Kriens
Ein altes Hochmoor am Pilatusgebiet wird wiederbelebt

Vor rund 100 Jahren wurde die Fläche nahe der Fräkmüntegg entwässert und aufgeforstet. Nun stellen Kanton und Korporation Luzern das Moor wieder her. Das ist nicht nur gut für seltene Tierarten, sondern auch für den Klimaschutz.

Stefan Dähler
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Baumstrunke, Holzbretter, ein Bagger: Derzeit sieht die rund 1 Hektare grosse Fläche im Gebiet Bonern nahe der Fräkmüntegg am Pilatus auf Krienser Boden nicht besonders attraktiv aus.

Auf dieser Fläche befindet sich das ehemalige Hochmoor.

Auf dieser Fläche befindet sich das ehemalige Hochmoor.

Bild: Pius Amrein (Kriens, 2. September 2022)

Doch das wird sich in den nächsten Jahren ändern. Auf rund 1300 Metern über Meer laufen Arbeiten, um ein ehemaliges Hochmoor wiederherzustellen. Am Freitag haben der Kanton sowie die Korporation Luzern als Grundeigentümerin und ausführender Forstbetrieb die Medien vor Ort über das Projekt informiert.

Die Arbeiten haben Anfang August mit der Fällung von rund 280 Fichten begonnen. Abgeschlossen sein werden sie voraussichtlich Ende Monat. Für die Kosten von 160’000 Franken kommen Kanton Luzern sowie Bund auf.

Das Hochmoor befindet sich nahe der Grenze zu Nidwalden.

Das Hochmoor befindet sich nahe der Grenze zu Nidwalden.

Karte: Kanton Luzern/map.admin.ch

Moore binden viel CO2

«Es ist aussergewöhnlich, so stark in die Natur einzugreifen», sagte Bruno Röösli, Abteilungsleiter Wald beim Kanton, am Medientermin. «Doch es ist eine Investition in ein gesundes, intaktes Moor, das mehrere Nutzen hat: Etwa für den Klimaschutz, denn es bindet sehr viel CO2. Weiter hält es das Wasser gut zurück und bietet Lebensraum für seltene Tierarten wie das Auerhuhn.» In den letzten Jahren hat der Kanton Moore im Umfang von total rund 10 Hektaren in Waldgebieten renaturiert, etwa in Flühli, Werthenstein oder auf der Krienseregg. Das nächste Projekt ist in Lieli in der Gemeinde Hohenrain geplant.

Das Gebiet Bonern gehört zum 2019 gegründeten Sonderwaldreservat
Horwer und Krienser Hochwald
. Dieses ist bekannt für seltene Flechten und seine Moore. Doch einst gab es noch viel mehr davon. «Nach 1900 wurden zahlreiche Moore am Pilatushang entwässert und aufgeforstet», erklärte Raphael Müller, Oberförster der Korporation Luzern. Dies aus Hochwasserschutzgründen. «Damals ging man davon aus, dass Fichtenwälder das Wasser bei Unwettern besser zurückhalten. Heute weiss man, dass Moore diese Funktion besser erfüllen.»

Entwässerungsgräben werden wieder zugeschüttet

Um den Mooren die Lebensgrundlage zu entziehen, wurden damals mit riesigem Aufwand zahlreiche Entwässerungsgräben ausgehoben.

Ein Entwässerungsgraben beim Hochmoor Bonern.

Ein Entwässerungsgraben beim Hochmoor Bonern.

Bild: Pius Amrein (Kriens, 2. September 2022)

Allein auf der 1 Hektare grossen Renaturierungsfläche Bonern gibt es Gräben im Umfang von 1,7 Kilometern Länge. «Diese werden nun aufgefüllt, damit der Boden wieder mit Wasser gesättigt werden kann», sagte Adrian Kempf, Fachbereichsleiter Waldbiodiversität Kanton Luzern. Um das Wasser im Moor zurückzuhalten, werden zudem in den Gräben 119 sogenannte Spundwände aus Holz eingebaut und danach mit Torf zugedeckt. Dafür müssen 2,5 Meter lange Latten mit Hilfe eines Baggers in den Boden gedrückt werden – was erstaunlich einfach geht, wie man vor Ort sehen konnte. Förster Matthias Kaufmann:

«Das zeigt, dass der Untergrund auch über 100 Jahre nach der Aufforstung immer noch torfhaltig ist.»
Hier werden Holzlatten für eine Spundwand in den Boden gedrückt.

Hier werden Holzlatten für eine Spundwand in den Boden gedrückt.

Bild: Pius Amrein (Kriens, 2. September 2022)

«Die Torfschicht ist auf dieser Fläche besonders mächtig», führte Raphael Müller aus. «Sie ist immer noch zwei bis vier Meter dick.» Das Bonernmoor sei mehrere tausend Jahre alt, denn pro Jahr wachse die Torfschicht nur um rund 1 Millimeter. «Das findet man nicht überall, darum lohnen sich diese Arbeiten.»

Bis das Moor wieder «natürlich» aussieht mit Heidelbeeren, Tümpeln oder Torfmoos, werde es grob geschätzt zwei bis fünf Jahre dauern – bis moortypische Bäume wie Bergföhren aufwachsen, noch länger, sagte Adrian Kempf. Die Verantwortlichen hoffen, dass die renaturierte Fläche dann auch seltenen Tier- und Pflanzenarten wieder Lebensraum bietet: neben dem Auerhuhn beispielsweise der Mooreidechse, der fleischfressenden Pflanze Sonnentau oder dem Wollgras.

Blick vom Moor in Richtung Pilatus.

Blick vom Moor in Richtung Pilatus.

Bild: Pius Amrein (Kriens, 2. September 2022)