Kolumne Stadtwärts
Frohe Weihnachten – der Countdown läuft

Für das Fest der Liebe wünscht sich die Autorin für alle mehr Ehrlichkeit und weniger Miesmacher.

Sandra Monika Ziegler
Sandra Monika Ziegler
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In zwei Monaten, acht Wochen oder 61 Tagen ist wieder Weihnachten. So steht es im Kalender, daran gibt es nichts zu rütteln, sie wird so oder so stattfinden. Egal ob der FCL-Knatsch in die Verlängerung geht oder die Weihnachtslichter nicht gezündet werden, ob das sparsame Duschen zu zweit Folgen hat oder die vegane Gruppe einen Massenansturm erlebt. Der 24. Dezember wird sicher kommen.

Wie das Fest der Liebe, des Kommerz, der Familienstreite oder der Schwarzmaler stattfinden wird, das ist jeder, jedem selbst überlassen. Doch bleiben wir im Hier und Jetzt. Oder planen Sie die Festtage etwa schon?

Bild: Jakob Ineichen (Luzern, 30.11.2019)

Ich für meinen Teil lass es auf mich zukommen. Ich nehme jeden Tag nach dem anderen, soweit es der Terminkalender zulässt. Ich stopfe die einzelnen Tage nicht randvoll. So bin ich weniger enttäuscht, wenn auch mal was unerledigt liegen bleibt und habe erst noch Platz für Überraschungen.

So die Theorie. Doch was, wenn ein Ereignis gleich mal alles auf den Kopf stellt? Ja, dann bin auch ich am Ende meines Lateins, weiss temporär nicht, wo mir der Kopf steht. Plötzlich wird einem wieder klar, das Leben zu leben, ist nicht für alle gleich möglich. Die Leichtigkeit des Seins ist nicht allgegenwärtig, kann auch unerträglich sein. Wie schon der Schriftsteller Milan Kundera in seinem gleichnamigen 1984 veröffentlichten Roman schrieb.

Gefühle sind stärker als Gedanken oder anders, stellt frau den Schalter der Vernunft auf on, kann das Herz durchaus auch unbeeindruckt bleiben und es tut dann einfach nur weh, zumindest eine Zeit lang. In solchen Momenten sind Freundschaften noch wertvoller, als sie es sonst schon sind. Freundinnen können einem Perspektiven geben, die aus dem Dunklen durchaus wieder ans Licht führen. Sie können das Karussell stoppen.

Es gibt aber auch die anderen. Menschen, die dem Karussell noch einen extra Stoss versetzen, die dauernden Stänker und Miesmacher, diejenigen mit dem Label me first. Auch sie setzen sich an den Festtagstisch, erhalten Geschenke. Bleibt nur zu hoffen, dass sie reichlich mit Ehrlichkeit beschenkt werden und nicht auf dem Karussell sitzen.