Nachruf
Urfasnächtler Silvio Panizza wollte nie ein Original sein – und war längst eines

Am Montag ist der Luzerner Urfasnächtler und Rüüdig-Fasnachtsfüerer-Herausgeber Silvio «Jimmy» Panizza nach längerer Krankheit 80-jährig verstorben. Eine Würdigung.

Jérôme Martinu, Chefredaktor
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Silvio Panizza enthüllt das Frontbild seines «De Rüüdig Fasnachtsfüerer» 2019 zusammen mit dem Künstler Urs Krähenbühl im Lokal Moritzli der Zunft zum Dünkelweiher in Luzern.

Silvio Panizza enthüllt das Frontbild seines «De Rüüdig Fasnachtsfüerer» 2019 zusammen mit dem Künstler Urs Krähenbühl im Lokal Moritzli der Zunft zum Dünkelweiher in Luzern.

Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 18. Dezember 2018)

Er war kein lauter Fasnächtler. Kein Alleinunterhalter, kein Polonaisenanreisser. Aber man konnte ihn, den geniessenden Beobachter, auch nicht übersehen wenn es vor und an den rüüdigen Tagen in Luzern hoch herging. Sein legendärer roter «Tschoope» mit gelber Schärpe haben dazu beigetragen. Aber auch die Tatsache, dass mit ihm intensive, sympathische und interessante Gespräche geführt werden konnten. Natürlich über die Luzerner Fasnacht. Und über den FCL, seine zweite grosse Leidenschaft, die ihn oft zum Leserbriefschreiben provozierte.

Aber Silvio Panizza, auch «Jimmy» genannt nach einer Figur des legendären Cabarets Rotstift, konnte schon anders. Wenn es um das Vermitteln seiner Vorstellungen, Ideen und um sein scheinbar endloses Wissen um die fasnächtlichen Gebräuche in Vergangenheit und Gegenwart, sowie um Ideen für deren Zukunft ging. Dann stand er hin. Präsentierte. Repräsentierte. Verkaufte laut seinen legendären «Lozärner Fasnachtsfüerer», den er von 1973 bis 2020 herausgab. Mit dieser Passion verdiente er kaum je richtig Geld.

In den letzten Jahren war es ein Krampf geworden mit dem Büchlein. Auch für ihn, den so erfahrenen Werbeverkäufer. Den Tschäderi-Bumm-Musig-Mitbegründer, Safranzünftler und ex Gnagi-Zeremonienmeister. Die Gesundheit machte Panizza zunehmend zu schaffen. Am Montag ist er für immer eingeschlafen in einer Pflegeinstitution in Ebikon.

Da blieb ihm kurz das Wort im Hals stecken: Unsere Zeitung mit Chefredaktor Jérôme Martinu (rechts) ehrte Silvio Panizza anlässlich der Vorstellung des «Rüüdigen Fasnachtsfüerers» 2019 mit dem «Goldiger LZ-Orden für ein rüüdig-verrecktes Lebenswerk».

Da blieb ihm kurz das Wort im Hals stecken: Unsere Zeitung mit Chefredaktor Jérôme Martinu (rechts) ehrte Silvio Panizza anlässlich der Vorstellung des «Rüüdigen Fasnachtsfüerers» 2019 mit dem «Goldiger LZ-Orden für ein rüüdig-verrecktes Lebenswerk».

Bild Philipp Schmidli (Luzern, 18. Dezember 2018)

Silvio Panizza hatte ein Flair für farbige Texte und träfe Reden, also ganz explizit auch für die in Luzern nicht so verbreitete Wortfasnacht. Sie war ihm eine ebenso wichtige fasnächtliche Nebenbühne wie die künstlerische. Davon zeugte seine Rolle als Intendant oder «Oberehrenbock» der Künstlervereinigung zum Bockstall. Auch dort vergoss er über die Jahrzehnte nicht weniger Herzblut als für das Maskentreiben, Intrigieren, kakofonische Schränzen und das Zünftisch-Köfferlifasnächtliche. Wobei ihn, den Traditionalisten, Letzteres zuweilen nerven konnte. Erfuhr er dort doch nicht immer die Wertschätzung, die er gerne entgegengenommen hätte. Und verdient hatte. Gerade auch wegen seiner akribischen archivarisch-historischen Arbeit für die Fasnacht.

Dieses Vermächtnis wird bleiben. In Form der leider vergriffenen vier Bände «Faszination Lozärner Fasnacht», die er als Herausgeber und Mitautor verantwortete. Und mit all seinen Fasnachtsfüerern. Das Büchlein hat er just vor seinem 80. Geburtstag vom 3. Dezember 2021 den «Vereinigte»-Guuggenmusigen vermacht, auf dass sie es in geeigneter Form fortführten. Eine grosse Aufgabe in diesen digitalen Zeiten.

Silvio Panizza war mit seiner begeisterungsfähigen, liebevoll-kauzigen Art eine Bereicherung für die Lozärner Fasnacht. Er wird ihr fehlen. Er wollte nie ein Original sein, auch wenn er längst eines war – in einem ganz und gar positiven Sinn. Für Jimmy wird nun im Himmel die Guuggerhymne «Sempacher» gespielt.

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