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So wollen Innerschweizer Rettungsdienste bei Notfällen schneller vor Ort sein

Wenn der Rettungsdienst ausrückt, ist jede Minute entscheidend. Mit einem gemeinsamen Fahrzeugpool wollen die Kantonsspitäler Luzern, Nidwalden, Obwalden und Uri ihre Reaktionszeit verbessern.
Simon Mathis
Rettungskräfte des Luzerner Kantonsspitals im Einsatz. (Bild: LZ)

Rettungskräfte des Luzerner Kantonsspitals im Einsatz. (Bild: LZ)

144 – wer diese Nummer wählt, dem kommen Minuten plötzlich wie Stunden vor. Kein Wunder: Denn diese Minuten können über Leben und Tod entscheiden. Innerhalb einer Viertelstunde wollen die Innerschweizer Notfalldienste die entsprechenden Unfallstellen erreichen. In 80 Prozent der Einsätze erfüllen sie diese Vorgabe bereits. Um diesen Wert aber noch steigern zu können, spannen die Kantonsspitäler Luzern, Nidwalden, Obwalden und Uri zusammen.

Am Mittwochmorgen stellten die vier Spitäler ein Pilotprojekt vor, bei dem sie ein schweizweites Novum erproben wollen. Ab September verfügen sie über einen gemeinsamen Fahrzeugpool von insgesamt 19 Rettungswagen. Diese können dann auch in Nachbarkantonen stationiert werden – zum Beispiel einer aus Sarnen in Luzern. Das soll dem Rettungsdienst dabei helfen, flexibler zu reagieren. Konkret erwarten die Kantonsspitäler, dass sie in 1000 von insgesamt 21 000 Einsätzen pro Jahr schneller vor Ort sein werden.

Dass sich die Innerschweizer Rettungskräfte gegenseitig unterstützen, ist nicht neu. Schon jetzt besteht eine enge Zusammenarbeit. «Der Rettungsdienst hört nicht an der Kantonsgrenze auf», betont Esther Schmid, die den Rettungsdienst Luzern leitet. «Wenn wir mehrere Fahrzeuge brauchen, dann sprechen wir uns ab. Das funktioniert schon seit Jahren einwandfrei.» Für Engelberg etwa ist das Kantonsspital Nidwalden verantwortlich, weil es geografisch näher liegt als das Spital Obwalden. Auch in Sachen Material, Personal und gemeinsamen Standards sei die Kooperation stark.

Was gibt es denn überhaupt zu verbessern? Das neue Modell beruht auf einer Simulation von Christoph Strauss von der Hochschule für angewandte Wissenschaften (FHS) St. Gallen. «Mit unseren Berechnungen wollen wir aufzeigen, wie sich die bestehenden Ressourcen noch konsequenter nutzen lassen», erklärt Strauss, ein Experte auf dem Gebiet Rettungsdienst-Disposition. Ziel sei es, das Angebot auf die «Nachfrage» abzustimmen. Soll heissen: Die Fahrzeuge seien idealerweise dort im Einsatz, wo man sie am dringendsten benötige.

Unterstützung für Luzern und Stans

Im Rahmen des Pilotprojekts richtet das Kantonsspital Luzern in Emmenbrücke eine neue temporäre Zentrale für Rettungswagen ein. Dafür mietet sich das Spital bei der örtlichen Feuerwehr ein. «Der Standort hilft bei Einsätzen in Richtung Norden», sagt Esther Schmid. «Auch der Autobahnanschluss ist ein wichtiger Pluspunkt.» Je nachdem, wie gut das Projekt anläuft, sei auch eine längerfristige Partnerschaft mit der Feuerwehr denkbar.

Wie eine Statistik der Spitäler zeigt, gibt es in Luzern ohnehin mit Abstand am meisten Einsätze. Auch Stans benötigt mehr Unterstützung. Heisst das nun, dass die Randregionen vernachlässigt werden, weil deren Rettungsdienste anderswo ausrücken? «Keinesfalls», sagt Andreas Gattiker, Direktor des Kantonsspitals Obwalden. «Jeder Standort behält sein Grundfahrzeug sowie sein Grundteam. Und die sind rund um die Uhr bereit.» Gattiker gibt zu Bedenken, dass man in Sarnen Überkapazitäten habe. Auch der Rettungsdienst Andermatt sei kaum ausgelastet. Kommt dazu: Jedes Spital profitiert finanziell von häufigeren Einsätzen.

Für diese Rettungskräfte wird’s künftig also mehr zu tun geben. «Das macht die Arbeit interessanter und abwechslungsreicher», sagt Dany Häfliger, Leiter des Rettungsdienstes Uri. «Unsere Mitarbeiter sind mit Herzblut dabei. Sie wollen Menschenleben retten.» Wenn nichts los sei, sei das oft frustrierend fürs Personal. «Rettungssanitäter sind wahrscheinlich die einzigen Menschen weit und breit, die sich über einen Notfall freuen.»

Nicht nur die Fahrzeuge wollen die Spitäler verschieben, sondern auch die Schichten der Retterinnen und Retter. «Neu gibt es überlappende Dienstzeiten», sagt Häfliger vom Kantonsspital Uri. Das verhindere, dass ein Retter fünf Minuten vor Feierabend noch für einen Notfall in Anspruch genommen werden, der dann zwei Stunden Überzeit generiere. «Die Umstellungen ziehen kaum zusätzlichen Kosten nach sich», sagt Gattiker vom Kantonsspital Obwalden. Auch die Anzahl der Rettungskräfte ändere sich nicht. In den vier Kantonen seien zurzeit etwa 220 von ihnen im Einsatz. Geplant sei also weder eine Ressourcen-Aufstockung, noch ein Abbau.

Und was heisst das alles für die betreuten Patienten? Teurer werde es auch für sie nicht. «Wer in der Stadt Luzern wohnt und von der gelben Obwaldner-Ambulanz gerettet wird, muss nicht mehr zahlen», versichert Häfliger vom Rettungsdienst Uri. Abgerechnet werde nach Pauschale – längere Fahrwege seien da nicht ausschlaggebend. In erster Linie sollen die Einwohner von kürzeren Reaktionszeiten profitieren. Die Testphase endet im Dezember 2019. Danach geht's an die Auswertung – und es entscheidet sich, ob das Modell zukunftsfähig ist.

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