Tourismus
Kriens will Gäste künftig länger bei sich behalten – und Akteure vernetzen

Die Krienser Tourismusförderung wird neu ausgerichtet: Statt auf telefonische Auskünfte und ein Büro setzt die Stadt auf Projekte, die einen Mehrwert bieten sollen. Eines ist bereits entstanden.

Stefan Dähler
Drucken
Blick vom Sonnenberg auf Kriens.

Blick vom Sonnenberg auf Kriens.

Bild: Patrick Hürlimann (15. August 2020)

Die Stadt Kriens will die Tourismusförderung neu ausrichten. Darum hat sie die alte Leistungsvereinbarung mit Kriens Tourismus per Ende Jahr gekündigt und nun eine neue abgeschlossen, wie die Stadt mitteilt. Vorgesehen sind eine Neuausrichtung der Aufgaben sowie die Schaffung «zukunftsgerichteter Strukturen». So werden telefonische Auskünfte zur Vermittlung von Unterkünften sowie das Tourismusbüro im Stadthaus nicht mehr angeboten. Stattdessen soll die Vernetzung verschiedener Tourismusakteure im Fokus stehen.

Das erste Projekt der Tourismusakteure ist, dass alle Hotels die digitale «Gästekarte Luzern» abgeben, sagt Ron Prêtre, Präsident von Kriens Tourismus. Mit dieser können Hotelgäste den ÖV in der Zone 10 gratis nutzen, weiter enthält sie zahlreiche Vergünstigungen für Angebote in der ganzen Region wie Museen oder Bergbahnen.

Unterschiede zwischen Hotels führten zu Verwirrung

Die «Gästekarte Luzern» kommt von Luzern Tourismus. «Einige Krienser Hotels hatten diese bereits im Angebot, aber nicht alle. Das hat immer wieder zu Rückmeldungen von Gästen geführt, denn ihnen ist die Grenze zwischen Kriens und Luzern nicht bekannt», sagt Prêtre.

Bisher mussten die Hotels einen Teil der Kosten für die Gästekarte selbst übernehmen. Neu werden diese vollständig via Kurtaxenfonds finanziert. Aus diesem sollen künftig weitere Projekte der Tourismusakteure (zum Beispiel Hotels, Anbieter von sonstigen Übernachtungsmöglichkeiten, touristisch ausgerichtete Dienstleistungsunternehmen) alimentiert werden.

Was für Projekte das sein könnten, ist noch offen, sagt Prêtre. Man stehe erst am Anfang. Kriens Tourismus soll dabei die Rolle des zentralen Ansprechpartners einnehmen, der sich um die Bündelung der Interessen kümmert oder auch mal den Lead bei der Umsetzung eines Projekts übernimmt. «Das Ziel ist, einen Mehrwert für Touristen zu schaffen, um die Aufenthalte zu verlängern oder damit die Leute später nochmals zurückkommen.» 2021 seien die Gäste im Schnitt 1,7 Nächte in Kriens geblieben, was vergleichbar sei mit Luzern (1,8).

Stadt entscheidet über Mittel für Projekte

Die Vergabe der Fondsbeiträge ist Aufgabe der Stadt Kriens. «Kriterien für Projekte sind, dass ein Ortsbezug zu Kriens besteht, sie innovativ sind und zugleich aber auch eine grosse Ausstrahlung über die Stadtgrenzen hinweg vorhanden ist», sagt Stadtpräsidentin Christine Kaufmann (Mitte). Mögliche Beispiele könnten etwa Vergünstigungen für die Sonnenbergbahn, das Museum im Bellpark, die Badi oder Kombiangebote im Zusammenhang mit einem Anlass wie dem B-Sides-Festival sein. «Die Ideen sollen dabei von den Tourismusfachleuten kommen, die das nötige Wissen haben», sagt Kaufmann.

Bei der Beurteilung der Projekte werde Kriens Tourismus miteinbezogen, den finalen Entscheid fällt der Stadtrat. Im Fonds dürften schätzungsweise 100’000 Franken pro Jahr zur Verfügung stehen. Dieser stehe auch für Projektideen Dritter offen. Dafür seien dem Stadtrat Projektbeschriebe zu unterbreiten.

So viele Logiernächte wie noch nie

Noch zu den telefonischen Auskünften und dem Tourismusbüro: Diese Angebote seien zuletzt praktisch nur noch von Leuten genutzt worden, die auf den Pilatus wollten. «Übernachtungen werden praktisch keine mehr per Telefon gebucht», sagt Ron Prêtre. Künftig sei Luzern Tourismus die Anlaufstelle für solche Anfragen. «Via kantonale Beherbergungsabgabe sind wir ja auch an der Finanzierung von Luzern Tourismus beteiligt.» Wer in Kriens übernachtet, bezahlt für Kurtaxen und Beherbergungsabgaben total 2.50 Franken.

Generell befindet sich der Krienser Tourismus im Aufschwung, insbesondere seit der Eröffnung des Hotels Holiday Inn im Mattenhof 2019. «Wir werden dieses Jahr über 100’000 Logiernächte haben, was ein neuer Rekord sein wird», sagt Prêtre. Damit liegt Kriens gemäss Zahlen des Bundesamts für Statistik hinter Luzern, Weggis und Oberkirch an vierter Stelle im Kanton. «Das Gästesegment ist sehr breit und vergleichbar mit jenem in Luzern. Wir haben Gruppen und Individualreisende aus der ganzen Welt.»

Das Hotel Holiday Inn im Mattenhof.

Das Hotel Holiday Inn im Mattenhof.

Bild: Boris Bürgisser (Kriens, 8. Mai 2019)