STEUERSYSTEME: «Die Strategie funktioniert dank Ausländern»

Mit Obwalden und Uri hat die Zentralschweiz zwei neue Steuerparadiese. Daniel Käslin zur Zukunft der Zentralschweizer Steuerpolitik.

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Daniel Käslin. (Bild Corinne Glanzmann/Neue NZ)

Daniel Käslin. (Bild Corinne Glanzmann/Neue NZ)

Der Kanton Uri senkt per 2009 seine Steuern massiv. Und trotzdem budgetiert die Regierung für nächstes Jahr einen Millionenüberschuss. Wie kann das aufgehen?
Daniel Käslin*: Wahrscheinlich budgetieren sie bereits mit dem Zuzug von vermögenden Personen. Zudem muss man sehen: Die Einkommen unter 50 000 Franken tragen nicht sehr viel zum Steueraufkommen bei. Und die Vermögenssteuern betreffen nur eine Minderheit der Bevölkerung. Wenn man also den Prozentsatz für die Flat Rate geschickt festlegt, sind die Ausfälle gar nicht so gross.

Ist die Flat Rate, der Einheitssteuersatz, das Modell der Zukunft?
Käslin: Durchaus. Die Vereinfachung des Steuersystems schafft Transparenz, das nicht zuletzt auch Ausländer schätzen, die hierherziehen. Denn Transparenz schafft Vertrauen.

Stichwort Ausländer: Kommen sie wirklich in Scharen in die Zentralschweizer Steuerparadiese, wie das von den Regierungen als Argument für Steuersenkungen immer behauptet wird?
Käslin: Tatsächlich funktioniert die Strategie heute nur noch dank den Ausländern, vor allem Deutsche, die neu hierherziehen. Dass sich die Kantone gegenseitig Steuerzahler abwerben, ist vorbei. Dazu sind die Unterschiede in der Zentralschweiz inzwischen zu klein.

Und dennoch: Irgendwann kann man die Steuern wohl nicht mehr weiter senken?
Käslin: Ja, die günstigsten Kantone können irgendwann nicht mehr weiter runter. Sonst besteht die Gefahr, dass die Kosten plötzlich anderswo erhöht werden, beispielsweise beim Strompreis oder den Abwassergebühren. Da sollte man die Entwicklung sehr genau im Auge behalten. 

Interview Robert Knobel

*Daniel Käslin ist ehemaliger Vorsteher der Nidwaldner Steuerverwaltung. Heute ist er Partner beim Beratungsunternehmen Balmer Etienne.

Das ausführliche Interview lesen Sie am Mittwoch in der Neuen Luzerner Zeitung und ihren Regionalausgaben.