Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

STUDIE: Pharma boomt in der Zentralschweiz

Nirgends ist die Pharmaindustrie in den letzten zehn Jahren so stark gewachsen wie in Zürich, Zug und Luzern, wie eine neue Untersuchung zeigt. Ein Ende ist nicht abzusehen – dies hat jedoch auch Kehrseiten.
Eva Novak
Die Pharmabranche in der Zentralschweiz ist auf der Überholspur. Die Aufnahme zeigt den Sitz der Roche Diagnostics in Rotkreuz. (Bild: Alexandra Wey/Keystone (17. Juni 2016))

Die Pharmabranche in der Zentralschweiz ist auf der Überholspur. Die Aufnahme zeigt den Sitz der Roche Diagnostics in Rotkreuz. (Bild: Alexandra Wey/Keystone (17. Juni 2016))

Eva Novak

Wer von der Pharmaindustrie in der Schweiz spricht, denkt in erster Linie an Basel. Es trifft auch zu, dass nach wie vor die grössten dieser Konzerne am Rheinknie angesiedelt sind. Das grösste Wachstum aber weist die Branche im letzten Jahrzehnt in der Region Zürich-Zug-Luzern aus. Zu diesem Schluss kommt eine noch unveröffentlichte Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts BAK Economics im Auftrag von Interpharma, dem Verband der forschenden pharmazeutischen Firmen der Schweiz.

Untersucht wurde der Zeitraum zwischen 2006 und 2016. In dieser Periode ist die reale Wertschöpfung, also der teuerungsbereinigte Wert der produzierten Güter abzüglich der be­zogenen Vorleistungen, in der Pharmaindustrie schweizweit um durchschnittlich 7,2 Prozent im Jahr gewachsen. In Zürich, Zug und Luzern jedoch legte dieser Wert um stolze 12,6 Prozent pro Jahr zu. Keine andere Region hat eine vergleichbare Steigerung der Wertschöpfung aufzuweisen. In Basel zum Beispiel waren es durchschnittlich 7,3 Prozent.

Biotechnologie statt chemische Produktion

Dabei müsse allerdings der Basiseffekt berücksichtigt werden, sagt Simon Fry, Mitverfasser der Un­tersuchung – also der Umstand, dass die Zentralschweiz bei ei­nem viel tieferen Wert gestartet ist. Trotz eindrücklicher Steigerung sind Zürich, Zug und Luzern noch lange nicht an der Spitze: 2016 betrug die Wertschöpfung 1,2 Milliarden Franken, was nur rund 4 Prozent der gesamtschwei­zerischen Wertschöpfung entspricht. Etwas besser sieht es bei den Arbeitsplätzen aus: Von total 45500 Beschäftigten waren 2200 Personen oder knapp 5 Prozent im Raum Zürich-Zug-Luzern beschäftigt. In Tat und Wahrheit waren es allerdings weit mehr Arbeitsplätze, denn in der Studie wurden nur die Beschäftigten jener Standorte berücksichtigt, die hauptsächlich der Produktion dienen. Nicht mitgezählt wurden die Niederlassungen, an denen in erster Linie geforscht wird, ebenso wenig die Verwaltungseinheiten. Den Grundstein für die steile Entwicklung der Branche in der Region hat laut der Studie die Medizintechnik gelegt, welche wie die Pharmaindustrie ebenfalls zur Life-Sciences-Branche gehört. Die guten Bedingungen hätten dazu beigetragen. «Das regulatorisch und steuerlich attraktive Umfeld, die zentrale Lage mit der gut ausgebauten Verkehrsinfrastruktur sowie die Verfügbarkeit hoch qualifizierter Arbeitskräfte machen die Region attraktiv», wird der Luzerner Wirtschafts­direktor Robert Küng zitiert.

Laut Fry zeigen die Zahlen, dass die Produktion, entgegen dem allgemeinen Eindruck, wieder in die Schweiz zurückkomme. Man müsse aber differenzieren: Während die klassische chemische Produktion verschwinde, lege die komplexere Biotechnologie zu. «Anderswo fehlen da oft einfache Dinge wie eine zuverlässige Stromversorgung», sagt der Ökonom. Selbst kurze Unterbrüche könnten vieles zunichte machen. Für die Zukunft zeigt er sich zuversichtlich: Die Pharmaindustrie sei in der Schweiz sehr gut aufgestellt, sie bleibe innovativ und attraktiv. Angesichts der grossen Distanzen in anderen Ländern sei unser Land aber gut beraten, die regionale Zusammenarbeit auszubauen und als «Standort Schweiz» aufzutreten: «Für den Amerikaner liegt Lutterbach neben Basel, der Flughafen und die ETH Zürich und das Hauptquartier in Zug ebenso.»

«Rein wirtschaftlich betrachtet schöne Zahlen»

Die Entwicklung sei «beachtlich», findet auch die Luzerner SP-Nationalrätin Prisca Birrer-Heimo, die als Präsidentin der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) mit der Pharmaindustrie immer wieder im Clinch liegt: «Das sind rein wirtschaftlich betrachtet schöne Zahlen», sagt sie. Wenn diese auch entsprechend Arbeitsplätze, Lohneinkommen «und hoffentlich auch zusätz­liche Steuereinkommen der Un­ternehmen» generierten, sei dies erfreulich.

Weniger erfreulich hingegen sind laut Birrer-Heimo die oft daraus resultierenden hohen Medikamentenpreise, welche die Gesundheitskosten in die Höhe schnellen liessen: «Ob alles, was die Pharmafirmen produzieren, immer medizinisch sinnvoll und notwendig ist, steht auf einem anderen Blatt.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.