Gemeinderats-Ersatzwahl
Wer folgt auf Stephan Betschen? Der Entscheid in Buchrain ist vertagt

Im ersten Wahlgang hat keiner der Kandidaten das absolute Mehr erreicht. Bruno Grossrieder erhielt klar am meisten Stimmen, doch auch Ueli Unternährer will beim zweiten Wahlgang antreten.

Roman Hodel
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Der Nachfolger des zurücktretenden Sozialvorstehers von Buchrain, Stephan Betschen (FDP), steht noch nicht fest. Im ersten Wahlgang hat keiner der Kandidaten das absolute Mehr von 480 Stimmen erreicht. Dies teilte die Gemeinde Buchrain am Sonntag mit. Einer der drei Parteilosen schwingt aber oben aus: Bruno Grossrieder erzielte 424 Stimmen. Dahinter folgt mit 230 Stimmen Ueli Unternährer. Den Namen des Dritten im Bunde, Tino Mammarella, schrieben schliesslich 55 Buchrainerinnen und Buchrainer auf den Wahlzettel.

Bruno Grossrieder, Tino Mammarella und Ueli Unternährer (von links).

Bruno Grossrieder, Tino Mammarella und Ueli Unternährer (von links).

Bilder: Eveline Beerkircher, Matthias Stadler

Eine stille Nachwahl wäre nun bei bloss noch einer Kandidatur möglich, doch dies ist ausgeschlossen. Sowohl Grossrieder als auch Unternährer sagen auf Anfrage, beim zweiten Wahlgang vom 30. Oktober kandidieren zu wollen. Wahlvorschläge können bis am Donnerstag, 29. September, 12 Uhr bei der Gemeinde eingereicht werden.

So reagieren die Kandidaten auf das Ergebnis

Gross ist die Freude über das Ergebnis beim Erstplatzierten. «Ich hätte nicht mit so vielen Stimmen gerechnet», so Grossrieder. Dabei betrieb der 56-Jährige im Vorfeld einen grossen Aufwand. So hatte der technische Berater in der Freizeit 3000 Flyer mit je zwei Wahllisten bestückt und in Eigenregie in sämtliche Haushalte der Gemeinde verteilt. Er sagt:

«So kam ich mit vielen Einwohnerinnen und Einwohnern ins Gespräch.»

Auch bei Vereinen und Parteien hatte er sich vorgestellt, wobei er von einer Partei besonders umgarnt worden sei. «Doch ich will bewusst parteilos bleiben.» Für den zweiten Wahlgang wolle er «nomau a d'Säck» und etwa das Gespräch mit der Bevölkerung im Tschannhof suchen.

Erfreut über sein Abschneiden zeigt sich auch Ueli Unternährer:

«Wenn man bedenkt, dass ich meine Kandidatur erst vor gut eineinhalb Wochen aufgegleist habe, halte ich das Ergebnis grundsätzlich für sehr gut.»

Zum Verteilen von Flyern sei die Zeit zu knapp gewesen, sagt der Familienvater und Sozialpädagoge, dafür habe er die Bevölkerung im Tschannhof direkt angesprochen. Zudem sei er zu Hearings eingeladen worden, etwa vom Verein Bueri aktiv 60 plus. Schliesslich habe er die sozialen Medien und die Plattform Crossiety genutzt, um für sich zu werben. Den Kontakt mit den Wählenden wolle er vor dem zweiten Wahlgang wiederum pflegen.

Wie Tino Mammarella sein Ergebnis einschätzt und ob er im zweiten Wahlgang nochmals antritt, ist offen. Er «wünsche, am Sonntag nicht gestört zu werden» und stehe unter der Woche für Auskünfte zur Verfügung, schreibt der 44-Jährige auf Anfrage.

11 Stimmen für «Alain Berset»

Neben den drei Kandidaten, die sich via Medien und Flugblätter für die Wahl zur Verfügung stellten, tauchten auf den Wahlzetteln freilich auch noch andere Namen auf. Jene, die weniger als 10 Stimmen erhielten, sind beim Wahlergebnis unter «Vereinzelte» zusammengefasst – insgesamt immerhin 166 Stimmen.

Folgende Einwohnende erhielten mehr als 10 Stimmen: 27 Personen wählten Peter Rüfenacht als Sozialvorsteher. Der ehemalige FDPler hatte zuletzt vor zwei Jahren für das Gemeindepräsidium kandidiert, als Parteiloser. 25 Stimmen erhielt der zurücktretende Sozialvorsteher Betschen und 20 Stimmen gingen an Ursula Berset, Präsidentin der GLP-Ortspartei und Kantonsrätin. Schliesslich schrieben 11 Personen den Namen «Alain Berset» auf den Wahlzettel. Damit war aber nicht der Bundesrat gemeint, sondern Ursula Bersets Sohn.

Insgesamt sind 958 gültige Stimmen eingegangen – bei 4137 Stimmberechtigten. Die Wahlbeteiligung liegt bei 27,45 Prozent.

Dass die Buchrainer Bevölkerung am Sonntag überhaupt eine Auswahl hatte, war lange unklar und stand erst seit wenigen Tagen fest. Denn bis zur Eingabefrist für Kandidierende am 8. August waren von den Parteien keine Wahlvorschläge eingegangen. Diese hatten in den Wochen zuvor vergeblich nach Kandidierenden gesucht, sogar mittels Flugblättern.

Der zurücktretende Sozialvorsteher Stephan Betschen.

Der zurücktretende Sozialvorsteher Stephan Betschen.

Bild: Pius Amrein

Nötig ist die Ersatzwahl, weil der bisherige Sozialvorsteher Stephan Betschen auf Ende Oktober seinen Rücktritt eingereicht hat – aus persönlichen Gründen. Der FDPler war 2018 in das Amt gewählt worden.