Luzerner Konzerthaus
Umbau vollendet: Nun schmiegt sich ein moderner Anbau an die alte Schüür

Das Konzerthaus Schüür in Luzern feiert seinen 30. Geburtstag. Passend zum Jubiläum wurde am Donnerstag der neue Anbau eröffnet.

Kathrin Brunner Artho
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Das Konzerthaus wurde grossflächig saniert und erhielt einen neuen Anbau.

Das Konzerthaus wurde grossflächig saniert und erhielt einen neuen Anbau.

Bild: Jakob Ineichen (Luzerner, 20. Oktober 2022)

Das neue Kleid der Konzertdame ist schwarz und modern geschnitten. Wie ein Ring schmiegt sich der Anbau an die Schüür. Dieser wurde am Donnerstag feierlich eröffnet. Das passt, denn heuer feiert das Konzerthaus an der Luzerner Tribschenstrasse sein 30-jähriges Bestehen.

Schüür-Geschäftsführer Marco Liembd.

Schüür-Geschäftsführer Marco Liembd.

Bild: Jakob Ineichen (Luzerner, 20. Oktober 2022)

Besucht man ein Konzert, kann man nun an der Abendkasse draussen ein Ticket kaufen, anschliessend geht es durch den neuen Eingang zur ebenso neuen Garderobe. «Früher hatten wir nur Platz für 500 Jacken, und immer wenn man in den oberen Stock wollte, musste man zuerst durchs EG. Es war unglaublich eng und ein ständiges ‹Gewimmel›», sagt Geschäftsführer Marco Liembd, als er in der besagten Garderobe steht, die nun 700 Jacken aufbewahren kann.

Dämmung erlaubt Parallelbetrieb

Die Schüür bleibt im Erscheinungsbild unverändert, bei der Nord- und Ostfassade, wo sich der Haupteingang befindet, ist aber ein zweigeschossiger Neubau entstanden. Dieser vergrössert das Konzerthaus um Garderobe, ...

Die Garderobe wurde vergrössert.

Die Garderobe wurde vergrössert.

Bild: Jakob Ineichen (Luzern, 20. Oktober 2022)

... Backstagebereich ...

Jetzt müssen die Musikschaffende nicht mehr durch den Saal laufen, sondern können sich im neuen Backstagebereich aufhalten.

Jetzt müssen die Musikschaffende nicht mehr durch den Saal laufen, sondern können sich im neuen Backstagebereich aufhalten.

Bild: Jakob Ineichen (Luzerner, 20. Oktober 2022)

..., Büroräume und Aufenthaltsraum. Im oberen Geschoss befinden sich neu auch Toiletten. Dank der Dämmung und der getrennten Eingänge können in Zukunft zwei Veranstaltungen gleichzeitig stattfinden.

Ganz glücklich ist Marco Liembd über das neue Lager. Zuvor hatte die Schüür keinen Lagerraum und die Ware wurde einfach irgendwo verstaut, zum Teil auch unter der Bühne.

Das neue Lager «Lager 17» ist ein persönliches Highlight für Marco Liembd.

Das neue Lager «Lager 17» ist ein persönliches Highlight für Marco Liembd.

Bild: Jakob Ineichen (Luzerner, 20. Oktober 2022)

Zudem ist die Schüür jetzt auch Minergie-A-zertifiziert und trägt Solaranlagen auf dem Dach.

Auch wenn es im Neubau noch nach frischer Farbe riecht, ist der Charakter des ehemaligen Bauernhauses erhalten geblieben. Architekt Peter Frei sagt:

«Wir wollten, dass die Schüür auch eine Schüür bleibt, trotz moderner Sanierungsarbeiten. Es sollte allen vor und nach den Bauarbeiten klar sein: Das ist die Schüür.»

Er fügt an: «Ich finde, wir haben das gut gelöst, indem wir alles um die Schüür bauten und das Dach nicht anfassten.»

Während 445 Tagen wurde gebaut und saniert. Geschlossen hatte die Schüür nur während zweier Wochen im Dezember. Die Musikerinnen und Musiker traten sonst einfach im Garten auf...

Während der Bauarbeiten fanden viele Veranstaltungen draussen statt.

Während der Bauarbeiten fanden viele Veranstaltungen draussen statt.

Bild: Jakob Ineichen (Luzerner, 20. Oktober 2022)

... und für die Besuchenden wurden Eingänge um die Baustelle geschaffen.

Es kam zu Lieferengpässen und Mehrkosten

Den Betrieb trotz Bauarbeiten aufrechtzuerhalten, war nicht die einzige Herausforderung: Nach der Coronaphase kam es zu Lieferengpässen von Baumaterial. Bei der Solaranlage auf dem Dach ist der Wechselrichter noch nicht geliefert worden; dieser ist zentral dafür, dass die Anlage den Strom ins Netz einspeisen kann.

Für Sanierungen und Neubau hat das Stadtparlament 4,21 Millionen Franken bewilligt. Geworden sind es 4,885 Millionen. Harald Frei, Bauherrenvertreter der Stadt Luzern, erklärt das mit unvorhergesehenen Aufwänden:

«Die Kosten sind aufbauend. Zuerst wird die Projektierung berechnet und dann hat man während der Bauarbeiten festgestellt, dass der Vorplatz den Anforderungen nicht entspräche. Hinzu kam noch, dass die Feuerwehrzufahrt für ein Nachbarhaus gewährleistet werden musste.»

