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SWISSAIR: Reisen mit der «Unterwalden» war auf jeden Fall ein Erlebnis

Ein Flugzeug mit dem klingenden Namen «Unterwalden» brachte das Wappen der beiden Halbkantone in die ganze Welt. Die Maschine war länger im Einsatz als das Modell Concorde und heute vor dreissig Jahren zum letzten Mal in der Schweiz unterwegs.
Benedikt Meyer
Die «Unterwalden», hier in den 1950er-Jahren zu sehen, wird auf dem Flughafen Zürich beladen. (Bild:)

Die «Unterwalden», hier in den 1950er-Jahren zu sehen, wird auf dem Flughafen Zürich beladen. (Bild:)

Benedikt Meyer

redaktion@nidwaldnerzeitung.ch

Am 2. April 1952 nahm die Swissair ein neues Flugzeug in Empfang: die «Unterwalden». Erst kurz vorher hatte die nationale Fluggesellschaft damit begonnen, ihre Maschinen nach Kantonen zu benennen, und die Innerschweizer kamen nach den Flughafenkantonen als Erste an die Reihe. Die «Unterwalden» war eine DC-4. Maschinen dieses Typs hatten den Transatlantikverkehr ermöglicht und 1948/49 das isolierte Berlin per Luftbrücke mit Lebensmitteln versorgt. Die Flughäfen Zürich-Kloten und Basel-Mulhouse waren extra für dieses Flugzeugmodell neu gebaut worden. Aber die DC-4 war nicht nur grösser und schwerer als frühere Modelle, sie war auch die erste Maschine, in der Speisen an Bord gewärmt und heiss serviert werden konnten.

Die «Unterwalden» kam nicht direkt von der Fabrik zur Swissair. Sie war im Frühling 1945 als US-Militärtransporter hergestellt und kurz darauf für den zivilen Einsatz umgebaut worden. Sechs Jahre lang war sie für die legendäre Pan American Airways im Einsatz. Wo genau, ist unklar, vielleicht über dem Atlantik, vielleicht in der Karibik, vielleicht auch rund um die Welt. Dass die Swissair Occasionen kaufte, war selten. Aber sie hatte gerade zwei DC-4-Maschinen durch Unfälle verloren, und neue DC-4 wurden inzwischen nicht mehr hergestellt.

Aktuell fliegen Sarnen, Schwyz und Frutt

Die heutige Fluggesellschaft Swiss hat aktuell zwei Airbus A330 mit Namen aus der Zentralschweiz im Einsatz: Sarnen und Schwyz. Die A340-Langstreckenflugzeuge, welche die Namen Zug, Stans, Altdorf und Luzern trugen, sind ausgemustert worden. Im Rahmen eines neuen Konzepts will man wieder ein Flugzeug nach diesen Ortschaften benennen, welches und wann ist laut einem Swiss-Sprecher derzeit offen. Die Gesellschaft Edelweiss fliegt seit 2016 mit einer A340 mit Namen Melchsee-Frutt. (mvr)

Ohne Druckkabine drohte Ohnmacht

Die «Unterwalden» flog für die Swissair durch Europa, nach Amerika, Nah- und Fernost. Allerdings: Überquerte sie die Alpen, wurde den Passagieren mulmig. Mangels Druckkabine mussten die Fluggäste in grosser Höhe mit zusätzlichem Sauerstoff versorgt werden. Reisende, die eine Maske ablehnten, wurden bisweilen ohnmächtig. In den tieferen Luftschichten bestand dieses Problem nicht, dafür wirkten hier Wind und Wetter. Für die Passagiere waren Reisen mit der «Unterwalden» also auf jeden Fall ein Erlebnis. Flüge nach Amerika erfolgten in tieferen Schichten und mit mehreren Zwischenlandungen.

1959 verkaufte die Swissair die «Unterwalden» und eine weitere Maschine an die Balair. Im Tausch dafür erhielt sie 40 Prozent der noch jungen Fluggesellschaft. Balair brachte vor allem Sonnenhungrige ans Mittelmeer und ermöglichte vielen Schweizern die ersten Strandferien. Sie transportierte auch Gastarbeiter aus Spanien und Italien an Ostern oder über die Weihnachtstage in ihre alte Heimat.

