SWISSNESS: Minder schiesst scharf gegen Victorinox

Patrioten konnten aufatmen, nachdem klar geworden war, dass das Ibacher Familienunternehmen Victorinox den Zuschlag für die Produktion des neuen Soldatenmessers erhalten hat. Das sei ein «Affront», findet Thomas Minder.

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Erhobener Zeigefinger: Thomas Minder. (Bild Keystone)

Erhobener Zeigefinger: Thomas Minder. (Bild Keystone)

Der Chef des Kosmetikunternehmens Trybol in Neuhausen hat sich als Kämpfer gegen den Missbrauch der «Marke Schweiz» einen Namen gemacht: Bereits etwa wegen der Verwendung des Schweizer Kreuzes auf Produkten des Nahrungsmittelhersteller Emmi und Zwicky hat Minder, der sich mit seiner «Volksinitiative gegen Abzockerei» auch gegen hohe Abgangsentschädigungen und Bonuszahlungen an Manager einsetzt, im vergangenen Jahr Strafanzeige erstattet.

Freibrief für Verwendung des Schweizer Kreuzes?
Nun richtet sich sein Zorn gegen die Ibacher Messerschmiede: Dass Victorinox diesen Staatsauftrag bekommen habe, sei «ein Affront gegenüber allen Schweizer Unternehmungen, welche sich ans Marken- und Wappenschutzgesetz halten», sagt er in einem Interview mit der Onlineausgabe der Gratiszeitung «20 Minuten». «Es ärgert mich sehr, dass ausgerechnet Victorinox, das Flagschiff der 'swissness', den Schutz der Herkunftsbezeichnung aufs Gröbste verletzt», wird Thomas Minder weiter zitiert. Dieser Vorfall werde Nachahmer auf den Plan rufen, «auch aus Asien», formuliert er seine damit verbundene Befürchtung.

Zwar würden die Messer selber in der Schweiz hergestellt, andere Produkte der Victorinox-Linie wie Rucksäcke oder Regenschirme jedoch im Ausland – trotzdem versehen mit dem Logo «Victorinox - Swiss Army». Einen «so krassen Fall wie Victorinox hatten wir noch nie», befindet Minder. Das sei «ein klarer Verstoss gegen unsere Gesetze ist. Deshalb habe ich Anzeige erstattet».

Auslandsfabrikation und doch «swiss made» 
Der Schutz des Schweizer Wappens ist umstritten. Gemäss dem Gesetzgebungsprojekt «Swissness» darf nur noch die Eidgenossenschaft das Schweizerkreuz in einem Wappenschild verwenden. Im Grundsatz stösst dieser Revisionsentwurf für das Bundesgesetz über den Schutz von Marken und Herkunftsangaben von politischer Seite auf Zustimmung. Gemäss Thomas Minder ist damit aber noch zu wenig getan: «Es droht die Gefahr, dass nur noch die Forschung und Entwicklung und ein marginaler physischer Fabrikationsschritt in der Schweiz stattfinden würden. Produkte könnten dann das Gütesiegel 'swiss made' tragen, obwohl der Grossteil der effektiven Produktion im Ausland erfolgt», sagt er gegenüber «20 Minuten». Er wolle nun das Vernehmlassungsverfahren abwarten – und allenfalls eine Volksinitiative lancieren. «Die habe ich schon fertig in der Schublade für alle Fälle.»

Victorinox verweist auf eine Ausnahmegenehmigung, die der Messerfabrikant kurz nach Inkrafttreten des Wappenschutzgesetzes vom Bund erhalten habe. Gegen das neue Gesetz wehre man sich mit «Händen und Füssen» und hoffe auf den Druck der Bevölkerung, damit das Schweizer Wappen weiterhin auf den Sackmessern bleiben darf. Gemäss der Schwyzer Regierung stehen die Anzeichen gut, dass eine ausgewogene und wirtschaftsfreundliche Lösung gefunden wird. Das Eidgenössische Institut für Geistiges Eigentum habe das Problem erkannt und zugesichert, die Interessen des traditionsreichen Messerfabrikanten zu berücksichtigen (siehe Artikelverweis).

scd/sda