Siegerprojekt
Ein Grossteil der Leserinnen und Leser ist vom neuen Luzerner Theater nicht überzeugt

Das Siegerprojekt für das neue Luzerner Theater integriert das bestehende Gebäude in den Neubau. Bei den Leserinnen und Lesern kommt das schlecht an.

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So sieht das Siegerprojekt «überall» in einer seitlichen Ansicht aus.

So sieht das Siegerprojekt «überall» in einer seitlichen Ansicht aus.

Visualisierung: Ilg Santer Architekten, Zürich

Das Architektenteam Ilg Santer aus Zürich hat die Jury mit seinem Vorschlag überzeugt – und es wirkt polarisierend, wie Reaktionen der Leserschaft verdeutlichen.

Mehr als 2500 Leserinnen und Leser haben an einer nicht repräsentativen Umfrage dieser Zeitung teilgenommen und das Siegerprojekt mit einer Schulnote bewertet. Für die grosse Mehrheit fällt der Wurf durch, rund ein Drittel der Abstimmenden vergab die Note 1, etwa eine von zehn Personen die Bestnote 6.

Auch in den Wortmeldungen macht sich allgemeiner Unmut breit: Das Siegerprojekt sei «schrecklich», «grauenhaft» – gar eine «Verschandelung» des Stadtbilds. Leser Andreas Gantenbein sieht etwa eine gewisse Ähnlichkeit zu Snoopys Hundehüttli, wie er unter dem Beitrag anmerkt. Stephanie Rey-Koller zieht Parallelen zu einem überdimensionierten Kartenhaus.

Unter den zahlreichen Kommentaren zum Beitrag auf Facebook befinden sich ebenfalls Vergleiche: «Die Verheiratung von alt und neu ist gescheitert», schreibt Leser Paul Lauber. Potenzial für eine Alternativnutzung sieht Leser Walter Gloor: «Immerhin könnte das mittlere Gebäude als Station für eine Seilbahn über die Reuss verwendet werden.»

Einzelne positive Stimmen stechen heraus

Doch die Leserschaft sieht auch positive Aspekte: Gleich mehrere Kommentierende freuen sich darüber, dass die «hässliche Theaterbaracke» neben der Jesuitenkirche verschwindet und meint damit den hölzernen Pavillon.

Für andere ist es «eine sehr positive Überraschung», dass der alte Theatersaal stehen bleiben darf. So lobt Peter Bucher das Siegerprojekt: «Der Vorschlag akzentuiert gekonnt das Stadtbild und zeichnet raffiniert die Linien des Landschaftsbildes nach, das der Pilatus im Hintergrund vorgibt.» Und Heinz Wild sagt: «Das Projekt berücksichtigt sehr gut Höhe und Abstand zur Jesuitenkirche, mir gefällt's.» Pragmatisch sieht es Anna Maria Capraro: «Moderne Architektur gehört zu einer modernen Stadt. Sobald über Architektur diskutiert wird, ist sie gut.»

Es bleibt noch Zeit, um sich ein eigenes Bild zu machen: Bis Ende Januar sind das Siegerprojekt sowie die elf weiteren Entwürfe, die es in die zweite Wettbewerbsrunde geschafft haben, in der Kornschütte im Luzerner Rathaus zu sehen. Im nächsten Sommer will der Stadtrat dem Parlament einen Projektierungskredit beantragen. Danach wird ein Bauprojekt ausgearbeitet. Bei einer Bauzeit von zwei Jahren wäre das neue Luzerner Theater 2028 bezugsbereit. (abt/rem)

Hinweis:

Weitere Infos zum Projekt finden Sie unter neuesluzernertheater.ch

6 Kommentare
Raphael Bieri

Um eine Beurteilung des Projektes zu machen, sollte man sich die Zeit nehmen und die Ausstellung der Projekte in der Kornschütte zu studieren. Alleine aus einem kleinen Bild in der Zeitung, kann man sich keine Meinung bilden. Höchst empfehlenswert !

Edith Murer

Der Stadtrat hat wohl auch die Vorgeschichte des KKL nicht mehr präsent. So musste nachdem bereits die Projekte des Ideenwettbewerbs buchstäblich ins Wasser fielen (darunter auch das Projekt von Jean Nouvel), nochmals von vorne begonnen werden, nachdem klar wurde, dass das alte Kunsthaus doch abgebrochen werden könnte. 🤔