Kirchgemeinde Luzern
Krienser Reformierte: Abspaltungspläne für ein Jahr sistiert

Dialog statt Abspaltung: Die Krienser Reformierten bleiben vorerst in der Kirchgemeinde Luzern. Doch ein Austritt ist noch nicht vom Tisch.

Robert Knobel
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Die reformierte Kirche in Kriens.

Die reformierte Kirche in Kriens.

Dominik Wunderli (20.06.2022)

Die Krienser Reformierten sind unzufrieden mit der Kirchgemeinde Luzern, zu der sie gehören. Die Kirchenpflege der Teilkirchgemeinde Kriens hat deshalb ein Szenario entworfen, die Kirchgemeinde Luzern zu verlassen und eine eigenständige Kirchgemeinde zu gründen. Als Vorteile erhofft man sich eine grössere Autonomie, kürzere Entscheidungswege und tiefere Kosten. Zudem könnte eine eigenständige Kirchgemeinde Kriens die Kirchensteuern ihrer Mitglieder selber verwalten. Kriens würde somit denselben Weg wählen wie die Reformierten in Horw, Meggen, Adligenswil und Udligenswil: Sie haben sich bereits 2017 von der Kirchgemeinde Luzern abgespalten.

Doch inzwischen hat sich die Situation etwas beruhigt. Verena Marti, Präsidentin der Krienser Kirchenpflege, sagt: «In einem intensiven Dialog mit dem Kirchenvorstand Luzern sind neue Perspektiven und Verbesserungen aufgezeigt worden.» Man sei zwar nach wie vor der Meinung, dass Kriens mehr Autonomie bezüglich Finanzen, Personal und Liegenschaften brauche. Doch man spüre auch, dass die Krienser Anliegen «in Luzern gehört werden».

Mehr Einfluss für die Teilkirchgemeinden?

Tatsächlich haben die Abspaltungsgelüste aus Kriens in der Kirchgemeinde Luzern eine Debatte angestossen. Im Kirchenparlament wurde dazu eine Interpellation eingereicht, zudem sind strukturelle Reformen bei der Organisation der Kirchgemeinde geplant: Die Autonomie der Teilkirchgemeinden beschränkt sich heute vor allem auf die Ausgestaltung des Gemeindelebens. In rechtlichen und finanziellen Belangen hat hingegen die Kirchgemeinde Luzern das Sagen. Diese Verteilung von Aufgaben und Kompetenzen soll nun überprüft werden – und zwar nicht nur für Kriens, sondern für alle acht Teilkirchgemeinden.

Christa Wenger, Präsidentin der Kirchgemeinde Luzern, beschreibt das weitere Vorgehen so: «In verschiedenen Dialogforen werden Befindlichkeit und Fragen der verschiedenen Kirchenpflegemitglieder abgeholt und gemeinsam diskutiert.» Die Weiterentwicklung der Kirchgemeinde solle möglichst partizipativ erfolgen.

Auf dieser konstruktiven Basis wolle man nun vorerst weiter arbeiten, findet auch Verena Marti. Sie macht gleichzeitig klar: Falls die Gespräche mit der Kirchgemeinde bis in einem Jahr keine Resultate zeigen, soll ein Austritt in Kriens wieder auf den Tisch kommen.

Die Reformierte Kirchgemeinde Luzern umfasst heute neben Kriens die Gebiete der Stadt Luzern, des Rontals sowie Emmen, Rothenburg, Malters und die Rigi-Südseite. Insgesamt gehören der Kirchgemeinde rund 18'700 Mitglieder an.