STRAFGERICHT: «Postcard auf dem Totenbett geschenkt»

Die zwei lebten 30 Jahre lang wie ein Ehepaar zusammen: Lädeli-Besitzerin Emma und der Ingenieur Franz (Namen geändert). Dann aber starben 2005 beide kurz hintereinander. Doch auf deren Postkonto wurde munter weiter abgehoben.

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28-mal zog ein zunächst Unbekannter je etwa 1000 Franken aus den Automatenschlitzen, manchmal zweimal am gleichen Tag. Insgesamt wurden 27'100 Franken aus Postomaten in Siebnen, Rüti, Hombrechtikon und Pfäffikon geholt. Bis nach 16 Tagen das Postomat-Konto leer war.

Bruder des Verstorbenen
Schwyzer Behörden, welche den Nachlass des verstorbenen Paars regeln wollten, fiel dies auf. Es kam zur Strafanzeige, die Person mit der Postomat-Karte wurde ausfindig gemacht: ein Bruder des verstorbenen Franz, der in Millionenhöhe verschuldete 62 Jahre alte Werbeberater Sepp (Name geändert). Er stand am Donnerstag als Angeklagter vor dem Schwyzer Strafgericht.

Sepp forderte einen Freispruch. Er sagte: «Mein Bruder hat mir die Karte auf dem Totenbett geschenkt. Ich wollte mit der Karte nichts Unrechtes machen.» Vielmehr habe er Geld gebraucht, um die Beerdigungskosten für seinen toten Bruder zu zahlen. Er habe nicht gewusst, dass ihm da sein Bruder möglicherweise «ein Geschenk mit Tücken» gemacht habe und sah sich zu Unrecht vor die Richter zitiert.

Das Strafgericht folgte schliesslich den Argumenten der Verteidigung und sprach Sepp frei.

Bert Schnüriger

Den ausführlichen Artikel lesen Sie am Freitag in der Neuen Luzerner Zeitung.