, platziert diese im Keller oder im Garten. War diese Variante für euch zu gewöhnlich?

Res Wallimann: Das kann ich so nicht beantworten. Ich habe noch nie eine Sauna gebaut.

Stella Holz: Einen Garten haben wir auch nicht. Wir wollten die Sauna nicht nur für uns. Es sollten sie auch andere nutzen können.

Im Podcast erzählt Res Wallimann über das Saunaboot:

Es gibt rollende Restaurants. Eine VW-Bus-Sauna wäre doch auch romantisch. Muss eure unbedingt schwimmen?

Res: Die Kombination Sauna und Boot war uns wichtig. Nur ein Motorboot ist nicht attraktiv.

Stella: Das Saunaboot ist eine tolle Geschichte. Weil man jetzt Erholung und Ruhe auf dem See findet wie nirgendwo. Im Winter gehört der See praktisch uns.

Schwitzen auf dem Wasser: Das ist im Saunaboot auf den Vierwaldstättersee möglich.

Schwitzen auf dem Wasser: Das ist im Saunaboot auf den Vierwaldstättersee möglich.

Bild: Boris Bürgisser (Kastanienbaum, 6. Dezember)

Ist das eine nordische Sache?

Res: In Finnland sah ich solch schwimmende Plattformen, wusste aber nicht, dass die Aufbauten Saunas waren. Das erfuhr ich in der Schweiz von einer Schwedin. Es galt, herauszufinden, ob hier eine schwimmende Sauna realisiert werden kann.

Mussten der Möbelschreiner, die Grafikerin und der Colorist an ihre Grenzen gehen, um dies umzusetzen?

Res: Es gab einige Herausforderungen, wie die Statik zu berechnen, den geeigneten Schwimmer zu finden oder den Motor. Die Schwimmer liessen wir in Venedig bauen, den Steuerstand montierte ein Bootsbauer.

Gab es Hilfe von Experten?

Res: Wir konnten von Anfang an auf die Unterstützung des Amts für Schiffbau zählen. Die Leute hatten fast so viel Freude wie wir.

Stella: Die waren sehr unterstützend und freundlich. Sie gaben Tipps, damit wir eine Konstruktion präsentieren können, die sie abnehmen und zulassen können.

Kostete der Bau Nerven?

Res: Ich hatte viele schlaflose Nächte. Ich zerbrach mir oft wegen eines Details den Kopf.

Du als Möbelschreiner bist ja Experte. Wo harzte es?

Res: Ein Problem war, dass ich Möbelschreiner und eben nicht Schiffsbauer bin. Es galt, das Holz zu definieren. Im Innenraum ist es heiss, draussen kalt. Das Material ist wesentlich. Aber wir drei ergänzten uns gut.

Stella: Wir wussten auch nicht, wie sich das Boot im Wasser verhalten würde. Die Konstruktion wiegt 2,2Tonnen. Nachdem sie sich als schwimmtauglich erwiesen hatte, war noch nicht klar, ob sie auch manövrierbar ist. Ein Experte prophezeite, dass sie träge wie ein Pottwal sein würde.

War alles richtig geplant?

Res: Wir bauten das Saunaboot in Kriens in einer Schreinerwerkstatt. Für den Transport wurde es auf Holzbalken gesetzt und mit einem Kran auf ein Sattelfahrzeug gehoben. Der Transport zum Seehotel in Horw und das Einwassern war knifflig. Die logistische Herausforderung war uns nicht bewusst. Es wäre klug gewesen, einen Anhänger zu kaufen und den beim Bootsbau mit einzubeziehen.

Das Video zur Einwässerung:

Welche Rolle spielt die Grafikerin beim Saunaboot?

Res: Eine unbezahlbare. Der Webauftritt mit dem Reservationssystem und den Impressionen wäre undenkbar ohne sie.

War Brandschutz wegen des offenen Feuers eine Hürde?

Res: Für den Saunaofen gelten Vorschriften wie für einen Kachelofen. Wenn der Kaminfeger den Einbau absegnet, ist es okay.

Stella: Sonst ist ein Feuerlöscher an Bord.

Eine Bootsprüfung braucht man nicht. Ist es nicht heikel, das Gefährt zu steuern?

Res: In der Horwer Seebucht kann es fast keine Kollision mit einem Schiff geben. Im Winter fahren kaum welche.

Wie sehr tragen die Mieter Sorge zum Saunaboot?

Stella: Die meisten finden das Saunaboot nice, sodass sie Sorge dazu tragen, als wäre es ihres.

Die beiden Erbauer des einzigen Saunaboots der Schweiz: Res Wallimann und Stella Holz.

Die beiden Erbauer des einzigen Saunaboots der Schweiz: Res Wallimann und Stella Holz.

Bild: Boris Bürgisser (Kastanienbaum, 6. Dezember)

Fühlt es sich gut an, Hersteller und Besitzer des Saunabootes zu sein?

Res: Für mich ist es das Grösste, etwas gebaut zu haben, das es so nicht gibt in der Schweiz und das ich mit anderen teilen kann.

Stella: Einige Leute teilten uns mit, sie fänden das Boot super. Es gab auch welche, die behaupteten, selber die Idee eines Saunabootes gehabt zu haben. Nun ja. Wir haben eines gebaut.

Nach der Sauna kühlt man sich ab. Wie funktioniert das? Ich habe da so Bilder im Kopf.

Res: Man soll nicht sofort nach der Sauna ins Wasser springen. Beim Ankern ist zudem ein Mindestabstand zum Ufer von 50Metern Pflicht. Wer sich daran hält, erregt auch bestimmt kein öffentliches Ärgernis.

Ist das Saunaboot begehrt?

Stella: Es läuft erstaunlich gut.

Res: Sogar an Weihnachten war es am Morgen gebucht.

Geniesst ihr die Ruhe auf dem See auch selber oder ist es nicht mehr interessant?

Res: An Weihnachten war ich am Nachmittag zuletzt draussen.

Das Boot war finanziell sicher kein Leichtgewicht. Was reizte euch dennoch?

Res: Man hätte auch eine einjährige Weltreise antreten können. Das Resultat wäre ähnlich. Wer reist, erlebt und lernt viel. Das war beim Bootsbau nicht anders. Wir mussten uns mit vielen Details abgeben. Etwa wie man mit Behörden und Ämtern umgeht. Auch lernt man handwerklich dazu. Der Bau hat sich auf alle Fälle gelohnt.

Was kostet eine Weltreise?

Holz: Zu Fuss wohl nicht allzu viel. Sonst muss man schon Geld in die Finger nehmen.

Res: Wenn man sich ergänzt und fast alles selber macht, ist so ein Projekt finanzierbar. Aber man muss das Boot schon einige Male rausfahren, bis die Materialkosten gedeckt sind.