Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Interview

Starker Auftritt: Schwyzer Kung-Fu-Meister schlägt im Sekundentakt zu

Guido Kessler (52) hat im November einen Weltrekord aufgestellt: Der Kampfsportler aus Galgenen schlug 102 Gasbetonplatten mit der Faust in zwei Teile. Wenn er gerade nicht Baumaterial zertrümmert, unterrichtet er Kung-Fu oder spielt in Actionfilmen mit.
Roger Rüegger
Guido Kessler zerbricht eine Gasbetonplatte in seinem Dojo. (Bild: Jakob Ineichen, Galgenen, 4. Dezember 2018)

Guido Kessler zerbricht eine Gasbetonplatte in seinem Dojo. (Bild: Jakob Ineichen, Galgenen, 4. Dezember 2018)

Guido Kessler, Sie haben wenige Tage vor unserem Treffen mehr als 100 Platten mit der Faust zerschlagen. Lassen wir den Händedruck zur Begrüssung sein?

Nein warum? Es geht mir gut.

Schmerzt Ihre Hand nicht?

Natürlich spüre ich sie noch. Aber ich bin Kampfsportler. Die Hand war beim Einsatz einbandagiert und ich habe sie im Vorbereitungstraining abgehärtet.

Neuland betraten Sie damit nicht. Bereits 2010 schlugen Sie 328 Gasbetonplatten in 54 Sekunden entzwei. Sind 102 Platten in 30 Sekunden wirklich eine Steigerung?

Wenn man es herunter rechnet auf alle Fälle. Ich zerschlug die 102 Platten an der Fitness Expo in Basel mit einer Faust. Bei den 328 wendete ich eine Technik mit zwei Fäusten an.

Die Frage dabei ist: Wieso machen Sie so etwas?

Die Idee ist im Kung-Fu-Training entstanden. Ich wusste, dass ich sehr schnell bin. Früher machte ich Shows mit dem Nunchaku, zwei mit einer Kette verbundenen Hölzern. Meine Vision war, mit Geschwindigkeit, Technik und blossen Händen etwas Aussergewöhnliches zu präsentieren.

Wie trainierten Sie auf dieses Vorhaben hin und wie kann man seine Hände abhärten?

Kurz gesagt mit Liegestützen auf den Knöcheln, dem Training der Handgelenke und der Schlagtechnik. Die Vorbereitungszeit dauerte drei Monate.

Wie wichtig ist mentale Stärke?

Im Training zerschlug ich nie annähernd die Anzahl Platten des Rekords. Aber eine innere Stimme sagte mir, dass ich es schaffe. Man muss überzeugt sein, sonst funktioniert so etwas nicht.

Eine ketzerische Frage: Ihre Aktion spricht nicht für die Qualität des Materials. Hat sich der Hersteller nicht bei Ihnen gemeldet?

Bis jetzt nicht. Man kann sich tatsächlich fragen, ob mein Rekord gute Werbung ist. Wobei es sich ja nicht um Betonplatten handelte, sondern um Gasbeton.

Das Unternehmen könnte Sie dafür bezahlen, keine Platten mehr zu zerschlagen!

Das wäre eine gute Idee.

Sie haben bei der Aktion eine halbe Minute richtig Gas gegeben. Sie sind topfit. Was war die Herausforderung?

Die Platten zu brechen ist nicht das Ding. Die Herausforderung war die Geschwindigkeit zu halten. Speed kombiniert mit Härte und Lockerheit macht’s aus.

Kann ein Nicht-Kampfsportler so etwas auch?

Davon rate ich ab. Wer das unvorbereitet und ohne Technik versucht, geht ein hohes Risiko ein, sich zu verletzen.

Nur vom Brechen der Platten kann man ja nicht leben. Oder arbeiten Sie auf dem Bau?

Früher habe ich im Strassenbau und im Gartenbau gejobbt. Mein Ziel war aber immer, mit Kampfsport meinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Das habe ich erreicht. Ich unterrichte in meinem Dojo Kung-Fu. Zudem bin ich oft in Thailand, wo meine Freundin lebt. Dort habe ich Mandate als Trainer und Choreograf. Unter anderen bildete ich auch Stuntmen für Filmszenen aus.

Film ist ein gutes Stichwort. Lassen Sie mich raten. Sie sind 52. Es kommt zeitlich hin, dass Sie als Jugendlicher Bruce-Lee-Filme im Kino gesehen haben und durch ihn Kung-Fu kennen lernten?

Ja natürlich. Als Kind trainierte ich fünf Jahre Judo. Aber Bruce Lee und seine Kampfkunst faszinierten mich vom ersten Moment an. Ich lernte bei Roland Krauer, einem der ersten, der Kung-Fu in der Schweiz unterrichtete.

Im Kung-Fu setzt Guido Kessler auch Beintechnik ein. (Bild: Jakob Ineichen, Galgenen, 4. Dezember 2018)

Im Kung-Fu setzt Guido Kessler auch Beintechnik ein. (Bild: Jakob Ineichen, Galgenen, 4. Dezember 2018)

Den Weltrekord stellten Sie an einer Messe vor Publikum auf. Sie stehen gerne im Rampenlicht. Mit dem Nunchaku treten Sie auch bei Anlässen auf und bei der Fernsehshow «Wetten Dass» waren Sie mehrmals Wettkandidat. Und Sie drehten Action-Filme, wie Ihr Jugendidol Bruce Lee.

Ja, auf der Bühne stehe ich gerne. Ich hatte einige Rollen in asiatischen Filmen. Diese werden aber vorwiegend in asiatischen Ländern gezeigt.

Sie haben gewisse Ähnlichkeit mit James-Bond-Darsteller Daniel Craig. Treten Sie auch als sein Doppelgänger auf?

Nicht direkt. Jedoch hatte ich ihn in einem Kinowerbespot für das Casino Baden gespielt. Doch ich vergleiche mich weder mit Daniel Craig noch mit Bruce Lee. Das würde ich mir nie anmassen.

Warum nicht? Sie sind ein erfolgreicher Kampfsportler.

Mit 52 Jahren hat man sich selber gefunden. Als 19-Jähriger setzte ich mir in den Kopf, Kung-Fu zu lernen und zu meiner Beruf zu machen. Das ist mir gelungen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.