Kriminalgericht Luzern
Autohändler vor Gericht: «Ich weiss nicht, warum ich hier sitze»

Der dreitägige Prozess gegen mutmassliche Autoschieber hat am Montag begonnen. Die Angeklagten sind sich keiner Schuld bewusst.

Sandra Monika Ziegler
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Unter das locker angezogene Studentenvolk in der Uni Luzern mischte sich am Montag eine 10-köpfige Männerschar in dunklen Anzügen. Es stand nämlich ein Gerichtstermin an – aus Platzgründen findet der dreitägige Prozess im Unigebäude statt.

Die Verhandlung fand in einem Hörsaal in der Uni Luzern statt.

Die Verhandlung fand in einem Hörsaal in der Uni Luzern statt.

Bild: sam

Die Vorwürfe gegen die fünf Beschuldigten lauten Hehlerei, Geldwäscherei, Betrug, Misswirtschaft, Urkundenfälschung und Veruntreuung. Es geht um Luxusautos, die gemäss Anklage in Italien gestohlen und in Luzern weiter verkauft wurden (wir berichteten). Bis ein Urteil gefällt wird, gilt für alle Beschuldigten die Unschuldsvermutung.

Video: Tele 1

Ein Satz wurde von allen fünf Beschuldigten gleich mehrfach verwendet: «Ich wollte nie jemandem einen Schaden zufügen.» Doch die Anklage geht bei der Autoschieberei von einem Teamwork der Beschuldigten aus, wirft ihnen unter anderem Hehlerei mit elf Luxuskarossen vor.

Auf die Frage, woher die Autos stammten, erklärte einer der Beschuldigten: «Wir wissen die Quellen nicht, sonst könnten die Käufer ja direkt bestellen, dann würde es mich ja gar nicht mehr brauchen. Im Autohandel gibt man die Quellen nie an, und wenn gefragt wird, wird eh gelogen.» Ein weiterer Angeklagter, dem fünf Jahre Haft drohen, sagte gleich zu Beginn: «Ich weiss gar nicht, warum ich hier sitze. Ich habe nichts Strafbares getan.»

«Nein, ich habe mich nie bereichert»

Zum Tauschgeschäft mit WIR, bei dem der Beschuldigte unrechtmässig 55’000 Franken kassiert haben soll, gibt er an: «Nein, ich habe mich nie bereichert.» Zu einer unbezahlten Heizöl-Lieferung mit seinen Kontaktangaben und Adresse sagte der Mann: «Die Telefonnummer war von der Firma, nicht von mir.» An bestellte Waren und Rechnungen, die an seine Privatadresse gesendet und nicht bezahlt wurden, konnte er sich nicht mehr erinnern. Auf die Frage, wer bestellt habe und wie er sich zu den Geldforderungen der Geprellten stelle, sagte der Beschuldigte: «An die Bestellungen kann ich mich nicht erinnern und die Forderungen habe ich ja gar nicht verursacht, warum soll ich sie bezahlen?»

70'000 Franken für Lohn und andere Kosten

Nach einigen Stunden sitzt der letzte Beschuldigte vor der Richterin. Er wurde vom Konkursamt wegen ungetreuer Geschäftsführung und Betrug angezeigt. So soll er 2011 von seiner Geschäftsbank über 70'000 Franken abgehoben haben. Das bestätigt der Mann zwar, sagt aber: «Ich hatte mir davon auch für drei Monate den Lohn bezahlt, das war mein Recht.» Dass er damit der Firma das finanzielle Genick brach, wollte er nicht gewusst haben, er ging von ‹stabilen› Verhältnissen aus.

Diese Firma geriet in Konkurs und wurde aufgelöst. Forderungen in der Höhe von gut 85'000 Franken stellte auch eine Bank an den 53-jährigen Mann. Der Beschuldigte sagt dazu: «Was soll ich sagen, das Auto und das Geld sind weg. Könnte ich 13 Jahre zurückdrehen, würde ich es sicher nicht mehr so machen. Heute würde ich nicht mehr einfach so vertrauen, sondern selber recherchieren und erst dann einem Geschäft zusagen.» Am Dienstag geht es mit den Plädoyers von Staatsanwältin und Verteidiger weiter.