Tötungsdelikt in Hohenrain: Bundesgericht bestätigt Urteile des Kantonsgerichts

Im August 2009 starb ein Brasilianer durch einen Messerstich. Das Kantonsgericht verurteilte drei Männer zu mehrjährigen Haftstrafen. Diese zogen das Urteil bis ans Bundesgericht. Ihre Beschwerden wurden abgewiesen.

Roger Rüegger
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In Hohenrain haben im August 2009 ein Mazedonier (heute 38) und zwei Kosovaren (29 und 33) einen jungen Brasilianer angegriffen. Einer der Angreifer setzte ein Messer ein. Der 24-jährige Südamerikaner starb noch an Ort und Stelle. Es war nicht von vornherein klar, wer mit dem Messer zugestochen hatte. Das Kriminalgericht verurteilte im März 2017 den Mazedonier als Haupttäter zu 8 Jahren und 3 Monaten. Gegen das Urteil legten alle drei Beschuldigten Berufung ein.

Das Kantonsgericht kam Ende August 2019 überraschend zum Schluss, dass der 33-jährige Kosovare das Messer zückte und verurteilte ihn wegen eventualvorsätzlicher Tötung und Angriffs zu einer Freiheitsstrafe von 7 Jahren und 2 Monaten. Der Mazedonier und der jüngere Kosovare wurden wegen Angriffs zu Freiheitsstrafen von je 3 Jahren und 3 Monaten verurteilt. Gegen das Urteil legten die drei Beschuldigten abermals Berufung ein und zogen ans Bundesgericht. Mit Urteil vom 16. Juni 2020 wies das Bundesgericht die Beschwerden ab. Damit sind die Schuldsprüche des Kantonsgerichts rechtskräftig geworden.

Der Haupttäter machte die Verletzung der Unschuldsvermutung geltend. Auch eine eventualvorsätzliche Tatbegehung falle ausser Betracht. Das Bundesgericht hielt fest, das Kantonsgericht sei zu Recht zum Schluss gelangt, dass als Urheber des Messerstichs nur der 33-jährige Kosovare in Frage komme. Und wer einem Menschen unkontrolliert mit einem Messer in Bauch oder Brust steche, nehme das Risiko einer tödlichen Verletzung in Kauf und handle damit eventualvorsätzlich.

Der jüngere Kosovare meinte, eine Verurteilung wegen Angriffs sei unzulässig, da das Strafverfahren wegen eventualvorsätzlicher Tötung rechtskräftig eingestellt worden sei. Das Bundesgericht bestätigte jedoch die Verurteilung wegen Angriffs zu einer Freiheitsstrafe von 3 Jahren und 3 Monaten.

Der Mazedonier verlangte angesichts der langen Verfahrensdauer eine Freiheitsstrafe von 24 Monaten. Weil ein Beschuldigter während längerer Zeit nicht auffindbar war, verneinte das Bundesgericht eine Verletzung des Beschleunigungsgebots und bestätigte die Verurteilung des Mazedoniers.

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