SPITALKONTROLLEN: Mangel an Hygiene führt zu Infektionen

Ein gemeinsame Umfrage des Internetvergleichsdienstes Comparis und des Konsumentenforums kf hat ergeben, dass in einigen Zentralschweizer Spitälern keine konsequenten Hygienemassnahmen umgesetzt werden. Dadurch kommt es gemäss der Umfrage zu vermeidbaren Infektionen und gar zu Todesfällen.

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Die Übersicht der Hygienekontrollen in Schweizer Spitälern. (Bild: pd)

Die Übersicht der Hygienekontrollen in Schweizer Spitälern. (Bild: pd)

An der Befragung hatten 20 der 26 Schweizer Kantone teilgenommen. Sechs Kantone machten keine Angaben zu ihrer Hygiene im Spital - darunter der Kanton Zug.  Unter den Spitälern, die Auskunft über ihre Hygienestandards gaben, waren etwa die Zentralschweizer Kantone Uri, Obwalden, Nidwalden, SchwyzundLuzern.

Die Umfrage ergab, dass die Spitäler in den Kantonen Uri und Obwalden gemäss eigenen Angaben auf eine Vor-Ort-Kontrolle der Hygiene verzichten. Ebenfalls verzichten die Kantone Glarus, Solothurn, Jura und das Wallis auf Hygienekontrollen. Nur sechs Kantone gaben explizit an, regelmässig die Hygiene vor Ort zu kontrollieren. Darunter sind die Spitäler in Luzern, Nidwalden und Schwyz – und auch Bern, Graubünden und Zürich. Unregelmässige Vor-Ort-Kontrollen gibt es in den Kantonen St. Gallen und Thurgau («bei Bedarf»), Basel-Landschaft («selten» und dann «bei begründetem Anlass») und im Kanton Basel-Stadt (hier gab es bisher eine einzige Vor-Ort-Kontrolle). Die zehn restlichen Kantone machten gemäss comparis keine Angaben.

Imbissbuden werden besser kontrolliert als Spitäler

Das Ergebnis der Umfrage bei den Gesundheitsbehörden der Kantone zeige auf, dass es an «einheitlichen Standards für Hygienekontrollen in Spitälern und an Grenzwerten für die Keimbelastung» fehlt. Manche Gesundheitsdirektionen würden gar als Aufsichtsbehörde überhaupt keine Untersuchungen vor Ort durchführen und überlassen die Hygieneüberwachung den Spitälern selbst.

Gemäss Felix Schneuwly, Experte bei comparis.ch für Krankenkassen- und Gesundheitsthemen, würde jede Imbissbude von den kantonalen Gesundheitsbehörden hygienisch genauer kontrolliert werden als Operationssäle.

Die Urner Gesundheitsdirektion über ihren Verzicht auf Kontrollen: «Im Kanton Uri mit nur einem Spital und vielen persönlichen Kontakten (fast jeder kennt jeden) würde eine Kultur des Misstrauens keinen Erfolg bescheren». Im Falle einer übermässigen Keimbelastung würden allfällige Massnahmen geprüft. «Bisher gab es keinen Anlass, Massnahmen zu planen.»

Infektionszahlen in Schweizer Spitälern

Jährlich infizieren sich 70 000 Menschen in der Schweiz während eines Spitalaufenthaltes. Das sind fast so viele patienten wie die Stadt Luzern Einwohner hat. Etwa 2000 von den infizierten Patienten sterben, wie der Fachärzte-Verein Swissnoso schätzt. Mehr als jeder dritte Fall sei jedoch gemäss Experten vermeidbar. Konkret bedeutet das, dass rund 20 000 Infektionen und 600 Todesfälle durch bessere Hygiene in Spitälern verhindern liessen. Selbst im Strassenverkehr würden jährlich weniger Menschen (339) sterben als aufgrund von Infektionen im Spital.

nop