STAATSFEIERTAG IN SEEWEN: Himmel war nicht kaiserfreundlich

Der fasnächtliche Höhepunkt, der Güdeldienstag, sollte auch heuer in Seewen möglichst lange dauern. Den Tag verlängern kann man bekanntlich (auch) mit früher Tagwacht.

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Die Negusgesellschaft fährt mit einer ihrer alten Limousinen auf den Platz bei der Pfarrkirche. (Bild Bert Schnüriger/Neue SZ)

Die Negusgesellschaft fährt mit einer ihrer alten Limousinen auf den Platz bei der Pfarrkirche. (Bild Bert Schnüriger/Neue SZ)

Und genau dafür sorgten die beiden Seewener Guuggenmusigen, die Notäwürger und die Urmi-Schlegel. Sie zogen schon früh um 5.15 Uhr hornend und trommelnd durch den Schneepflotsch in den Seewener Gassen.

Empfang beim Negus
Und als sich die Guugger wieder in die Wärme und zu einem Frühstück verzogen hatten, begann die Seewener Fasnacht der Kleinen. Nach der Besammlung im Restaurant Kristall zog eine Kinderrott durch das Dorf. Ziel der jungen Fasnächtler war der Platz bei der Pfarrkirche. Dort nämlich sollte der wichtigste Akt dieses Tages stattfinden: der traditionelle Staatsempfang durch den fasnächtlichen Kaiser, den Negus.

Auf dem Platz bei der Kirche traf sich ab 10.15 Uhr alles, was zur Seewener Fasnacht gehört: die beiden Guuggenmusigen, die Kinderrott und vor allem die in ihren alten amerikanischen Limousinen heranrollenden Männer von der Negusgesellschaft samt ihren «Kaffeewärmern» auf den Köpfen und ihrem Herrscher, Negus Sebastian Gwerder. Er konnte auf dem Platz viel Publikum begrüssen, weit über hundert Personen. Dem Anlass war einzig der Himmel nicht gewogen.

Es fiel ausgerechnet zu dieser Zeit starker Schneeregen. Das war kein Kaiserwetter. «Leider isch hüt e chle Hudliwätter», rief der seinerzeit aus Muotathal nach Seewen zugewanderte Seewener Fasnachtsherrscher seinem Volk von der Kirchentreppe her zu. Was aber der Stimmung kaum Abbruch tat. Die «Notäwürger» würgten ihre Töne – Noten hatten sie keine dabei – von der Kirchentreppe her, immer wieder abgelöst von den Urmi-Schlegeln.

Und unter dem Vordach beim Pfarreisaal holten sich die Kinder bei der Negusgesellschaft das traditionelle Fasnachtsznüni: Wurst und Brot mit Orangen. Für die Erwachsenen auf dem Platz schenkten die Männer von der Negusgesellschaft Weinkaffee oder Weisswein aus.

Am Dienstagnachmittag verteilte sich das fasnächtliche Geschehen auf ganz Seewen. Die Guugger boten Platzkonzerte vor den Restaurants und auf dem Seerüti-Platz, der Negus liess sich in seinen Limousinen mit Gefolge und Orangen auswerfend durch das Dorf fahren. Und eine stattliche Maschgradenrott zog vor den Tambouren her ebenfalls von Beiz zu Beiz.

Du sollst...
Für Sebastian Gwerder war dies schon fast das Ende seiner Zeit als Seewener Negus. Die Tradition will es, dass an der nächsten Reichsversammlung im Januar 2010 ein neuer Seewener Fasnachtskaiser gewählt wird.

In dieses Amt nachrücken wird voraussichtlich der jetzige Kanzler der Negusgesellschaft, Bernhard Aschwanden. Auch er wird darüber wachen, dass sich am 16. Februar 2010 alle Leute in Seewen an die Anordnungen des Kaisers für den Staatsfeiertag halten: «Du sollst die Arbeit ruhen lassen, den Kaiser verehren, die neguanischen Traditionen pflegen und die Strassen und Schankhäuser durch närrisches Treiben beleben.

Bert Schnüriger