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SINS: «Es ist schön, sich ganz auf Menschen einzulassen»

Zwei junge Frauen haben am ersten schweizweit durchgeführten Berufswettbewerb für Fachleute Betreuung, «Fa-Best 2017», teilgenommen. Für eine der beiden geht der Wettkampf in die zweite Runde.
Cornelia Bisch
Svenja Jutz (links) und Nora Gnädinger erlebten einen spannenden Wettbewerbstag in Horw. (Bild: Andreas Gnädinger (18. November 2017))

Svenja Jutz (links) und Nora Gnädinger erlebten einen spannenden Wettbewerbstag in Horw. (Bild: Andreas Gnädinger (18. November 2017))

Ein wenig aufgeregt waren die beiden jungen Berufsleute schon vor der vierteiligen Meisterschaft der Betreuungsprofis «Fa-Best 2017», an welcher sie am Samstag im Brändi Horw, einem von schweizweit fünf Austragungsorten, teilnahmen. «Aber als ich mich ganz auf die Aufgaben konzentrierte, vergass ich die Leute ringsherum», erzählt die 20-jährige Svenja Jutz, die im Sommer 2017 ihre Lehre als Fachangestellte Betreuung in der Fach­richtung Kinderbetreuung abgeschlossen hat. Auch ihrer jüngeren Kollegin Nora Gnädinger erging es ähnlich: «Es brauchte schon Mut, sich vor Publikum den herausfordernden Aufgaben zu stellen.» Die 19-Jährige ist im dritten Lehrjahr ihrer Ausbildung mit Fachrichtung Behindertenbetreuung. Sie erreichte den dritten Platz, weshalb sie in einem Jahr am schweizerischen Final teilnehmen wird.

Ziel des erstmals durchgeführten Wettbewerbs war es, die Betreuungsberufe in ihrer ganzen Komplexität und Vielfalt der Öffentlichkeit vorzustellen. «Oft werden diese Berufe gar nicht richtig ernst genommen», bedauert Svenja Jutz. «Man ist ja nur Kinderbetreuerin. Wie viel dahintersteckt, nehmen die Leute kaum wahr.» Deshalb finden die beiden jungen Frauen die Meisterschaft eine sehr gute Sache. Als sie durch ihre Ausbildner von der Veranstaltung hörten, konnten sie sich gar nicht recht vorstellen, wie es möglich sein sollte, ihre Arbeit und Fähigkeiten im Rahmen eines Wettbewerbs zu bewerten. «Um das zu erfahren, nahm ich teil», erklärt Jutz. Den neun Zentralschweizer Teilnehmern wurden vier Aufgaben gestellt, eine davon konnte zu Hause vorbereitet werden, eine weitere bestand aus einer spassigen Teamarbeit, die separat bewertet wurde. «Zu Hause erstellten wir ein Plakat, auf dem wir den Steckbrief einer durch uns betreuten Person in ihrer aktuellen Lebensphase festhielten», erläutert No­ra Gnädinger. Im Gespräch mit einer Expertin begründeten die Teilnehmer dann am Wettbewerb die verschiedenen Betreuungsansätze und berichteten über die Entwicklungsschritte der betreffenden Person. Die zweite und dritte Aufgabe bestand in der Konfrontation mit schwierigen Alltagssituationen mittels Videosequenzen und in direktem Kontakt mit geschulten Schauspielern. «Das war sehr anspruchsvoll, weil wir ganz unmittelbar reagieren mussten», so Jutz. Keine Zeit für lange Überlegungen. «Aber so ist es ja in unserem Arbeitsalltag auch.» Für die Juroren sei die Beurteilung dieser beiden Aufgaben besonders schwierig gewesen. «Es gibt im Grunde keine richtige und keine falsche Lösung, da viele verschiedene Ansätze möglich sind», betont Jutz. Dies natürlich innerhalb gewisser Rahmenbedingungen, wie Gnädinger ergänzt. «Ich versuchte, nach bestem Wissen und Gewissen mit gesundem Menschenverstand zu handeln. Manch eine zündende Idee kam mir jedoch erst im Nachhinein», bedauert sie.

Geduld und Flexibilität sind gefordert

Auch das gehört jedoch zum Alltag einer Betreuerin. «Wir dürfen auch mal sagen, wenn wir an unsere Grenzen kommen und keine Kraft mehr haben.» Die eigenen Grenzen zu kennen, ist in ihrem Berufsalltag ebenso wichtig wie Geduld, Flexibilität und Verständnis. Svenja Jutz arbeitet seit dem Abschluss ihrer Lehre in einer Kindertagesstätte und als Tagesmutter. «Ein kleiner Junge, den ich betreue, fragte mich kürzlich, ob ich eigentlich auch schimpfen könne. Das war für mich das grösste Lob», erzählt die junge Frau. Spannend findet sie auch, dass kein Tag gleich ist wie der andere. «Oft werden meine Pläne von den Kindern über den Haufen geworfen.» Es sei wunderbar, sich von der kindlichen Kreativität mitreissen zu lassen und auch selbst wieder ein wenig Kind sein zu dürfen. «Wenn man diesen Beruf erlernt hat, geht man anders mit Menschen um, auch im privaten Leben», ist Nora Gnädinger überzeugt. «Man ändert seine Einstellungen, man reift. Es ist schön, sich ganz auf Menschen einzulassen.» Nora Gnädinger möchte in Zukunft vor allem mit Jugendlichen arbeiten und die Weiterbildung zur Sozialpädagogin absolvieren. Svenja Jutz zieht es ins Ursprungsland der Kitas, nach Schweden.

Cornelia Bisch

cornelia.bisch@zugerzeitung.ch

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