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Weiblicher Indiana Jones ist den Schätzen der Innerschweiz auf der Spur

Beatrix Koens spürt mit ihrem Metalldetektor verschollene Schätze auf. Besonders im Kanton Uri stösst sie immer wieder auf bemerkenswerte Funde.
Andreas Bättig
Beatrix Koens an der Ausgrabungsstätte, wo sie ein Pilgerabzeichen, eine Münze und einen Ring gefunden hat. (Bild: Dominik Wunderli (Flüelen, 20.6.2018))

Beatrix Koens an der Ausgrabungsstätte, wo sie ein Pilgerabzeichen, eine Münze und einen Ring gefunden hat. (Bild: Dominik Wunderli (Flüelen, 20.6.2018))

Wenn es bei Beatrix Koens laut piept, dann schlägt ihr Herz schneller. Sie weiss: Unter der Spule ihres Metalldetektors könnte eine Kostbarkeit vergraben sein. Koens fährt noch zwei-, dreimal mit dem Detektor über den Boden, um sicherzugehen. Dann fängt sie behutsam mit dem Graben an. Immer wieder nimmt sie einen Haufen Dreck in die Hand und hält ihn über den Detektor, bis sie nur noch das Fundstück in der Hand hält. Koens strahlt. Sie hat eine weitere Münze aus vergangenen Zeiten gefunden.

Seit 30 Jahren sucht die 45-Jährige nach verborgenen Schätzen. Beatrix Koens unterstützt damit mittlerweile die archäologischen Profis. Zurzeit ist sie ehrenamtlich bei einer Ausgrabung der kantonalen Fachstelle für Denkmalpflege und Heimatschutz in Flüelen im Einsatz. Wo einst das Hotel Weisses Kreuz stand, finden seit zwei Monaten Ausgrabungen statt, bevor ein neues Gebäude auf dem Gelände gebaut wird. Zahlreiche alte Mauern kamen zum Vorschein.

Uri lag an einer wichtigen Handelsroute

Koens’ Hauptaufgabe in Uri ist, das Gelände nach Rücksprache mit dem zuständigen Archäologen mit ihrem Metalldetektor ­abzusuchen. Koens’ Funde können sich sehen lassen. «Über ein mittelalterliches Pilgerabzeichen habe ich mich wirklich sehr ­gefreut», sagt sie. Laut einem ersten archäologischen Gutachten stammt dieses wahrscheinlich aus dem Rom des 13. oder 15. Jahrhunderts. «Man fragt sich dann ja schon, wie so ein Abzeichen von Rom nach Uri kam», sagt sie. Eine Erklärung ist, dass Uri am Weg einer wichtigen Handelsroute von Italien nach Luzern lag. Auch Münzen aus dem 15. und 16. Jahrhundert hat sie in Uri gefunden. Eines ihrer Highlights sei aber ein Fund in Allenwinden in Altdorf gewesen. Dort hat sie mehrere Silbermünzen aus dem 12. und 13. Jahrhundert und einen Urner Siegelstempel bergen können.

Wer jetzt glaubt, dass die «Schatzsucherin» durch all die Funde ein beträchtliches Sümmchen auf die hohe Kante legen konnte, der irrt. Koens hortet die Funde nicht bei sich. «Das darf ich auch gar nicht, das wäre Raubgräberei.» Beatrix Koens ist strikt im Namen der Wissenschaft unterwegs.

Metalldetektor als Geburtstagsgeschenk

Um mit einem Metalldetektor unterwegs sein zu dürfen und Ausgrabungen zu machen, braucht es eine kantonale Bewilligung – und regelmässige Weiterbildungen, um das Fachwissen und die Zusammenarbeit mit den Archäologen zu professio­nalisieren. Wer ohne Erlaubnis erwischt wird, dem drohen happige Strafen von bis zu mehreren zehntausend Franken. «Mir geht es nicht darum, die Fundgegenstände und Münzen behalten zu können. Der wahre Schatz ist der Kontext, die Geschichte zum Fund. Und den findet man nur heraus, wenn man seine Funde genau dokumentiert», sagt ­Koens. Dann hätten die Archäologen nämlich genügend Hinweise, um die Einzigartigkeit und das Alter eines Objektes oder einer Fundstelle zu ermitteln. Wichtig sei auch, dass man mit den Fundstücken behutsam umgehe. «Man darf bei einer Münze zum Beispiel ja nicht dran reiben. Das könnte sie beschädigen.»

Angefangen hat Beatrix ­Koens’ Leidenschaft fürs Schatzsuchen, im Fachjargon Prospektion genannt, schon früh. Als kleines Mädchen fand sie auf dem Acker neben ihrem Elternhaus zufällig eine Münze aus dem 16. Jahrhundert. «Die hat mich sofort in ihren Bann gezogen.» Zum 15. Geburtstag bekam sie einen Metalldetektor geschenkt. Ab da ging es richtig los. Koens wuchs in Ovezande auf, einem kleinen Dorf in Holland. Bald wurde die Jugendliche im Dorf bekannt, als sie eine römische Münze fand. «Das war für alle ein Highlight. Auch wenn viele nicht verstehen konnten, dass ich als Mädchen gerne im Dreck wühle.»

«Der Kanton Uri ist für das Prospektieren ein wunderbarer Kanton. Denn es gibt noch so viel zu entdecken»

Vor neun Jahren kam Koens in die Zentralschweiz. Heute lebt sie mit ihrer Frau in Altdorf. «Der Kanton Uri ist für das Prospektieren ein wunderbarer Kanton. Denn es gibt noch so viel zu entdecken», schwärmt Koens, die beruflich als Applikationsspezialistin im Medizinbereich arbeitet. «Hier gibt es uralte Saum­wege und Pässe, die über Jahrhunderte benutzt wurden. Es ist ein Traumgebiet.»

Doch Koens macht sich nicht nur auf die Suche nach historischen und archäologischen Fundstücken, mit ihrem Metalldetektor spürt sie auch verlorene Gegenstände von heute auf. «Mich fragen Leute an, die zum Beispiel einen Ring im Garten, ihr Hörgerät oder ihre Geldbörse verloren haben.» So manches konnte sie zur Freude des Eigentümers auch schon finden. Und was in der jetzigen Zeit nicht ­gefunden wird, darüber freut sich sicher die nächste «Schatzsucherin» – in ein paar hundert Jahren.

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