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TOURISMUS: Auf den Berg zum halben Preis: Für Touristen kein Problem

Auch bei den Bergbahnen ist die Schweiz ein teures Pflaster. Dies zeigt etwa die neue Preispolitik der Bürgenstockbahn. Andere Destinationen schöpfen ebenfalls aus dem Vollen – und gehen davon aus, dass die Schweizer Gäste ein Halbtaxabo besitzen.
Asiatische Touristen auf dem Weg nach Rigi Kulm. (Bild: Corinne Glanzmann (Vitznau, 22. Juni 2017))

Asiatische Touristen auf dem Weg nach Rigi Kulm. (Bild: Corinne Glanzmann (Vitznau, 22. Juni 2017))

Diese Meldung hat eingeschlagen: Wer ab August mit der Bürgenstockbahn auf den Berg will, muss 50 Franken hinblättern. So viel kostet eine Fahrt retour ohne Halbtax. Es sei denn, man residiert im Resort. Dann ist die Fahrt kostenlos. Auf der Facebook- Seite unserer Zeitung enervieren sich die Leser. «Eine Frechheit», schrieb jemand. «Sind die einfachen Leute auf dem Bürgenstock nicht mehr erwünscht?», fragte ein anderer Nutzer.

Jürg Stettler ist Professor für Tourismuswirtschaft an der Hochschule Luzern. Er vermutet im Preis der Bürgenstockbahn eine Lenkung zu Gunsten der Touristen im Resort. «Die Aufent­haltsqualität ist ein hohes Gut; und es könnte sein, dass die Betreiber bewusst einen hohen Preis angesetzt haben, um den Hotelgästen einen bestmöglichen Aufenthalt zu bieten.» Diese hätten kein Interesse daran, dass der Bürgenstock von Tagestouristen und Wanderern überlaufen werde.

Auf der Rigi sind Schweizer in der Mehrheit

Ähnlich klingt es auf Facebook. Es wird der Verdacht laut, dass Touristen auch bei anderen Berg­bahnen von günstigeren Konditionen profitieren als Einheimische. Auch am Fuss der Rigi wird hinter vorgehaltener Hand gemunkelt, Einheimische müssten für eine Fahrt nach oben mehr bezahlen als etwa asiatische Touristen. Das zeigen Recherchen in Vitznau. Grund genug, die Preise ausgewählter Bergbahnen der Region etwas genauer anzuschauen.

Rund 800 000 Gäste verzeichneten die Rigibahnen im letz­ten Jahr. Mit 70 Prozent Schweizer Gästen bilden Einheimische dort die grosse Mehrheit.

Eine normale Fahrt nach Rigi Kulm retour kostet den Reisenden 72 Franken, mit Halbtax 36 Franken. Wer in den angrenzenden Gemeinden Vitznau, Weggis oder Arth-Goldau wohnt, erhält auch ohne Halbtax 50 Prozent Reduktion auf den Normaltarif. Die Rigibahnen finden den Preis für die Fahrt nicht zu hoch angesetzt. «Wir sind der Meinung, dass wir sehr attraktive Vergünstigungen anbieten und als eine der wenigen Bergbahnen im öffentlichen Verkehrsnetz eingebunden sind», sagt Roger Joss, Leiter Marketing und Verkauf der Rigibahnen. Für Reisegruppen gibt es einen besonderen Tarif. Wer mit einem Gruppen- oder Kollektivticket des öffentlichen Verkehrs unterwegs ist, erhält eine Reduktion von 20 Prozent, und jeder 10. Reisende ist gratis. Je nach Vertragspartner und Anzahl Gäste kann der Preis aber auch variieren. «Als Faustregel gilt, dass ein internationaler Gruppengast mehr bezahlt als ein Schweizer Individualreisender mit Halbtax», so Joss.

Ähnlich klingt es bei Godi Koch, Direktor der Pilatusbahnen. «Die Preise für die Reisegruppen werden anhand deren Grösse berechnet. In der Regel bezahlt ein Tourist nicht weniger als ein Schweizer mit Halbtax», sagt er. Auch die Pilatusbahnen handeln die Preisverträge individuell mit den Reiseorganisatoren aus. Reisegruppen bilden rund einen Viertel der Gäste auf dem Luzerner Hausberg. Doch auch Schweizer könnten immer wieder von Spezialangeboten profitieren. Letztes Jahr reisten Gäste Dank einer Zusammenarbeit mit der UBS für 10 Franken auf den Berg. Heuer gibt es laut Koch eine Partnerschaft mit Coop. Wer für ein paar Superpunkte ein Heft mit Gutscheinen kauft, findet darin einen Bon, der eine Reise auf den Pilatus zum Halbtaxpreis ermöglicht. Wer bereits ein Halbtaxabo besitzt, bekommt noch weitere 20 Prozent Ermässigung aufs Billett.

Anders sieht die Situation in Engelberg aus. Dort stellen Gruppentouristen gar den Löwenanteil der Gäste: 40 Prozent der Titlis-Gäste reisen in Gruppen. Der Gruppentarif gilt ab 10 Personen. Diese bezahlen je 74 Franken ohne Halbtax, statt der üblichen 92. Ausserdem erhalten Gäste, die in einem Engelberger Hotel übernachten, mit der Gästekarte 10 Prozent Ermässigung auf dem Normaltarif. «Wir versuchen, mit den Preisen transparent zu sein. Der Preis muss einer Logik entsprechen», sagt Peter Reinle, Marketingchef von Titlis Engelberg, und findet die Kosten für die Bergbahn durchaus gerechtfertigt. «Wir gehen immerhin auf 3000 Höhenmeter, und Attraktionen wie der Titlis Cliff Walk oder die Gletschergrotte sind in diesem Preis inbegriffen.»

Übrigens: Gewisse speziell für Touristen lancierte Angebote können auch von Schweizern genutzt werden: Wer etwa in einen Swiss-Coupon-Pass investiert, kann von verschiedenen «2 für 1»-Angeboten profitieren. Das Mittagessen oder der Klassenwechsel geht dann nur noch halb so stark ins Geld.

Kilian Küttel und Martina Odermatt

kanton@luzernerzeitung.ch

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