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SOMMERSERIE: Dem Ziel ganz nah

Am Freitag fliegt der Ruderer Mario Gyr (31) nach Rio an die Olympischen Spiele. Sein Ziel: die Goldmedaille. Unser Weg nach Rigi Scheidegg ist sinnbildlich für seine Karriere.
Jonas von Flüe
Mario Gyr geniesst die Aussicht von der Rigi, unten liegt Küssnacht. (Bild Pius Amrein)

Mario Gyr geniesst die Aussicht von der Rigi, unten liegt Küssnacht. (Bild Pius Amrein)

Jonas von Flüe

Wir stehen auf Rigi Staffel und blicken hinunter in die Zentralschweizer Seenwelt. Vor unseren Füssen liegt die Küssnachter Bucht des Vierwaldstättersees, rechts der Zugersee, und in der Ferne sind im Dunst der Sempacher-, der Baldegger- und der Hallwilersee zu erkennen. Es ist ein Anblick, an dem man sich gar nicht sattsehen kann, der uns minutenlang ausharren lässt und uns vor Augen führt, in welch schöner Region wir leben.

«Wir rudern oft bis nach Küssnacht», sagt Mario Gyr, der Stadtluzerner, «jetzt sehe ich mal, wieso das immer so lange dauert.» Denn die Küssnachter Bucht, und das sieht man tatsächlich nur von hier oben, zieht sich enorm in die Länge.

Das Rudern, es ist im Leben des 31-Jährigen allgegenwärtig. Am Freitag fliegt er mit der Schweizer Nationalmannschaft an die Olympischen Spiele nach Rio, wo er mit seinen Kollegen des Leichtgewichtsvierers die Goldmedaille anstrebt. Sie sind Welt- und Europameister, dementsprechend hoch sind die Erwartungen. Gyr ist kein Mensch der leisen Töne, er spricht aus, was er denkt, was er fühlt. Und so sagt er selbstbewusst: «Es wäre heuchlerisch, wenn wir uns ein anderes Ziel als den Olympiasieg setzen würden.» Am 9. August, nach dem Final, wissen wir, ob der lang ersehnte Traum des Quartetts in Erfüllung gegangen ist. Bis dann steht bei Mario Gyr, Simon Schürch, Simon Niepmann und Lucas Tramèr vor allem noch eines auf dem Programm: Training, Training, Training.

Einmal im Jahr aufs Mittagsgüpfi

Von Rigi Staffel führt der Weg über eine kleine Anhöhe nach Rigi First. Wir haben uns bewusst für eine gemütlichere Wanderung entschieden. Denn es ist Gyrs trainingsfreier Tag, der letzte vor den Olympischen Spielen. Anstrengungen gilt es so kurz vor dem Höhepunkt seiner Karriere zu vermeiden. Normalerweise unternimmt er anspruchsvollere Wanderungen. «Mindestens einmal im Jahr wandere ich aufs Mittagsgüpfi», erzählt er, «aber das wäre momentan zu viel für mich. Vielleicht wage ich den Aufstieg nach den Olympischen Spielen.» Im Pilatus-Massiv fühlt er sich wohl, so ist er auch schon kurzerhand auf den Pilatus gejoggt. Auch in den Obwaldner Bergen ist er zuweilen unterwegs, unweit seiner zweiten Heimat, des Ruderzentrums in Sarnen, wo das Nationalkader fünf Tage die Woche verbringt. Die Berge sind ein Ort, wo Hektik fehl am Platz ist, wo Mario Gyr den Kopf durchlüften und abschalten kann. Das gelingt ihm ansonsten nur auf dem See. Nicht im Ruder-, sondern in seinem kleinen Motorboot, mit dem er oft zum Fischen tuckert. Fernab des Alltags.

