Kommentar «Chefsache»
Es gibt definitiv mehr als nur eine Reisecar-Lösung für die Stadt Luzern

Wie soll das Ziel endlich umgesetzt werden, die Luzerner Innenstadt von parkierten Cars zu befreien und gleichzeitig den Weg für die Touristen kurz zu halten? Obwohl es gemäss einer Studie diverse, zum Teil gar pfannenfertige Lösungen gibt, setzt der Stadtrat auf eine einzige, eher vage Idee. Nimmt er bewusst ein Scheitern in Kauf? Das Parlament tut nun gut daran, die sehr risikoreiche All-in-Strategie zu korrigieren.

Jérôme Martinu, Chefredaktor
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So stellen sich die Planer und Investoren des Musegg-Parkings den Car- und Güterumschlag-Hub im Stadthügel vor.

So stellen sich die Planer und Investoren des Musegg-Parkings den Car- und Güterumschlag-Hub im Stadthügel vor.

Quelle: Musegg Parking AG/Grafik: LZ

Endlich legt der Luzerner Stadtrat seinen Plan für die Lösung des Carproblems vor. Ein zusätzliches Parking-Geschoss unter dem Kantonsspital, direkt verbunden mit der Innenstadt über einen 800 Meter langen Fussgängertunnel, so sollen Schwanen- und Löwenplatz von Reisecars befreit werden. So elegant die Lösung scheint, das Risiko zu scheitern ist beträchtlich. Steckt doch das Projekt noch ganz am Anfang, Investoren sind keine in Sicht und die Zeit drängt enorm. Bis Ende Jahr schon brauchen die Spitalplaner verbindlichen Bescheid, denn der Aus- und Umbau des Luks ist bereits voll im Gange.

Das städtische Parlament tut ergo gut daran, nicht wie der Stadtrat nur auf eine riskante All-in-Strategie zu setzen. Es gibt auch andere Lösungen. Die Vorzüge einer Stadtpassage sind zwar gross, diejenigen des quasi planungs- und finanzierfertigen, Musegg-Projekts aber ebenso. Und letzteres ist nach einem breiten Mitwirkungsprozess in einer externen Car-Studie als optimal im Kosten-Nutzen-Verhältnis beurteilt worden. Zudem hat sich das Projekt, wie unsere Zeitung jüngst aufgezeigt hat, massgeblich verändert: Die politisch heiss umstrittenen Parkplätze für Privatautos im Musegghügel sind gestrichen, stattdessen soll in der Kaverne ein Güterumschlagplatz entstehen.

Die Parlamentarier von links bis rechts müssen nun also die Realisierungschancen ebenso stark gewichten wie eine möglichst rasche Umsetzungszeit. Und: Warum nicht etwa Stadtpassage und Musegg verbinden? Ein Fussgänger-Velo-Tunnel vom Norden mitten in die Altstadt, vorbei am Cartouristen-/Logistik-Hub im Musegghügel? Das wäre ein Innovationsschub sondergleichen.

Böse Zungen behaupten aber gar, eine Nulllösung sei stattdessen das Ziel: Scheitert die Stadtpassage wegen des sehr knappen Zeitplans, bleiben die Cars vorerst einfach in der Agglo auf dem Provisorium-Abstellplatz in Kriens. Alles würde wieder von vorne beginnen, ein Spiel auf Zeit. Das schmerzte die knappe Linksmehrheit im Rat wohl kaum, weil dort der Support für Infrastruktur-Investitionen für alles, was mehr als zwei Räder und Motoren hat, aus Prinzip kaum vorhanden ist. Ein solcher Ausgang wäre ein Armutszeugnis für den Ruf und die wirtschaftliche Attraktivität der Stadt Luzern.

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