Kantonsgericht Luzern
Ein Brandstifter zeigt Reue: «Ich würde nie mehr so etwas tun»

Der 44-Jährige hat sein Leben umgekrempelt. Er lebt abstinent, straffrei und in geordneten Verhältnissen. Acht Monate Gefängnis und hohe Verfahrenskosten bleiben ihm trotzdem nicht erspart.

Sandra Monika Ziegler
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Mehrfache Brandstiftung unter anderem beim Gemeindehaus Wolhusen und mehrfache Sachbeschädigung werden dem Mann vorgeworfen. Aus Wut auf gekürzte Gelder und auf die Gemeinde hat ein 44-Jähriger innert wenigen Monate ab Juni 2018 bis zu seiner Verhaftung im März 2019 diverse Brände gelegt und 15 Sachbeschädigungen verursacht. Ihm werden insgesamt 26 Delikte vorgeworfen, 14 davon gibt er zu. Alle Taten habe er aus Frust und Wut unter Alkohol- und Drogeneinfluss verübt.

Vom Kriminalgericht Luzern wurde er im Frühjahr 2021 zu drei Jahren und sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Nebst der Strafe musste er auch Auflagen erfüllen, wie Therapie, abstinentes Leben und sich Kontrollen unterziehen lassen.

Gegen eine unbedingte Haftstrafe wehrte sich der Mann, es kam zur Berufungsverhandlung am Kantonsgericht Luzern. Hier sagte der Beschuldigte zum Schluss:

«Ich würde nie mehr so etwas tun. Das Strafrecht hat auch die Aufgabe der Resozialisierung, nicht nur der Bestrafung.»

Der Verteidiger plädierte auf eine bedingte Strafe mit Probezeit, die Staatsanwaltschaft blieb bei drei Jahren und sechs Monaten. Das Kantonsgericht Luzern verurteilte den Mann jetzt zu acht Monaten Haft. Für die restlichen 28 Monate wird dem Beschuldigten bei einer Probezeit von zwei Jahren der bedingte Vollzug gewährt, wie der 69-seitigen Begründung zu entnehmen ist. Das Gericht hält darin fest, dass der Beschuldigte mit seinem Verhalten «eine besondere Gleichgültigkeit gegenüber fremdem Eigentum zum Ausdruck gebracht habe». Eine vollbedingte Strafe sei ausgeschlossen.

Seit zwei Jahren drogenfrei

Zur Reduktion der Strafe kam es, weil sich der Beschuldigte an die Auflagen hält und abstinent lebt. Die Haar- und Urinproben sind seit Januar 2021 negativ. Der Mann arbeitet und kann je nach Einkommen für seinen Lebensunterhalt aufkommen. Für den Rest bezieht er wirtschaftliche Sozialhilfe und Prämienverbilligung. Zudem funktioniere die Zusammenarbeit mit Sozialamt und Personalcoach nach wie vor gut.

Positiv ausgewirkt auf das Strafmass habe sich auch, dass er bei den zugegebenen Taten deutlich Reue und Einsicht erkennen liess sowie die teilweise Geständnisbereitschaft und Kooperation während des Verfahrens. Zu den 8 Monaten Gefängnis kommen die Verfahrenskosten von über 33'000 Franken. Und sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse zulassen, muss er dem Staat amtliche Verteidigungskosten von über 16'000 Franken rückerstatten. Das Urteil ist nicht rechtskräftig und kann mit Beschwerde beim Bundesgericht angefochten werden.