Trotz allem hätten die gesamten Arbeiten mit Planung und Durchführung «nur» zwei Jahre gedauert, was laut Frei sehr wenig ist.

Von den Kunstschaffenden habe sich niemand über die Baustelle beschwert. Ein Beispiel: «Als der Musiker und ehemalige Maurer Kunz zu Besuch war, wurde dieser von den Bauarbeitern gefeiert wie ein Held», sagt Liembd mit einem grossen Grinsen im Gesicht.

So war der Eröffnungsabend der umgebauten Schüür am 20. Oktober 2022:

Bitte recht freundlich: Beat Züsli, Stadtpräsident, und Manuela Jost, Stadträtin Luzern lächeln für unsere Kamera.
7 Bilder
Feierlicher Eröffnungsabend der umgebauten Schüür in Luzern.
 Christian Hochstrasser, Grossstadtrat Luzern, spricht auf der Bühne.
Marco Liembd, Geschäftsleiter Schüür (links) übergibt Christian Hochstrasser, Grossstadtrat Luzern, einen Pflasterstein.
Manuela Jost, Stadträtin Luzern, und Beat Züsli, Stadtpräsident, im Gespräch am Eröffnungsabend.
Daniela Imholz, Stv. Geschäftsleiterin Schüür, Judith Christen, Kultur und Sport Stadt Luzern, Marco Liembd, Geschäftsleiter Schüür, und Anja Kloth, Geschäftsführerin ewl Areal AG im Gespräch (v.l.n.r.)
Beat Züsli, Stadtpräsident Luzern, Marco Liembd, Geschäftsleiter Schüür, und Letizia Ineichen, PH Luzern (v.l.n.r.) auf der Bühne.

Bitte recht freundlich: Beat Züsli, Stadtpräsident, und Manuela Jost, Stadträtin Luzern lächeln für unsere Kamera.

Bild: Patrick Hürlimann, Luzern, 20. Oktober 2022

Einblick in die umgebaute Schüür:

Quelle: PilatusToday / David Migliazza

Hinweis
Am Sonntag, 23. Oktober, ist in der Schüür Tag der offenen Tür. Der Eintritt ist gratis und Türöffnung ist um 14 Uhr. Infos auf www.schuur.ch.

Die Geschichte der Schüür in Bildern:

Das «Bauernhaus um 1900» wurde später zum beliebten Konzerthaus.
22 Bilder
Die alte Styger-Scheune. Vermutlich eine Aufnahme aus den 1980er Jahren.
Die Schlüsselübergabe Mitte Oktober 1992 mit Schüür-Vereinspräsident Lorenzo Ciliberto (links) und dem damaligen Baudirektor der Stadt Luzern Werner Schnieper.
Das alte Mischpult der Schüür, von den Mitarbeitenden auch «Ufo» genannt.
Impression aus den ersten Tagen der Schüür.
Die Lokalpunker der Chicken Nuggets bei einem Konzert - ungefähr Ende der 90er Jahre.
Die Schweizer Postrock-Legende Franz Treichler von den Young Gods bei einem Gig in der Schüür.
Heinz Pal erinnert sich an das von ihm programmierte Eröffnungsweekend.
So sah es im Jahr 2000 vor dem Eingang der Schüür aus.
In der Schüür fanden auch immer viele Partys statt. Hier eine Aufnahme ebenfalls aus dem Jahr 2000.
Impression von einer Punk-Party im Februar 2006.
Ein früherer Schüür-Auftritt des Rappers Stress am 19. April 2007.
Das Konzerthaus Schüür von oben im Jahr 2007. Links das Gebäude mit dem «Spanier», dem Gastrolokal der spanischen Community in Luzern. Gleich dahinter das Lagergebäude der Stadtgärtnerei.
Auch sie drückten dem Haus zuweilen ihren Stempel auf: Die Failed Teachers mit Benji Gross (links) und Dominic Deville - heute Late-Night-Show-Moderator beim SRF.
Die Sedel-Jahreshitparade gehört zu den jährlichen Kult-Events in der Schüür.
Und sogar die Music Star Show war mal zu Gast in der Schüür.
Konzert von Minor Majority im Frühling 2010.
Thomas Gisler war lange Jahre Booker und dann auch Geschäftsführer und war hauptverantwortlich dafür, dass in dem Haus wieder viel mehr Konzerte stattfanden.
Marco Liembd, aktueller Schüür-Geschäftsleiter, im verschönerten und umgebauten Garten.
Vor rund anderhalb Jahren machte man sich an die Planung für den neuen Anbau, welcher nun fertiggestellt ist und nächste Woche vorgestellt wird.
Die Mundartband Hecht bei ihrem Gig im Mai 2022.
Ein jetzt schon legendärer und einer der letzten Auftritte von Endo Anaconda m it Stiller Has fand Anfang dieses Jahres in der Schüür statt.

Das «Bauernhaus um 1900» wurde später zum beliebten Konzerthaus.

Bild: Stadtarchiv ((Salu_F2a/Strassen/Tribschenstrasse 1:01)