Auch in der Krise im Kongo wertvoll

1960 wurde die Balair von der UNO und dem Roten Kreuz um Hilfe in der Kongo-Krise gebeten. Dort war ein Bürgerkrieg ausgebrochen mit unnötigem Leiden der Zivilbevölkerung. Zehn Stunden täglich war die «Unterwalden» im Einsatz mit Stockfischen, Kartoffeln, Reis und Medikamenten, um die Not der Bevölkerung zu mildern. In den Folgejahren flog sie immer wieder für humanitäre Zwecke. Mal transportierte sie Essen für Hungernde, mal flog sie Kriegsgefangene zurück nach Hause. Einen besonderen Auftritt hatte die «Unterwalden» 1964: Sie wurde Filmstar. In «Flug in Gefahr», dem ersten deutschsprachigen Flugzeugfilm, erlitten beide Piloten eine Lebensmittelvergiftung. Ein Passagier musste die Maschine landen. Die «Unterwalden» in der Hauptrolle ist im Film immer wieder prominent zu sehen.

Wenig später lief ihre Zeit als Passagierflugzeug definitiv ab. Die Balair verwendete sie noch für Frachtflüge und verkaufte sie 1969 an eine irische Frachttransport-Firma. 1972 wurde sie nach Norwegen verkauft, Jahre später war sie für kleine Transportfirmen und Private im Einsatz, dann wurde sie oft nach wenigen Monaten weiterverkauft und verschwand in den Quellen fast ganz vom Radar.

Erst in Südafrika und dann im Blumengeschäft

1983 gelangte die «Unterwalden» nach Südafrika. Dort wurde die fliegende Antiquität für Transporte in die Nachbarländer und quer über den Kontinent eingesetzt – bis sie 1988 von einem englischen Investor erworben wurde. Der geriet bald in Finanznöte, stiess aber durch Glück auf die Basler Speditionsfirma Danzas, welche die Maschine in der Folge übernahm.

Nun hätte die «Unterwalden» Blumen aus Holland und Spanien in die Schweiz bringen sollen, aber Danzas misslang der Einstieg in den Blumenhandel und der «Unterwalden» der eine oder andere Start. So flog sie von Basel noch einmal nach Spanien, einmal nach Rotterdam und Anfang Mai 1988 ein letztes Mal nach Zürich. Dort ging einer ihrer vier Propeller kaputt. Mit nur drei Motoren holperte sie dann zurück nach Basel, wo sie über ein Jahr vor sich hin rostete.

Noch einmal fand sich für die alte Kiste eine neue Verwendung statt des drohenden Schrottplatzes. Ein allerletzter Flug brachte sie 1989 nach Frankfurt. Dort erinnert sie seither als Denkmal an die Luftbrücke. 45 Jahre lang war die «Unterwalden» im Einsatz – länger als das Modell Concorde, länger als der Kalte Krieg dauerte. Als Denkmal ist sie in gewisser Weise immer noch im Einsatz.

Ihre Reichweite betrug 4600 Kilometer

Die DC-4 Unterwalden wurde von der Firma Douglas Aircraft in Santa Monica (Kalifornien) hergestellt. Sie hatte eine Reichweite von 4600 Kilometern und war für Europa, die USA, Afrika und den Mittleren Osten gedacht. 44 bis 55 Passagiere fanden im Flugzeug Platz, das 340 Stundenkilometer schnell fliegen konnte. Die DC-4 war 28,5 Meter lang und 8,4 Meter hoch und wies eine Spannweite von 35,9 Metern auf. Vom Typ wurden in den Kriegsjahren 1162 Stück gebaut. Die Maschine «Unterwalden» flog mit der Bezeichnung HB-ILU. (mvr)

Hinweis

Benedikt Meyer, 36, freier Histo­riker und Autor, beschäftigte sich mit der «Unterwalden» im Rahmen einer Forschung für die ETH.

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