Solidaritätsaktion
Tanzen gegen die Pandemie: Grosse Jerusalema-Challenge in Luzern geplant

Die Choreografie zum Song Jerusalema ist coronakonform und nicht erst seit dem Video der Zuger Polizei bekannt. Im Sommer soll der Tanz in Luzern den Neustart der Wirtschaft einläuten. Bis dahin finden in mehreren Tanzschulen Workshops statt.

Alexander von Däniken
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Gäbe es eine inoffizielle Coronahymne, es wäre Jerusalema von Master KG und Nomcebo Zikode. Das Lied aus Südafrika strahlt Hoffnung aus, und die dazu gehörende Choreografie lässt sich in gebührendem Abstand zueinander tanzen. Weltweit stellen Hobbytänzer, Pflegerinnen oder Polizisten ihre Videos zum Lied online. So etwa das Schweizer Paraplegiker-Zentrum:

Oder die Zuger Polizei:

Nun geht das auch mit noch mehr Teilnehmenden, dachte sich Daniel Krucker. Der Horwer hatte mit seiner Facebookgruppe «Innerschweizer Friends- Freizeitaktivitäten» die Idee, die Jerusalema-Challenge in
Luzern zu initiieren. Auf einem noch nicht definierten Platz sollen am 26. Juni Dutzende oder gar Hunderte Hobbytänzer zu Jerusalema tanzen. Falls es die epidemiologischen Verhältnisse bis dahin noch nicht erlauben, gibt es zwei Ersatzdaten.

Bis dahin finden ab 6. März Workshops statt: bei der Tanzschule Schneider in Horw, bei Skippy Line Dance in Steinhausen, beim Tanzzentrum Tanzart in Ebikon und beim Tanzstudio Flamencotacon in Luzern. Je nach Situation wird draussen mit Tanzlehrer und vier Teilnehmern oder in grösseren Gruppen geübt. Auch zwei Hauptproben sind geplant. Laut Daniel Krucker werden bei den Workshops und an der Hauptaufführung Videos gedreht. «Wir wollen mit der Aktion einerseits das Erwachen der Luzerner Wirtschaft feiern, andererseits aber auch ein Signal nach Bern schicken, dass wir von den Massnahmen langsam genug haben», sagt der Initiant.

1500 Teilnehmer möglich

Das Interesse an der Aktion ist laut Krucker schon gross. Bis jetzt hätten über 80 Personen zugesagt, überwiegend Familien. «Da auch die Tanzvereinigung Schweiz die Idee unterstützt, könnten theoretisch auch bis zu 1500 Personen mitmachen.» Doch das sei aufgrund der unsicheren epidemiologischen Lage und der zumindest im Moment noch strikten Massnahmen schwierig abzuschätzen. Das gelte neben den Tanzschulen auch für weitere Branchen, die unter den Massnahmen leiden und die Krucker angeschrieben hat. So seien Hotellerie- und Gastronomie-Vertreter noch zögerlich, was das Mittanzen betrifft. Dabei sei das Mitmachen für alle Beteiligten gratis, auch die Workshops.

Doch Krucker ist überzeugt, dass es dieses Jahr ein Zeichen brauche: Eines der Hoffnung für die Wirtschaft und Gesellschaft, aber auch eines der Dringlichkeit gegenüber der Politik. Dem schliesst sich Marcel Schneider an. Der Inhaber der gleichnamigen Tanzschule in Horw bietet am 6. März einen Workshop an. «Die Jerusalema-Challenge ist eine gute Sache», sagt Schneider. Den Tanz habe die Schule bereits vor der Schliessung angeboten. Er eigne sich perfekt zum Aufwärmen, sei einfach erlernbar und könne mit Abstand getanzt werden.

Marcel Schneider, Inhaber der Tanzschule Schneider, bietet für die Jerusalema-Challenge Workshops an.

Marcel Schneider, Inhaber der Tanzschule Schneider, bietet für die Jerusalema-Challenge Workshops an.

Bild: Pius Amrein (Horw, 11. Februar 2021)

Nun, da die Schule geschlossen ist, komme Schneider finanziell gerade so durch. Die Phase davor sei indes auch nicht einfach gewesen: «Da nur Tanzpaare, welche im gleichen Haushalt wohnen, Körperkontakt haben durften, hat dies viele Paare aus zwei Haushalten abgeschreckt.» Umso wichtiger sei darum eine baldige Öffnung der Tanzschulen und eine Aufhebung der Einschränkungen. Nur schon für den Workshop vom März gebe es wesentlich mehr Interessenten, als im Moment zugelassen sind.