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SINS: Das Bild von den Schafen und Hirten

Der seit 2016 geplante Pastoralraum Oberes Freiamt wurde am Samstag von Bischof Felix Gmür feierlich eingerichtet. Die Zukunft des Pastoralraumes ist offen. Er muss sich nun bewähren.
Bischof Felix Gmür gab dem Pastoralraum Oberes Freiamt an einer Errichtungsfeier in Sins seinen Segen. (Bild: Cornelia Bisch (20. Januar 2018))

Bischof Felix Gmür gab dem Pastoralraum Oberes Freiamt an einer Errichtungsfeier in Sins seinen Segen. (Bild: Cornelia Bisch (20. Januar 2018))

Punkt zehn Uhr öffnet sich die Tür der katholischen Pfarrkirche Mariä Geburt in Sins, und unter feierlichen Klängen des Bläserensembles Abtwil zieht der Bischof der Diözese Basel, Felix Gmür, hinter Konzelebranten und Ministrantinnen ein. Er trägt Mitra und Bischofsstab, und der Chorraum ist beflaggt und mit Blumen geschmückt. Auf der linken Seite prangt das Logo des neuen Pastoralraumes, der an diesem Samstagmorgen feierlich eingerichtet werden soll – fünfzehn in der Form eines Kirchenfensters angeordnete Punkte in fünf verschiedenen Farben. Sie symbolisieren die fünf Kirchgemeinden, die an diesem Tag organisatorisch, administrativ und juristisch enger zusammengeschlossen werden: Sins rot, Auw grün, Abtwil blau, Oberrüti gelb und Dietwil violett. In der Kirche haben sich gegen 400 Gläubige eingefunden, und auf der Empore begleitet den offiziellen Einrichtungsgottesdienst ein Projektchor unter der Leitung von Susanne Widmer.

Von März 2016 bis September 2017 wurde der Pastoralraum Oberes Freiamt in einem längeren Prozess entwickelt und dann durch das Bistum und die Kirchgemeindeversammlungen genehmigt. Ein tiefgreifender gesellschaftlicher Wandel verändert die pastoralen Aufgaben der katholischen Kirche markant, der Priestermangel zwingt zu neuen Strukturen. Der Zusammenschluss mehrerer Kirchgemeinden zu grösseren Verbänden ist einer der wichtigsten Schritte im «Pastoralen Entwicklungsplan» (PEP, 2006) des Bistums Basel. Insgesamt 104 Pastoralräume sind geplant, ihre Zukunft ist offen.

Diesem Grundgefühl der Ungewissheit spürt Felix Gmür in seiner Predigt nach: Die «Sozialgestalt» der Kirche verändere sich, «so wie es bis jetzt war, geht’s nicht weiter». Trauer und Klage folgten daraus – vor allem bei älteren Menschen, die noch eine andere Kirche erlebt hätten. Die Hoffnung auf eine Wiedergeburt sei auch da – aber bedeute das nicht «von Sinnen sein», «Spinnen», «en Egge abhaa»? «Was ist das Entscheidende?» Bischof Gmür nennt drei Dinge: von Gott reden, die Botschaft des Evangeliums weitersagen und Zeugnis dafür ablegen. Und zwar in konkreten Fragen des Alltags und der Gesellschaft; als Beispiel nennt er Entwicklungen um die Entstehung von menschlichem Leben wie Embryonenforschung, Leihmutterschaft, Genetik.

Die Hauptverantwortlichen des Pastoralraums

Anschliessend errichtet der Bischof offiziell den neuen Pastoralraum. Er nennt die Hauptverantwortlichen: Pfarrer Thomas Zimmermann als Leiter, Pastoralassistent Andres Lienhard als Stellvertreter, Martina Suter als Leitungsassistentin, Otmar Scherrer als Kaplan, Pater Alphons Brunner als Seelsorger und eine Reihe Jugendarbeiter und Katechetinnen.

Nach Wortgottesdienst und Eucharistie spricht Herbert Karli als Vertreter der Kirchpflegen und Arbeitsgruppen, blickt zurück auf einen mehrjährigen Prozess, in dem das neue Regelwerk zwischen Pastoralraum und Mitglieder-Gemeinden geschaffen werden musste: «Es hat viele Kräfte gebraucht!»

Das Schlusswort aber hat ein Eingeladener, Hansueli Hauenstein, Pfarrer der reformierten Kirche Muri Sins. Er braucht das alte Bild von den Schafen und Hirten: «Der neue Pastoralraum schafft eine grössere Weide, mit weitem Zaun, in dem noch mehr Schafe noch besseres Gras fressen können, aber mit weniger Hirten.» Das mache die Aufgabe für die Hirten herausfordernder. Aber er mahnt auch: «Gewöhnliche Schafe können selber Hirten sein», und «auch Hirten sind Schafe», das heisst bedürftig nach Nahrung.

Dieser typisch reformatorische Gedanke der Auflösung starrer Rollenverteilung zwischen Klerus und Volk bleibt am Ende hängen: «Lueged zuenand! Gänd Sorg zu eure Hirte und Hirtinnen!» Volksnaher könnte man es nicht formulieren.

Dorotea Bitterli

redaktion@zugerzeitung.ch

Hinweis

Weitere Informationen zum Pastoralraum Oberes Freiamt: www. pfarrei-sins.ch/aktuell. Informationen zum Pastoralen Entwicklungs­plan des Bistums Basel: www.bistum-basel.ch/pastoral/pastoralentwicklung.

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