STUDEN: Bei Eiseskälte laufen die Schlittenhunde so richtig heiss

110 Gespanne starteten am internationalen Schlittenhunderennen. Sturmböen hielten das OK auf Trab.

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Spektakel in Studen: Bei besten Bedingungen fahren die Gespanne um den Sieg. (Bild: Boris Bürgisser  / Neue LZ)

Spektakel in Studen: Bei besten Bedingungen fahren die Gespanne um den Sieg. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)

asc. Minus 10 Grad zeigt das Thermometer am Samstagmorgen in Studen, der Schnee knirscht unter den Schuhsohlen. Das Heulen der vielen Schlittenhunde ist schon von weitem zu hören. Bei Schnee, Kälte und frostigen Temperaturen sind die Vierbeiner in ihrem Element. Das Fell der Tiere ist mit einer dichten Unterwolle ausgestattet, sodass sie Temperaturen von bis zu Minus 50 Grad ertragen können. Nebst den Huskys ist aber auch Studen am Ende des Sihlsees für den zweitägigen Anlass bereit. Einmal im Jahr verwandelt sich das Dorf zu einem besonderen Wettkampfplatz und Begegnungsort. Zum 32. Mal findet an diesem Wochenende das Internationale Schlittenhunderennen statt. 110 Gespanne werden erwartet, die Teilnehmer reisen aus der ganzen Schweiz, aus Deutschland, Italien, Frankreich, sogar aus Holland an.

Optimale Bedingungen

Die Sonne schickt ihre ersten, wärmenden Strahlen nach Studen, als OK-Präsident Gabriel Fässler freudig berichtet: «Heute sind die Verhältnisse ideal. Ich bin zuversichtlich, dass wir ein tolles Rennen erleben.» Zum 17. Mal ist der 59-Jährige für die Organisation zuständig. Trotz seiner langjährigen Erfahrung taucht aber jedes Jahr wieder Lampenfieber auf. «Ich schlafe in der Woche vor dem Anlass unruhig. Am Freitagabend frage ich mich manchmal, für wen ich diesen Aufwand eigentlich betreibe. Spätestens am Sonntagabend habe ich diese Gedanken aber wieder vergessen.»

Sturm fegt Verpflegungszelt weg

Heuer aber benötigten Gabriel Fässler und sein Team besonders starke Nerven. Sturmböen fegten in der Nacht auf Freitag über das Dorf hinweg und sorgten für Anspannung. «Ich bin in der Nacht aufgewacht, weil ich den Sturm hörte. Mir war klar, dass etwas passiert sein musste.» Fässler sah sich das Ausmass noch in der gleichen Nacht an: «Das Spannset des Zelts war gerissen. Es lag kreuz und quer auf dem Schnee verteilt. Wir mussten wieder zurück in die Häuser, damit niemand verletzt wurde», erzählt er. Den Verantwortlichen blieb nichts anderes übrig, als abzuwarten. Am Morgen dann die Gewissheit: Der grösste Teils des Zelts war zerstört. Vier Männer waren stundenlang mit Aufräumen beschäftigt. «Wir haben gerettet, was es noch zu retten gab», so der OK-Präsident. Nur ein kleiner Teil des Zelts konnte für den Ausschank von Getränken gestern noch eingesetzt werden. «Das bedeutet, dass wir unseren Gästen keinen Ort zum Aufwärmen anbieten können.» Bei sonnigem Wetter sei dies kein Problem, schwieriger werde es allerdings, falls es heute Sonntag, wo weitere Rennen stattfinden, schneien sollte. «Wir machen also eine Open-Air-Veranstaltung», hält Fässler fest.

Vom nächtlichen Sturm haben die Huskys und Musher, wie die Hundeschlittenfahrer genannt werden, nichts mitbekommen. Sie sind erst am Freitagabend eingetroffen. Musherin Sandra Kliem aus Esslingen und ihre Schlittenhunde bereiten sich auf den Start vor. Aus dem Vollen schöpfen kann das Gespann dieses Mal aber nicht: «Mein Leithund Tatanka ist kürzlich an einem Tumor gestorben. Durch seinen Tod ist alles anders», sagt die 40-Jährige. Nicht nur sie, sondern auch ihre Alaskan Mala­mutes würden Zeit brauchen, um den Verlust zu verarbeiten. «Sie rennen nicht mehr so schön. Auch mein Partner und ich sind im Augenblick weniger motiviert», verrät sie. «Die Hunde sind für uns wie Familienmitglieder. Die Arbeit mit ihnen ist für uns kein Hobby, sondern eine Lebensaufgabe.»