Luzern
Nach schwerem Unfall warnt die SLRG: «Es ist lebensgefährlich, die Eisenbahnbrücke über die Reuss zu betreten»

Nach schwerem Unfall eines Brückenspringers: Stadt und SLRG wollen, dass die SBB prüfen, ob die Eisenbahnbrücke über die Reuss mit baulichen Massnahmen besser abgesichert werden könnte. Die SBB geben sich bedeckt.

Martin Messmer und Robino Rich
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Wie reagieren die SBB auf den schweren Unfall, der sich am Mittwochabend bei der Eisenbahnbrücke im Gebiet Reussmatt in der Stadt Luzern ereignet hatte? Dort wurde ein Mann (24), der illegalerweise auf die Brücke kletterte und von der Brücke in die Reuss springen wollte, von einem Zug erfasst und schwer verletzt.

Auf dieser Brücke ist ein 24-jähriger Mann schwer verunfallt.

Auf dieser Brücke ist ein 24-jähriger Mann schwer verunfallt.

Bild: Eveline Beerkircher (Luzern, 9. August 2022)

Fest steht: «Für die Brücke gilt ein generelles Betretungsverbot. Die Verantwortung für diese Brücke liegt bei den SBB», heisst es bei der Staatsanwaltschaft. Beim Verunfallten handelt es sich um einen Touristen aus Italien, der mit einem Kollegen unterwegs war.

Bahnpolizei patrouilliert bei Brücke

Ein Schild weist auf Lebensgefahr hin.

Ein Schild weist auf Lebensgefahr hin.

Bild: Robino Rich (Luzern, 8. August 2022)

Am Wochenende hat ein Anwohner Bahnpolizisten dort bei Kontrollgängen beobachtet. Offen ist, ob die SBB diese als Reaktion auf den Unfall angeordnet haben, um die Sicherheit zu erhöhen: Die SBB beantworteten konkrete Fragen nicht. Sie schreiben:

«Das Betreten von Bahnanlagen ist lebensgefährlich, streng verboten und ein Offizialdelikt.»

Angezeigt wurden auch jene Personen, die am Mittwoch auf der Brücke waren. Klettert man auf die Brücke, ist man nicht nur vom Zug bedroht, sondern auch von Stromschlag, sogar wenn man die Leitung gar nicht berührt, denn es besteht die Gefahr durch einen Lichtbogen. «Einmal stürzte ein Mann ab, nachdem es einen Funkenflug der Hochspannungsleitung gab», erinnert sich der Anwohner. Früher habe es auf dieser Brücke immer wieder Unfälle gegeben.

Ein Zug fährt über die Reussbrücke.

Ein Zug fährt über die Reussbrücke.

Bild: Robino Rich (Luzern, 8. August 2022)

Bei der Stadt hofft man nun, dass die SBB «prüfen, ob man die Brücke besser sichern könnte, wenn nötig mit baulichen Massnahmen», sagt Sicherheitsmanager Christian Wandeler. Das würde auch die Schweizerische Lebensrettungsgesellschaft (SLRG) Luzern gut finden: «Wir begrüssen alles, was die Wassersicherheit erhöht», so Sprecherin Monika Arnold. Sie appelliert auch an die Eigenverantwortung. Und auch sie sagt: «Es ist lebensgefährlich und verboten, die Eisenbahnbrücke zu betreten.»

Auch andere Brücken in der Stadt werden dazu genutzt, um von dort aus in die Reuss zu springen, etwa die St.-Karli-Brücke. «Die springen einfach runter, ohne das Risiko richtig einzuschätzen», sagt eine Passantin.

An den Pfeilern der St.-Karli-Brücke ist deutlich zu sehen, wie wenig Wasser die Reuss derzeit führt.

An den Pfeilern der St.-Karli-Brücke ist deutlich zu sehen, wie wenig Wasser die Reuss derzeit führt.

Bild: Robino Rich (Luzern, 8. August 2022)

Laut der SLRG-Sprecherin ist Brückenspringen per se gefährlich. «Wenn man von einer Brücke springen will, muss man zwingend wissen, wie tief das Wasser ist. Von blossem Auge kann man das nicht abschätzen; wenn etwa der Boden dunkel ist, so scheint das Wasser tiefer, als es ist.» Deswegen sagt sie:

Auch auf diesem Bild ist gut zu sehen, wie wenig Wasser die Reuss aktuell führt.

Auch auf diesem Bild ist gut zu sehen, wie wenig Wasser die Reuss aktuell führt.

«Kennt man die Wassertiefe nicht, darf man nicht springen.»

Gefährlich seien auch die Wirbel hinter den Pfeilern. Sie rät generell:

«Von Brücken sollte man nicht springen.»

Sicherheit beim Reussschwimmen

2020 hat sich die Stadt Luzern mit der Sicherheit beim Reussschwimmen befasst und Verhaltenstipps veröffentlicht.

Mögliche Gefahren:

  • Kritisch ist der Einstieg beim Naturmuseum. Besonders bei hohem Wasserstand ist die Schwimmstrecke mit den Brückenpassagen für Ungeübte nicht zu empfehlen.
  • Der Ausstieg beim Reusszopf kann nicht empfohlen werden. Der neue Ausstieg auf Höhe «alte Fähre» ist eine gute Alternative.
  • Nie alleine schwimmen. Auch der best trainierte Körper kann Schwäche oder Muskelkrämpfe erleiden. 

Die wichtigsten Reussregeln sind:

Gefahren im Gleisbereich

Das Thema der Gefahren im Gleisbereich ist fester Bestandteil der Präventionsarbeit der SBB. Die SBB setzen eigens für Präventionsmassnahmen einen «Schulzug» ein, welcher jedes Jahr in der ganzen Schweiz Halt macht und zu verschiedenen Themen wie Vandalismus und Gefahren informiert. Dieses Programm absolvieren jährlich Tausende Schüler. Eine entsprechende Kampagne gibt es auch vom Bundesamt für Verkehr (BAV).