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Interview

Haben Sie auch Probleme mit Aufräumen und Entrümpeln? Die Expertin erklärt, wies geht

Lis Hunkeler (53) aus Meggen hilft älteren Menschen, sich zu organisieren. Für die Pro Senectute gibt sie Tennisunterricht und Workshops. Die Frau leitet auch Englisch-Kurse – und sie weiss, wie man richtig entrümpelt. Damit schockt sie viele Leute.
Roger Rüegger
Lis Hunkeler auf dem Balkon ihrer Wohnung in Meggen. (Bild: Roger Grütter, 6. November 2018)

Lis Hunkeler auf dem Balkon ihrer Wohnung in Meggen. (Bild: Roger Grütter, 6. November 2018)

Lis Hunkeler, Sie geben Entrümpelungskurse und helfen beim Aufräumen und Entsorgen. Wieso glauben Sie, braucht jemand Unterstützung beim Ausmisten?

Für viele Leute ist es ein Riesenproblem, sich von Dingen zu trennen.

Wieso? Wirft man unnützes Zeug nicht einfach weg?

Das sagen Sie so einfach. Oft steht aber der Gedanke im Raum, dass man diesen oder jenen Gegenstand irgendwann noch brauchen wird.

Wo ist das Problem?

Weil sich so viele Dinge anhäufen. Das wird irgendwann zu einem Problem. Vielleicht nicht für die Personen, die Sachen horten, aber für die Nachkommen.

Jetzt holen Sie weit aus, nicht?

Überhaupt nicht. Ich gebe für Senioren Computer-Kurse, unterstütze sie im Bereich Vorsorgeauftrag und der Patientenverfügung. Das hat mit Aufräumen zu tun. Früher oder später kommt das Thema auch beim Haushalt und bei der jüngeren Generation auch im digitalen Bereich.

Wie im digitalen Bereich?

Wie viele Apps haben Sie auf dem Handy? Und wie viele von denen brauchen Sie?

Schon gut, ich verstehe. Wieso geht es bei der Vorsorge ums Aufräumen?

Ältere Menschen möchten selber bestimmen, was mit ihren vielen Sachen im Haus oder der Wohnung geschieht. Vielleicht steht auch ein Umzug ins Altersheim an. Oder es ist ihnen ganz einfach unangenehm, wenn später ihre Kinder alles entsorgen müssen.

Dann bestellt man doch einfach eine Mulde und beginnt mit dem Aufräumen!

Das ist ja der Punkt. Es ist nicht so einfach, wie es scheint. Viele Leute können nicht loslassen.

Wenn man Sie engagiert, geht das?

Das ist die Idee. Und ich schockiere die Leute. Weil: ich bestelle eine Mulde.

«Viele kommen selber auf mich zu, weil sie nicht wissen, wo sie mit dem Räumen beginnen sollen.»

Wie bringen Sie die Leute dazu, loszulassen und sich von Dingen zu trennen?

Viele kommen selber auf mich zu, weil sie nicht wissen, wo sie mit dem Räumen beginnen sollen. Ich hole sie auf emotionaler Ebene ab, indem ich ihnen eine Aufgabe stelle. Sie sollen mir zum Beispiel ihre Wunschvorstellung einer Wohnung beschreiben.

Vermutlich ist sie aufgeräumt und ohne unnötige Staubfänger. Wo beginnt man?

Dort wo es am wenigsten weh tut, und bei Dingen, zu denen man keine emotionale Bindung hat. Frauen rate ich, nicht mit den Schuhen anzufangen. Einem Ehepaar gab ich die Aufgabe, mit ihren Kugelschreibern aufzuräumen. Die hatten über 100 Stück. Dann ging es über die Schals und Halstücher der beiden – der Herr hatte ebenfalls einige Schals.

Kleidung ist auch ein Thema?

Ein grosses. Wenn man den Leuten aufträgt, ihre Kleidungsstücke auf einen Haufen zu legen, türmen sich Berge. Dann stelle ich ihnen die Frage, welche Stücke sie getragen haben in den letzten zwei Monaten.

Und?

