Kommentar «Chefsache»
Russischer Ritterschlag für Krienser Stadtrat – das ist inakzeptabel

In der Ukraine herrscht Krieg, im Kanton Luzern feierte derweil der St.-Georgs-Orden zusammen mit Angehörigen russischer Adelsfamilien. Dass sich dabei der Krienser Bildungsvorsteher von einem Putin-Getreuen ehren liess, sorgt für Empörung. Zu Recht.

Jérôme Martinu, Chefredaktor
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Zeremonie mit Folgen: Der Krienser Stadtrat Frauenknecht (SVP) wird in der Luzerner St.-Peterskapelle vom russischen Prinzen Wladimir Bariatinsky, einem Putin-Getreuen, zum Ritter des St.-Georgs-Orden geschlagen.

Zeremonie mit Folgen: Der Krienser Stadtrat Frauenknecht (SVP) wird in der Luzerner St.-Peterskapelle vom russischen Prinzen Wladimir Bariatinsky, einem Putin-Getreuen, zum Ritter des St.-Georgs-Orden geschlagen.

Screenshot Instagram

«Wir verlangen, dass er umgehend aus dem Orden austritt und sich von diesem distanziert. Ausserdem erwarten wir eine Entschuldigung von ihm.» In der Stadt Kriens dampft der Kessel, die Parteien fordern Auskünfte. Stadtrat Marco Frauenknecht (SVP) ist jüngst in der Luzerner Peterskapelle zum Neumitglied des St.-Georgs-Orden ernannt worden. Den Ritterschlag hat er von einem in Frankreich lebenden russischen Prinzen empfangen: Wladimir Bariatinsky macht keinen Hehl aus seinem Support für Putin und dessen Angriffskrieg in der Ukraine. Frauenknecht hatte der «SonntagsZeitung» gesagt, dass es kein politischer Anlass gewesen sei und er den Krieg verurteile. Inzwischen sagt er nichts mehr dazu.

Ritterorden entstanden mit den Kreuzzügen, einige haben sich als traditionsbewusste, gemeinnützige Vereinigungen bis heute gehalten. Der St.-Georgs-Orden mit seinen christlichen Werten hat nicht per se mit dem modernen Russland zu tun. Er bezieht sich auf den Heiligen Georg, der Legende nach ritterlicher Drachentöter aus dem 3. Jh. Der Orden von 1769 mit seinen Ablegern, u.a. in der Schweiz, sieht sich seiner Stifterin Zarin Katharina II. verpflichtet. Es gibt also eine Nähe Russland. Bekannt ist etwa, dass bei Feierlichkeiten regelmässig russische Adelige wie Prinz Bariatinsky zugegen sind. Und klar ist, dass seit der Besetzung 2014 der Krim-Halbinsel das orange-schwarze St.-Georgs-Band ein Unterstützungssymbol der Putin’schen Expansionspolitik geworden ist.

Der Krienser Stadtrat und Bildungsvorsteher Marco Frauenknecht (SVP).

Der Krienser Stadtrat und Bildungsvorsteher Marco Frauenknecht (SVP).

Bild: Dominik Wunderli (Kriens, 15. Juni 2020)

Alles, was russischer Provenienz zu ächten, das geht zu weit. Sippenhaft ist nie gut. Aber es ist in diesen weltpolitisch unruhigen, vom schrecklichen Ukraine-Krieg belasteten Zeiten auch unabdingbar, sich in Zurückhaltung zu üben. Und zu überlegen und abzuklären, was man in einem russischen Kontext tun kann – oder eben definitiv lassen soll.

Eine Mitgliedschaft im St.-Georgs-Orden ist nicht grundsätzlich ein Problem. Wer sich aber, wie der Krienser Bildungsvorsteher, von einem russischen Prinzen und Putin-Fan zum Neumitglied schlagen lässt, der ist entweder naiv, ohne Fingerspitzengefühl oder einfach nur politisch unbedarft. Wie auch immer, der Ritterschlag ist inakzeptabel.

2 Kommentare
Bernhard Folda

Die SVP ist schon seit Jahrzehnten unübersehbar ohne jeden Skrupel diktatorenfreundlich! Ich erinnere als Beispiel an die vorbehaltlose Unterstützung des Apartheitregimes in Südafrika durch Blocher! Es stellt sich daher schon die Frage, wie schlecht das Erinnerungsvermögen hierzulande ist!