Testfahrten für Sattelauflieger auf Gotthard-Achse

Auf der Gotthard-Strecke sind am Mittwoch Niederflur-Tragwagen für den Transport von Sattelaufliegern mit vier Metern Eckhöhe getestet worden. Eine Alternative zum teuren Ausbau des Vier-Meter-Korridors sei das nicht, so das Bundesamt für Verkehr.

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Start zur Testfahrt in Goldau: Lastwagen mit 4 Metern Höhe sollen auf der Gotthard-Achse rollen können. (Bild: Erhard Gick / Neue SZ)

Start zur Testfahrt in Goldau: Lastwagen mit 4 Metern Höhe sollen auf der Gotthard-Achse rollen können. (Bild: Erhard Gick / Neue SZ)

Die Komposition auf Testfahrt. (Bild: Erhard Gick)

Die Komposition auf Testfahrt. (Bild: Erhard Gick)

Am Mittwochvormittag fuhr der Testzug - eine Lok, zwei Niederflur- Wagen samt aufgeladenem Sattelauflieger - ein erstes Mal von Arth- Goldau nach Airolo und zurück. Eine zweite Fahrt war am Nachmittag geplant.

Ziel war es, zu zeigen, dass die Standard-Sattelauflieger mit vier Metern Eckhöhe dank der tiefer gelegten Wagen durch die Lichtraumprofile von 3,84 Metern auf der Gotthard-Strecke passen. Der Test sei erfolgreich verlaufen, meldete das Unternehmen Viia, eine Tochterfirma der SNCF Geodis.

Terminals in Deutschland und Norditalien

Der Test habe gezeigt, dass das System «Modalohr» zwischen Basel und Chiasso eingesetzt werden könne, ohne dass an Schienen und Infrastrukturen Anpassungen nötig seien. Hingegen benötigt die «Viia Helvetica» neue Terminals.

Erstellt werden sollen diese in Duisburg im Ruhrgebiet, in Lahr im Schwarzwald und südlich von Chiasso in Norditalien, wie Kurt Metz, Kommunikationsbeauftragter von Viia in der Schweiz, auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda ausführte. Das Projekt in der Schweiz soll das bestehende Angebot von SNCF Geodis in Europa ergänzen.

Die Zulassung für die Waggons, die auf der Schweizer Strecke eingesetzt werden sollen, wollen die Verantwortlichen 2013 einholen. Noch offen ist nach Angaben von Metz, wer die Güter-Bahnverbindung künftig betreiben wird. Eine Konkurrenz oder Alternative zum Vier- Meter-Korridor sei das Projekt nicht.

Die «Viia Helvetica» sei als Ergänzung für den Transport von Sattelaufliegern gedacht, die nicht mit einem Kran verladen werden könnten. Nach Angaben von Viia ist das für neun von zehn europäischen Aufliegern der Fall. Die «Modalohr»-Niederflurwagen lassen sich von der Seite her beladen.

Die Testfahrt hat nach Angaben von Viia das Bundesamt für Verkehr (BAV) verlangt, das das Unternehmen im vergangenen August um eine Investitionshilfe für die Konstruktion der neuen Terminals ersucht hatte. Nach Angaben von BAV-Sprecher Andreas Windlinger laufen Gespräche mit den Anbietern der «Viia Helvetica».

Keine Alternative zu Vier-Meter-Korridor

Eine Alternative zum teuren Ausbau des Vier-Meter-Korridors durch den Gotthard sind die «Modalohr»-Wagen auch laut BAV-Sprecher Windlinger nicht. Der Bund gehe davon aus, dass mit dem System zu wenig Kapazitäten entstünden.

Denn die Güter müssten für die Fahrt durch die Schweiz auf die speziellen Wagen umgeladen werden, sagte Windlinger. Der Bund sehe die Niederflur-Wagen als «allfällige Übergangslösung und Ergänzung zum Vier-Meter-Korridor». Der Bundesrat hält deshalb am Ausbau des Vier-Meter-Korridors fest.

Kosten wird die Anpassung der Zufahrten zu den Basistunnels durch den Gotthard und den Ceneri 940 Millionen Franken. Das Parlament hat gefordert, dass die gesamte Gotthard-Achse bis 2020 ausgebaut wird. Die Lötschberg-Simplon-Achse ist für die Sattelauflieger mit vier Metern Eckhöhe befahrbar.

Nach Angaben des BAV überquerten im ersten Halbjahr 2012 insgesamt 628'000 Lastwagen die Alpen. Das Verlagerungsziel liegt bei jährlich 650'000 Lastwagenfahrten ab dem Jahr 2018.

Für die Alpeninitiative können die «Modalohr»-Niederflurwagen zwar «eine Zwischenlösung» sein bis zum Ausbau des Vier-Meter- Korridors, aber langfristig keine Alternative dazu, wie sie schrieb. Den Vier-Meter-Korridor brauche es auch, damit Personen- Doppelstockzüge künftig die ganze Strecke Zürich/Basel - Chiasso befahren könnten.

sda