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STRAFGERICHT: Fehler kosten Kanton Schwyz 170'000 Franken

Wegen Freiheitsberaubung, Raub und Entführung mussten sich vier Männer vor dem Strafgericht verantworten. Dieses spricht allerdings zwei Männer wegen Verfahrensfehlern frei. Das kommt den Kanton Schwyz teuer zu stehen.
Andreas Seeholzer
Das Schwyzer Strafgericht blieb unter dem geforderten Strafmass der Staatsanwaltschaft. (Symbolbild)

Das Schwyzer Strafgericht blieb unter dem geforderten Strafmass der Staatsanwaltschaft. (Symbolbild)

Andreas Seeholzer

zentralschweiz@luzernerzeitung.ch

Zwei von vier Angeklagten sind vom Strafgericht freigesprochen worden. Die Kosten von über 170000 Franken gehen zu Lasten der Staatskasse. Den vier Beschuldigten wurde im Januar vor Strafgericht vorgeworfen, am 1. April 2012 eine qualifizierte Freiheitsberaubung und Entführung sowie einen Raub in einem Ausserschwyzer Klub durchgeführt zu haben. Opfer waren zwei Afrikaner, die unter einem fadenscheinigen Argument eines Autokaufs aus der Westschweiz in den Klub gelockt wurden. Der Staatsanwalt forderte Freiheitsstrafen von sechs bis sechseinhalb Jahren für die vier Beschuldigten.

Nun hat das Gericht zwei der vier Angeklagten freigesprochen. In einer Mitteilung zum Urteil schreibt das Strafgericht, dass für den einen Freigesprochenen die Kosten des Verfahrens von rund 50'000 Franken und diejenigen für die amtliche Verteidigung in der Höhe von knapp 25'000 Franken zu Lasten der Staatskasse gehen. Dem einen freigesprochenen Beschuldigten wird für die ungerechtfertigte Haft von 486 Tagen eine Genugtuung im Betrag von 48'600 Franken zugesprochen.

Die Kosten des Verfahrens für den zweiten Freigesprochenen von rund 26'000 Franken werden ebenfalls auf die Staatskasse genommen. Der Beschuldigte wird überdies für seine Aufwendungen im Strafverfahren mit 21970 Franken und für die ungerechtfertigte Haft mit einer Genugtuung von 200 Franken entschädigt. Zusammen kosten die beiden Freisprüche die Staatskasse also über 170'000 Franken.

Beschuldigte konnten nie an Befragung teilnehmen

In der Kurzbegründung zum Urteil heisst es, dass den beiden Beschuldigten im Vorverfahren nie die Gelegenheit eingeräumt wurde, an einer Befragung der beiden Opfer sowie einer wichtigen Zeugin teilzunehmen und Fragen zu stellen. Dies könne durch das Gericht zwar grundsätzlich nachgeholt werden, indessen sei aber der Aufenthalt eines der Opfer nach mehr als fünf Jahren seit dem angeklagten Vorfall unbekannt. Das zweite Opfer konnte nicht befragt werden, nachdem es nach zweimaligem unentschuldigtem Fernbleiben der Hauptverhandlung auch nicht durch die Polizei aufgegriffen werden konnte. Die Zeugin wurde anlässlich der Hauptverhandlung zwar erneut befragt, konnte sich indessen nach mehr als fünf Jahren nicht mehr an die wesentlichen Punkte erinnern.

Der dritte und der vierte Beschuldigte wurden der Freiheitsberaubung und Entführung unter erschwerenden Umständen sowie des Raubes schuldig gesprochen und mit einer unbedingten Freiheitsstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten bestraft. Sie müssen auch für sämtliche Kosten aufkommen. Im Gegensatz zu den freigesprochenen Beschuldigten konnten sie an sämtlichen Beweiserhebungen teilnehmen.

Das Urteil des Schwyzer Strafgerichts ist noch nicht rechtskräftig.

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