Auf dem Felsenweg nach Rigi First bleiben wir ein zweites Mal stehen. Die Aussicht auf die Alpenwelt, die sich hinter dem Vierwaldstättersee auftürmt, ist grandios. Wir knipsen ein Foto und würden gerne länger hierbleiben. Doch alle Sitzbänke mit der wunderschönen Aussicht sind besetzt. Verständlich.

Im besten Ruderalter

Der Weg bleibt bis Unterstetten flach, dann beginnt er leicht zu steigen. Er ist sinnbildlich für Gyrs Karriere. Seit rund zehn Jahren ist er im Ruder-Weltcup anzutreffen, hat sich als zielstrebiger Athlet einen Namen gemacht und ist das Aushängeschild des Schweizer Rudersports. Doch Gyr legte seinen Fokus viele Jahre auf seine Ausbildung zum Juristen.

2012 nahm er mit dem Leichtgewichtsvierer an seinen ersten Olympischen Spielen teil, die mit einem 5. Platz endeten, was damals einer Enttäuschung gleichkam. Rückblickend war diese Rangierung aber gar nicht so schlecht. Denn das Quartett war jung und noch nicht reif für den ganz grossen Erfolg. Erst im zweiten Teil seiner Karriere ging es nach ganz oben, gewann er Weltcup- und Weltmeisterschaftsrennen. Nun, mit 31 Jahren, ist er im besten Ruderalter mit den besten Voraussetzungen für Olympia-Gold.

«Ich musste auf vieles verzichten», blickt er allerdings ohne Reue zurück. Während seine Freunde die Sommerabende genossen, war er oft unterwegs, im Training oder an Wettkämpfen. Während sie Würste auf den Grill schmissen und Bier tranken, musste er auf seine Ernährung achten. Denn Leichtgewichtsruderer dürfen an einem Wettkampf maximal 72,5 Kilogramm wiegen, was für den Luzerner zuweilen eine Herausforderung darstellt.

Unbeeinflussbare Faktoren

Als wir auf dem Weg Richtung Scheidegg das letzte Hindernis – eine Baustelle – überwinden, blickt Mario Gyr in die Zukunft. Was, wenn es nicht zu Gold reichen sollte, wenn ein anderes Boot schneller fährt?, frage ich ihn. «Dann geht die Welt nicht unter», sagt er. Gyr ist ehrgeizig, unglaublich ehrgeizig sogar, denn das muss er sein, um das knallharte Kraft- und Ausdauertraining Tag für Tag durchzustehen. Aber er weiss auch, dass es Faktoren gibt, die man nicht beeinflussen kann, wie etwa den Wind oder die Tagesform der Gegner. Diese leid­volle Erfahrung musste der Schweizer Leichtgewichtsvierer im Olympiafinal 2012 machen, als er vom Wind klar benachteiligt wurde und mit Südafrika ein Boot Gold gewann, das nicht zu den besten zählte.

Gyr sagt: «Wir haben in der Vorbereitung alles richtig gemacht. Wenn andere dennoch schneller sind, können wir uns keine Vorwürfe machen. Auch wenn die Enttäuschung riesig sein würde.»

Auf 1656 Metern über Meer haben wir unser Ziel erreicht, die Rigi Scheidegg. Uns bringt die Luftseilbahn zurück nach Arth. Mario Gyr steht die grosse Reise aber erst noch bevor. Dem Ziel ist er bereits ganz nah. Rio kann kommen.

Sommerserie

Wandern mit ... red. In den nächsten Wochen stellen wir Ihnen Persönlichkeiten aus der Zentralschweiz vor. Das Besondere: Die Promis werden auf ihrer Lieblingswanderung porträtiert. Damit erhalten Sie, liebe Leserinnen und Leser, nicht nur spannende Einblicke ins Leben der Personen, sondern können auch neue Wanderrouten entdecken. Die Beiträge finden Sie unter www.luzernerzeitung.ch/serien

Bild: Grafik Lea Siegwart

Bild: Grafik Lea Siegwart

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