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SOMMERSERIE: Steter Aufstieg

Auf dem Urmiberg lässt Blanca Imboden (53) die Figuren ihres Bestsellers nochmals aufleben. Bei einer Wanderung verrät sie, was die Leser erwartet und was sie als Nächstes plant.
Gabriela Jordan
Schriftstellerin Blanca Imboden geniesst die Aussicht auf der Terrasse des Bergrestaurants Timpelweid auf dem Urmiberg. (Bild Nadia Schärli)

Schriftstellerin Blanca Imboden geniesst die Aussicht auf der Terrasse des Bergrestaurants Timpelweid auf dem Urmiberg. (Bild Nadia Schärli)

Gabriela Jordan

Fast wie aus ihrem Buch entsprungen wartet Blanca Imboden (53) frühmorgens bereits in Wanderschuhen und mit Wanderstöcken am Fuss des Urmibergs. Die Schriftstellerin des Bestsellers «Wandern ist doof» verbringt auf dem Hausberg von Brunnen mehrere Wochen, um für die Fortsetzung des Romans zu recherchieren. «Steil, aber geil» sei die gewählte Route von der Seilbahn Urmiberg bis zum Aussichtspunkt Gottertli, schrieb sie zuvor per E-Mail, mit dem sie der Begleitung auf einer Wanderung zustimmte. Im Restaurant Timpelweid bei der Seilbahnstation sitze es sich zudem so gut, dass sie auch schon völlig vergessen habe, dass sie wandern gehen wollte.

Anstrengende Recherche

Dies wiederholte sich am Tag der Wanderung zum Glück nicht. Mit der Seilbahn geht es gleich steil hinauf, und den noch müden Muskeln bleibt der steilste Teil somit erspart. Imboden klagt gar über Muskelkater; die Recherche für «Wandern ist doof 2» sei nun mal streng.

Oben angekommen, gibt es in der «Timpelweid» erst mal Kaffee mit Sicht auf den Urnersee. Imboden plaudert munter drauflos und schildert, was es mit diesem Ort auf sich hat. Im Winter sei lange nicht klar gewesen, ob die Seilbahn überhaupt in Betrieb sein würde. «Dabei sollte doch mein neues Buch hier oben spielen», sagt sie. Denn nach den aufwendigen Recherchen zum vorherigen Roman «Schwingfest» sehnte sie sich nach «etwas Leichterem» und suchte einen Schauplatz in der Nähe ihres Wohnorts Ibach in Schwyz.

«Der Besitzer der Seilbahn machte mir aber fast einen Strich durch die Rechnung.» Dieser sei ein Investor aus Zug und angeblich nicht leicht im Umgang. Darum habe wohl die Suche nach einem Pächter eine Weile gedauert, meint sie. Als sich dann doch einer fand, war Imboden die Erste, die Anfang April mit der Seilbahn hochfuhr – und teilweise noch im Schnee wanderte. Ganz umsonst waren ihre damaligen Sorgen aber nicht: «Die Figur eines schwierigen Investors kann ich bestens in mein Buch einfliessen lassen.»

Die Route führt zuerst durch das angenehm kühle Wäldchen, bald aber auf einem steilen Kiesweg an der prallen Sonne hinauf. «Für so kurze Zeit bin ich schon bereit, ein wenig zu schwitzen und zu keuchen», so die Schriftstellerin. «Vor allem wenn eine so schöne Aussicht auf uns wartet.» Gemächlichen Schrittes geht es deshalb nach oben; ganz ähnlich wie auch Blanca Imbodens Schriftstellerkarriere begann: «Blanca, warum tust du dir das eigentlich an», hätten damals, als der ersehnte Erfolg ausgeblieben sei, einige ihrer Freunde immer wieder gefragt. Die ersten Bücher verlegte sie selber und verdiente kaum etwas daran.

Trotzdem schrieb Imboden weiter und arbeitete in der Zwischenzeit an so manchen Orten: bei der «Neuen Schwyzer Zeitung», den Stoos-Bahnen und nun von Zeit zu Zeit im Victorinox-Museum. Als sie dann mit «Pralinenkönigin» erste Erfolge erzielte und später «Wandern ist doof» in die Bestsellerlisten kam, freute sie sich umso mehr. «Einen Literaturpreis werde ich nicht gewinnen», sagt die Autorin über sich selber. «Dafür meine Leser unterhalten.»

«Es fehlt mir an nichts»

Jetzt, wo sich Imboden ihren Traum, «den sie nicht mal zu träumen wagte», erfüllt hat, kann sie von ihrer Feder leben. Trotzdem mache ihr die Zukunft manchmal etwas Sorgen, gesteht sie und ärgert sich gleichzeitig über sich. «Das ist typisch schweizerisch, dabei fehlt es mir an nichts.» Als sie in ihren Zwanzigern mit ihrem Mann von der Tanzmusik lebte, habe sie sich viel weniger Gedanken gemacht, was im nächsten Monat sein werde. Als Berufsmusikerin sang Imboden 15 Jahre lang in Bars und Discos – vor allem in Deutschland und in der Schweiz. Ihr Mann begleitete sie am Klavier.

Rückkehr der Wandervögel

Auf dem Weg weist Imboden hie und da auf Details hin, die im neuen Buch eine Rolle spielen werden. An einer Grillstelle könne sich die deutsche Wandergruppe aus dem ersten Buch, die auf dem Urmiberg nochmals zusammenkommt, zum Beispiel nach dem Aufstieg ausruhen. Die Gruppe wird – so viel sei hier verraten – das Liebespaar Conny und Toni besuchen, welches das Restaurant Timpelweid pachtet. «Es ist schön, dass ich die Figuren hier wieder aufleben lassen kann», sagt Imboden.

Auf dem Gottertli angekommen, eröffnet sich die Sicht auf den Lauer­zersee rechts unter uns. Von der Holzbank aus kann man gleichzeitig den Urnersee und den Fronalpstock auf der Südseite bestaunen. Für ihre Geschichte will Imboden alle möglichen Routen auf dem Urmiberg ausprobieren. «Ich muss sowieso wieder in Form kommen, deshalb trifft sich das gut.» Einen Gleitschirmflug müsse sie eventuell auch ausprobieren. «Ich habe aber etwas Bammel davor.»

Obwohl Imboden, die früher ein Bewegungsmuffel war, wie ihre Buchfigur Conny das Wandern längst nicht mehr doof findet, bleibt der Buchtitel wahrscheinlich der gleiche. «Als Wiedererkennungswert», wie Imboden sagt. Und was kommt nach diesem Buch? «Im Herbst gehe ich auf eine Kreuzfahrt. Da lässt sich sicher auch einiges darüber schreiben.»

Wanderung_5

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