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SINS: Es gibt wieder Ärzte im Dorf

Das Ärztezentrum wird ab diesem Monat als Praxis Gruppe Sins weitergeführt. Angestellt sind drei Ärzte, darunter der ehemalige Praxisbetreiber Rolf Glauser. Es gibt aber einen Wermutstropfen.
Cornelia Bisch
Rolf Glauser, Andrea Sprankel (CEO Praxisgruppe Schweiz), Sabrina Preiss und Regula Zähner (von links).

Rolf Glauser, Andrea Sprankel (CEO Praxisgruppe Schweiz), Sabrina Preiss und Regula Zähner (von links).

Die Gemeinde Sins und die Oberfreiämter Bevölkerung können vorerst aufatmen. Die medizinische Grundversorgung für die rund 9000 Einwohner ist weiterhin gewährleistet. Gestern wurden einige der neuen Angestellten sowie die renovierten Räume der Praxis Gruppe Sins, wie das Unternehmen neu heisst, der ­Bevölkerung im Rahmen eines Tages der offenen Tür vorgestellt. Jedoch erlitt einer der Ärzte, Martin Ankersmit, am Donnerstag ­einen Unfall und liegt seither in der Notaufnahme eines Wiener Krankenhauses. «Wir wissen nicht, wie es ihm geht», sagte ­Andrea Sprankel, CEO der Praxisgruppe Schweiz AG, besorgt. Ankersmit sollte in Sins eine 100-Prozent-Stelle antreten, ebenso wie die deutsche Ärztin Yvonne Nord, die anwesend war, sich aber nicht fotografieren lassen wollte. Sie wird die Praxisleitung übernehmen. Mit von der Partie ist ebenfalls der ehemalige Praxiseigentümer Rolf Glauser, der schon seit März wieder im Teilzeitpensum arbeitet und nun als stellvertretender Leiter mit 70 Prozent erneut einsteigt.

Das Spital Muri gab im Frühling dieses Jahres bekannt, dass das Ärztezentrum Sins per Ende Juli 2017 geschlossen werde, da es nach einigen Kündigungen seitens der Ärzteschaft unmöglich gewesen sei, die vakanten Stellen neu zu besetzten. Die relativ kurzfristige Ankündigung des Spitals Muri schockierte die Oberfreiämter Bevölkerung und den Sinser Gemeinderat. «Wir waren sehr besorgt», erklärt der Gesundheitsvorsteher Marco Meier rückblickend. «Die Problematik des Hausärztemangels ist keine regionale, sondern eine ­nationale Herausforderung, der wir uns stellen müssen. Durch die verschärfte Zulassung im Kanton Aargau trifft es uns aber noch etwas härter.» Die Richtlinien des Kantons besagen nämlich, dass Ärzte aus dem Ausland während dreier Jahre in einer FMH-anerkannten Weiterbildungsstätte tätig gewesen sein müssen, um eine Zulassung zu erhalten. Viele gut ausgebildete Fachkräfte aus dem deutschsprachigen Ausland erfüllen dieses Kriterium nicht.

Aufgrund des Echos in der Lokalpresse meldete sich Josef Rohrer, Verwaltungsratspräsident der Praxis Gruppe Schweiz AG mit Sitz in Hünenberg, beim Gemeinderat mit dem Angebot, das Ärztezentrum zu über­nehmen und mit neuem Per­sonal weiterzuführen. «Es ist unser Kerngeschäft, bestehende Hausarztpraxen aufzukaufen und neu im Geschäftsleitungsmodell weiterzuführen», erklärt Rohrer. Die Praxis Gruppe Schweiz AG führt bereits 27 Hausarztpraxen in der Schweiz, davon 10 im Kanton Aargau. «Wir waren von Anfang an zuversichtlich, geeignete und zugelassene Ärzte zu finden. Die Schweiz ist als Arbeitsort sehr attraktiv für Ärzte aus dem deutschsprachigen Ausland.»

Die Verbindungen spielen lassen

Vor allem die Frage der Zulassung beschäftigte jedoch auch die neuen Eigentümer während der letzten Monate stark. Dank ihrer guten Kontakte gelang es CEO Andrea Sprankel schliesslich, die beiden genannten Ärzte aus Deutschland und Österreich zu gewinnen. «Es freut uns, dass die Praxis Gruppe die ärztliche Grundversorgung in Sins nun aufrechterhält und ohne grossen Unterbruch Patienten empfangen wird», betont Meier. Yvonne Nord und Martin Ankersmit sind erfahrene Allgemeinmediziner, die sich in der Schweiz nieder­gelassen haben.

«Es ist uns wichtig, dass das Personal der Praxis Gruppe Sins langfristig bleibt», so Rohrer. Bei den Vorstellungsgesprächen sei dies ein wesentlicher Faktor gewesen. «Wir möchten, dass die Ärzte eine Beziehung aufbauen können zu den Patienten.» Vier Medizinische Praxisassistentinnen mit einem Pensum von insgesamt 350 Prozent werden das Ärzteteam unterstützen. Ob später allenfalls weitere Hausärzte oder sogar Fachärzte hinzukommen, ist noch unklar. «Das wird die Zukunft zeigen», so Rohrer. «Wenn die Nachfrage nach zusätzlichem Fachpersonal besteht, stocken wir auf.»

«Wir sind sehr erleichtert darüber, dass die beiden Ärzte gefunden werden konnten. Nun kann wieder Ruhe in dieser Sache einkehren, und die Bevölkerung hat die Gewissheit, dass ein Arzt für sie da ist», hält der Gemeinderat Marco Meier fest.

Cornelia Bisch

cornelia.bisch@zugerzeitung.ch

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