Statistik
Zentralschweiz ist die beliebteste Wanderregion des Landes

17,4 Prozent aller Eintageswanderungen finden in der Zentralschweiz statt, wie die Studie «Wandern in der Schweiz 2020» zeigt. Und: Niemand wandert häufiger als die Zentralschweizer. Der Verein Wanderwege Luzern stellt vor allem einen Boom bei den Jungen fest.

Alexander von Däniken
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Wanderer am Tannensee im Kanton Obwalden.

Wanderer am Tannensee im Kanton Obwalden.

Bild: Schweizer Wanderwege

Berge, Seen, Felder, Hügel: Sie ziehen die Schweizer magisch an. Pro Jahr wird hierzulande 200 Millionen Stunden gewandert, wie eine Statistik zeigt, die das Bundesamt für Strassen (Astra) am Dienstag veröffentlicht hat. 57 Prozent der Bevölkerung im Alter ab 15 Jahren zählen Wandern zu ihren Hobbys. Im Schnitt unternehmen sie jedes Jahr 15 Wanderungen, die jeweils drei Stunden dauern.

Was die Zahlen ebenfalls zeigen: 17,4 Prozent aller Eintageswanderungen finden in der Zentralschweiz statt. Das ist nationale Spitze. Es folgen die Ostschweiz mit 14,4 Prozent und die Waadt mit 8,7 Prozent. Warum die Zentralschweiz so beliebt ist, können weder der Verband Schweizer Wanderwege noch die Studienautoren genau erklären. «Es dürfte ein Mix zwischen schöner Landschaft, guter Infrastruktur und guter Erreichbarkeit sein», vermutet Markus Lamprecht vom Sozialforschungsinstitut Lamprecht und Stamm, der die Studie betreut hat.

Wandern wird immer beliebter

Dass die zentrale Lage allein nicht entscheidend ist, zeigt ein Blick in Statistik der Wanderungen mit Übernachtung. Hier schneidet die Zentralschweiz mit einem Anteil von 15,1 Prozent in den Top 3 ab. Nur das Wallis mit 23,5 Prozent und das Berner Oberland mit 19,2 Prozent sind beliebter. Apropos Beliebtheit: 66 Prozent der Zentralschweizerinnen und Zentralschweizer ab 15 Jahren schnüren sich regelmässig die Wanderschuhe. Nirgends in der Schweiz ist dieser Wert höher.

Für Esther Fuhrer vom Verein Luzerner Wanderwege sind die Topwerte keine Überraschung: «Die Erreichbarkeit ist ein Faktor. Die unzähligen Möglichkeiten mit Seen, Hügellandschaften und Bergen ein weiterer. Was unsere Region aus meiner Sicht aber wirklich auszeichnet, ist die Infrastruktur: Viele Berge verfügen über Seilbahnen und eröffnen damit den Wanderern unzählige Möglichkeiten.»

Dass Wandern immer beliebter wird, stellt Esther Fuhrer doppelt fest: Einerseits wohne sie in Kriens und beobachte regelmässig, wie viele Wanderer mit der Seilbahn fahren. Andererseits stelle der Verein Wanderbotschafter, die regelmässig an bestimmten Stellen präsent sind und für eine Mitgliedschaft werben: Hier registrieren wir zwischen 100 und 300 Neumitglieder pro Jahr.

«Vor allem viele junge Erwachsene schliessen sich uns an – obwohl sie vorher meistens nicht gewusst haben, dass es den Verein gibt.»

Mitglieder profitieren ab 25 Franken pro Jahr von zahlreichen Vergünstigungen und der kostenlosen Teilnahme an geführten Wanderungen.

Unabhängig von einer Mitgliedschaft oder der Region: Gewandert wird laut der Studie hauptsächlich der Gesundheit zuliebe. An zweiter Stelle folgt das Bedürfnis, draussen in der Natur zu sein. Der Wunsch, fit zu bleiben, komplettiert die Top 3. Offizielle Wanderwege müssen per Gesetz gratis begehbar sein. Und doch lassen sich Schweizerinnen und Schweizer sowie ausländische Gäste das Wandern gerne etwas kosten: An einem Wandertag geben sie im Schnitt rund 60 Franken für Transport, Verpflegung und Übernachtung aus. So entsteht ein jährlicher Umsatz von geschätzt 3,6 Milliarden Franken.