Dann geht es ums Ausmisten. Nach dem 80- zu 20-Prinzip. 20 Prozent der Kleidung ziehen die Leute an, die restlichen 80 meistens nicht. Also müssen die Textilien auch von den Regalen verschwinden. In jedem Regal sollte eine Freifläche bleiben, das wirkt befreiend.

«In jedem Regal sollte eine Freifläche bleiben, das wirkt befreiend.»

Das ist doch bloss Theorie?

Nein. Probieren Sie es aus! Während Schweizer glauben, nur 26 Prozent der Kleidung ungenutzt im Schrank liegen zu lassen, sind es effektiv 79 Prozent. Eine Frau sagte mir, dass sie danach sogar besser atmen konnte.

Hilft dies bei allen Leuten?

Es gibt auch andere. Ich weiss von jemandem, der die Wohnung eines Verwandten geräumt hat. Die Schachteln liegen jetzt seit drei Jahren bei ihm zu Hause.

Was sammeln die Leute so?

Ein Mann hatte im Keller Holz aufbewahrt, weil er basteln wollte, obwohl er gar keine Zeit dafür hat. Auch Vasen oder Tupperware in der Küche stapeln sich. Was auch oft wieder vorkommt sind Leute, die zusammenziehen. Eine Partei will ihre Musik digitalisieren, die andere kommt mit CD und Schallplatten in die neue Wohnung. Die Meisten haben zu viele Besitztümer. Laut einer Studie besitzt ein Europäer im Durchschnitt 10000 Gegenstände. Wir sind fast alle Jäger und Sammler.

Da halte ich mit. Ich besitze Unmengen von Bücher.

Auch typisch. Wer braucht schon so viele Bücher? Wenn man eines gelesen hat, kann man es weggeben. Wie oft haben Sie ein Buch ein zweites Mal gelesen?

Einige wenige lese ich tatsächlich immer wieder. Gibt es eine Faustregel, wann man etwas weggeben soll?

Wenn mir etwas nicht mehr gefällt und ich es nicht mehr benötige, entsorge ich es. Das funktioniert gut. Es wird niemand einen Gegenstand vermissen.

«Sollte ich bei einer meiner Tätigkeiten nicht mehr glücklich sein, würde ich sie sehr rasch entrümpeln.»

Mein Christbaumständer war im Dezember zuletzt im Einsatz. Weg damit?

Behalten Sie den. Aber vieles andere können Sie vergessen. Verstehen Sie mich nicht falsch: Es soll nicht alles wahllos weggeschmissen und dann wieder neu gekauft werden. Hier gilt ganz klar: weniger ist mehr.

Wie sind Sie Entrümpelungsexpertin geworden?

Ich arbeitete 13 Jahre für das Departement für auswärtige Angelegenheiten und in der Privatwirtschaft im Ausland. Ich lebte in Australien, Deutschland, Indien und in den USA. Nach meiner Rückkehr 2002 in die Schweiz war ich in der Übersetzungsbranche tätig, dann wollte ich etwas völlig anderes machen. So startete ich mit der Betreuung von vorwiegend älteren Menschen.

Mit Fokus aufs Aufräumen?

Das ergab sich eher automatisch. Ich erledige vor allem administrative und organisatorische Arbeiten, betreue und begleite. Ich gebe auch Kurse, so Tennisunterricht und Englischkurse. Und ja, ich halte auch Referate zum Thema Aufräumen und helfe aktiv beim Entrümpeln mit.

Fast habe ich den Eindruck, dass auch Ihr Berufsleben entrümpelt werden muss.

Meine Aufgaben sind wirklich vielfältig, da haben Sie recht. Diese Vielfalt ist aber unheimlich interessant und spannend. Sollte ich bei einer meiner Tätigkeiten nicht mehr glücklich sein, würde ich sie sehr rasch «entrümpeln».

Hinweis: Lis Hunkeler hält an der Messe «Zukunft Alter» (30. Nov. - 2. Dez.) in Luzern ein Referat zum Thema «Aufräumen – Entrümpeln». www.leben-mit-qualität.ch.

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