STUDIE: Frühenglisch führt zu besserem Französisch

Primarschulkinder werden gemäss einer Studie mit dem Erlernen von zwei Fremdsprachen keineswegs überfordert. Das hat eine Studie mit Zentralschweizer Schülern ergeben.

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Szene vom Frühenglisch-Unterricht in Luthern. (Archivbild Fabienne Arnet/Neue LZ)

Szene vom Frühenglisch-Unterricht in Luthern. (Archivbild Fabienne Arnet/Neue LZ)

Für die Pionierstudie hat ein Forschungsteam von 2005 bis 2008 in den Kantonen Obwalden, Zug und Schwyz insgesamt 30 Primarschulklassen untersucht, die neu ab dem dritten Schuljahr Englisch lernten und ab der fünften Schulklasse Französisch. Als Kontrollgruppe dienten 20 Luzerner Schulklassen, die noch dem alten Modell folgten.

Kein Plädoyer für Frühenglisch
Die Resultate zeigten, dass Primarschulkinder mit zwei Fremdsprachen nicht überfordert sind. Sie profitierten im Gegenteil beim Erlernen der zweiten Fremdsprache von der ersten. Wer zuvor Englisch gelernt habe, habe besser Französisch gelernt, schreibt der Nationalfonds. Auch mehrsprachig aufwachsende Kinder seien beim Französischlernen im Vorteil. Aus diesem Ergebnis lasse sich aber kein Plädoyer für das Frühenglisch ableiten, schreiben die Forscher. Die umgekehrte Sprachenfolge, also Französisch vor Englisch könnte zu ähnlich positiven Effekten führen, heisst es.

Die Ergebnisse hätten gezeigt, dass bereits vorhandene Sprachkenntnisse im Fremdsprachenunterricht nützlich seien. Ein gutes Leseverständnis in Deutsch helfe sowohl beim Englisch- als auch beim Französischlernen. Kinder, die zu Hause mehr als eine Sprache sprächen, und zwar auch andere als Französisch oder Englisch, profitierten vor allem im Französisch-Hören von ihren zusätzlichen Vorkenntnissen. Die Forschenden schliessen daraus, dass neben Deutsch und Englisch auch Migrationssprachen wie Albanisch, Portugiesisch, Serbisch oder Kroatisch für das Erlernen von Französisch eine wichtige Ressource darstellten.

Kein Einfluss auf Motivation
Der Englischunterricht habe auch keinen negativen Einfluss auf die Motivation der Kinder gehabt, Französisch zu lernen, allerdings auch keinen positiven. Die Motivation hänge von anderen Faktoren ab. Je besser die Lernenenden ihre Französischkompetenz einschätzten, desto motivierter seien sie im Unterricht.

Eine grosse Mehrheit der Schülerinnen und Schüler habe Freude am Fremdsprachenunterricht, allerdings mehr am Englischen als am Französischen. Manche Kinder fühlten sich aber auch über- oder unterfordert. Die Anzahl der Überforderten sei in beiden Sprachfächern gleich: Rund jedes vierte Kind fühle sich oft gestresst und habe Angst vor Fehlern.

Individualisierung wichtig
Das Forschungsteam empfiehlt auf Grund der Studie, die sprachlichen Vorkenntnisse der Kinder beim Lernen weiterer Sprachen in der Schule stärker zu berücksichtigen und Synergien zwischen den verschieden Sprachfächern besser zu nutzen. Zudem sollte der in einer Schulklasse vorhandenen Leistungsvielfalt, die bereits vor der Schulreform bestand, mehr Beachtung geschenkt werden um Über- und Unterforderung entgegenzuwirken. Hilfreich seien da Unterrichtsmethoden oder Individualisierung und Differenzierung. Eine Zusatzstudie untersucht gegenwärtig, ob die Bildungsziele in den Fremdsprachen am Ende der Primarschulzeit erreicht werden und ob das Lernen von zwei Fremdsprachen einen Einfluss auf die Deutschkompetenz der Kinder hat.

ap